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und rechts sind 100150 Fuß hohe Berge. Am Fluß stehen 60 Fuß hohe Gummibäume, von 89 Fuß im Durchmesser. Hier fängt es an lebhaft zu werden, denn es sind 2 Kalk- und Backsteinbrennereien hier. Wir hiel­ten Rasttag am 2. Mai. Hier sahen wir das erste land- wirthschaftliche Fest. Da war auf einer mit Gras be­wachsenen großen Ebene eine Rennbahn; bei 100 Mann mit Pferden waren hier beisammen, wovon 24 als Wett, renner sich die Bahn brachen. Es wurde 6mal gerennt, jedesmal zugleich losgelassen. Der erste Preis für den besten Renner betrug 50 Pfund. Die Bahn maß 3000 Schritt im Umfang. Pfeilschnell durchflogen die Pferde die Bahn. Es dauerte das Spiel von 12 Uhr bis 6 Uhr Abends. Auch war zugleich Jahrmarkt und Schnapö- und Weinbuden auf dem Festplatz vorhanden.

Dies war die letzte Stadt, von der wir noch 20 Stunden bis Kyeamba hatten. Wir brauchten noch 4 Tage. Bald gings über sanft ansteigende Hügel, bald durch Ebenen, bald über niedere Berge, alles aber ange- schwemmtes fruchtbares Land, noch nicht angebaut, son­dern blos als Viehweiden benützt. Es ernährt eine Menge von Ochsen, Kühen, Rinder und sehr große Heerden Schaafe, das ganze Jahr im Freien. Mit dem Vieh wird nach Sidney ein starker Handel getrieben.

Endlich am 6. Mai langten wir in Kyeamba an, nachdem wir 26 Nächte unter einem Karren, welcher bei Nacht überdeckt wurde, zu Achtzehn geschlafen hatten. Hier zu Land ist eS nicht gebräuchlich, des NachtS in einem Gasthause zu logiren, man hat es auch nicht nothwendig und die Herberge unter dem Karren ist bil­lig. Zu fürchten braucht man sich auch nicht. jEs hat in diesem Lande kein« wilden Thiere, noch sonst, ,was dem Menschen gefährlich oder schädlich wäre, auch keine Räuber. Man sieht keinen Reisenden, der einen Stock oder eine Waffe trüge, sondern ein Jeder, er mag gehen oder reiten, hat ein Päckchen mit Brod oder Mehl, et­was Fleisch und ein wenig Thee für 2 oder 3 Tage und eine Theekanne als Säbel auf der Seite hängen. Will Jemand essen, so findet man überall Feuer von früheren Reisenden, die vorher vielleicht einen halben Karch Holz verbrannten, denn daran fehlt es nicht. Die Stadt Kyeamba besteht aus 10 Häusern, nämlich aus dem HerrschaftShaus des Herrn Walker, dem Schulhaus, einer Schmiede, einer Post und 6 Taglöhner- und Schä­ferhäusern. Es sind lauter Blockhäuser. Eine Kalkbren­nerei haben wir, und bis den August wird eine Back­steinbrennerei errichtet, denn es wird nächstens ein Herr- fchaftshauS aus Backstein neu gebaut werden, so wie auch eine Kirche.

Die Stadt liegt in der Mitte des einen Gutes von Hrn. M. Walker und Komp. Dieses ist 15 Meilen der Straße nach von Morgen gegen Abend und von Süden nach Norden 60 Meilen lang. Sie haben hier 20,000 Schaafe und 4000 Stück Rindvieh. Es sind in diesem Bezirke mehrere Höfe angelegt und leben auf wenigstens 50 deutschen Meilen ungefähr 200 Menschen, wo in Deutschland wenigstens 200,000 leben würden. Die nebenliegenden Bezirke gehören noch eigenthümlich der Regierung, und diese läßt den nächsten August, 27 Mei­len von hier, viele Parzellen von 25 Morgen groß ver­steigern. Unser Schiffsdoktor will sich auch so ankaufen. Die angelegte Stadt heißt Wagewage und fließt der Fluß Morambilquee von Gundegai dort vorbei. Der Boden ist sandartig und humusreich, von V, bis auf 1 Fuß, dann fängt hellerer Grund an, der Untergrund ist gerade wie an der Bergstraße, auch die Bäche quellen wie dort. Es ist gerade wie zwischen Weinheim und Handschuchsheim, wenn man durch die Dörfer geht, über sanft ansteigende Hügel und Ebene. In den Thälern ist der gute Grund mehrere Fuß tief. (Forts. folgt.)

Miszellen.

(Bouvard's Heilmethoden). Paris besaß zwei Aerzte die denselben Namen Bouvard trugen. Der erste, Karl Bouvard, war Arzt Ludwig's Xlll. und behandelte diesen Fürsten mit einem fürchterlichen Ueberfluß von Medikamenten. Der unglückliche Patient mußte in einem einzigen Jahre 200 Arzneien und 45 Aderlässe nehmen. Seine Gesundheitsmittelchen, mit denen er überall bei der Hand war, sind gar nicht zu zählen; er erinnerte in der That an jenen Gutschmecker, der auf die Frage wie oft er Wachteln essen würde antwortete:Immer! Immer!" Der zweite Bouvard war mehr und mit mehr Recht berühmt. An­fangs weigerte er sich LeibarztLudwig's XX. zu werden, um seine städtische Praxis , besonders seine arme Kundschaft, uicht auf­geben zu müssen. Als er einen rechtschaffenen Kaufmann zu be­handeln hatte mit dessen Vermögeusumständen es nicht zum be­sten stand, so entdeckte sein Scharfsinn ihm bald, daß der Kummer Ursache seiner Leiden war.Hier ist mein Rezept", sagte er seinem Patienten,entweder wenden Sie es sofort an oder ich komme nicht wieder". Als er fort war öffnete der Kranke mit schwacher Hand das Papier, und fand zu seiner Ueberraschung eine Anweisung von 30,000 Francs auf Bouvard's Banquier. Solche Rezepte sind wohl seit Ludwigs XV. Zeit nicht wieder verschrieben worden.

In Abwesenheit des Redakteurs für die Redaktion verantwortlich: A. Boczek.

Druck un^ Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.

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