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ten die Musiker, genug, die zweiten Violinen griffen bei den Worten: „Nur ein feiger Tropf verzagt," jedesmal Dis statt D. Hier konnte Mozart sich nicht langer hal­ten; er rief in seiner, freilich nicht sehr verzierten Sprache aus Leibeskräften: „Verflucht! wollt Ihr D greifen?" Alles sah sich um, auch mehrere aus dem Orchester woll­ten wissen, wer sie so schonungslos angeredet hatte. Einige Musiker erkannten den Mann in dem alten Ueber, rocke. Die Nachricht von seiner Anwesenheit verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das ganze Theater, und vom Orchester auf die Bühne, wo sie große Unruhe ver­breitete. Die Sängerin, welche die Rolle Blondinens hat, erklärt, daß sie nicht weiter singe, indem sie eine plötzliche Unpäßlichkeit vorschützt. Als die Nachricht an den Musikdirektor gelangt, weiß dieser sich nicht anders mehr aus seiner Verlegenheit zu helfen, als daß er sich an den Urheber der ganzen Unordnung wendet, welcher unterdessen bis in seine Nähe vorgedrungen ist. In einem Augenblick ist Mozart hinter den Coulissen und tritt mit den Worten zu der eingeschüchterten Sängerin: „Madame, was treiben Sie für Zeug? Sie haben herrlich, vor­trefflich gesungen, und damit Sie's ein andermal noch besser singen, will ich die Rolle mit Ihnen einstudiren." Dieses Kompliment sammt dem Versprechen befreite die Musikfreunde aus der Gefahr, die ihnen drohte.

Den folgenden Tag sprach man in Berlin von nichts, als von der Veranlassung, welche beinahe die Vorstellung unterbrochen hätte. Mozart ist hier, hieß es überall. Er wurde bei Hofe vorgestellt und von dem Könige Friedrich Wilhelm II äußerst gnädig ausgenom­men. Dieser Fürst schätzte und bezahlte nicht nur die Musiker ungemein, sondern war, wenn auch nicht tiefer Kenner, doch geschmackvoller Liebhaber, und eS hätte, wie man sagt, nur von Mozart abgehangen, das außeror, dentliche Wohlwollen zu benützen, welche er ihm zu Theil werden ließ. Es verging fast kein Tag, an wel­chem er nicht in die Gemächer des Königs gerufen wurde, wo er entweder allein spielen oder mit einigen Mitglie­dern der Hofkapelle Quartetts vorzutragen hatte. Fried­rich Wilhelm wünschte seine Meinung über diese Kapelle, eine der ersten in Europa, zu hören. Mozart erwiderte: „Sie hat die größte Sammlung von Virtuosen in der Welt; auch Quartett habe ich nirgends so gehört, als hier; aber wenn die Herren alle beisammen sind, könnten sie es noch besser machen."

Der König freute sich über seine Aufrichtigkeit und sagte ihm lächelnd: „Beiben Sie bei mir, Sie können es dahin bringen, daß sie es noch besser machen! Ich biete Ihnen jährlich dreitausend Thaler Gehalt an". Dreitausend Thaler für einen, der nicht mehr als acht­hundert Gulden sicheres Einkommen hatte. Ueberdieß

sprach sich in den Worten des Königs die Absicht deut­lich aus, daß er ihm die Stelle eines ersten Kapellmei­sters zu geben beabsichtige. Endlich sollte er die seiner würdige Stellung erlangen, um die er sich so lange und stets vergeblich bemüht halte. Man kann es fast nicht begreifen, wie Mozart auf ein eben so verführerisches als ehrenvolles Anerbieten mit Rührung erwidern konnte: „Kann ich meinen guten Kaiser verlassen" ? Der König, welcher seine Verhältnisse in Wien wohl kannte, wurde bei dieser Antwort ebenfalls gerührt, und setzte nach ei­ner Pause hinzu: „Ueberiegen Sie sich die Sache; ich halte mein Wort, auch w'enn Sie in Jahr und Tag erst kommen sollten". Mozart kam aber nicht.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Auswanderungsfrage, insbesondere für süddeutsche Auswanderer.

(Fortsetzung.)

Donnerstag Abend, am 29. März, liefen wir in die Baßstraße. Da ist rechts die Insel Van DiemenS-Land, so groß als das ganze Königreich Bayern. ‘ England und Australien schicken jetzt ihre Verbrecher hin. Links liegt Neuholland. AbendS halb 11 Uhr gewahrten wir einen Leuchtthurm von Port Philipp, wo die Stadt Melbourne in Australien liegt. In aller Frühe am 30. März, mit Tagesanbruch, waren wir wieder auf dem Verdeck und sahen nach Land. Erst Mittags 12 Uhr sahen wir mit dem größten Vergnügen und der heiße­sten Sehnsucht eine lange Reihe von Bergen an der süd­lichen Küste von Australien und um 4 Uhr gegen Abend Berge von der Insel Diemens-Land. Das Land ver­schwand wieder unserem Auge, nur von ferne sahen wir etliche große Felsen aus der See hervorragen; wir hat­ten hier die gefahrvollste Nacht vor uns. Denn sollte es Sturm geben, so kann hier leicht an einem Felsen ein Unglück geschehen. Diese Nacht ging unser Kapitän nicht vom Verdeck, aber es wehte ein sanfter Wind, was meist der Fall ist, weßhalb die See auch daS stille Meer heißt.

Ganz langsam schlich unser Dreimaster an den rechts und links liegenden Felsen und Inselchen vorbei, wie eine Braut und von heiligen Engeln bewacht. Am kom­menden Morgen, den 31. März, sahen wir die zurück und vor unS liegenden 10 großen und kleinen Felsen von V* bis ’A Stunde Größe und 1 bis 4 Stunden von einander entfernt. Die ganze Strecke mag 6 Stun­den betragen haben.

Um 11 Uhr hatten wir alle zurückgelegt. An die­sem Morgen hatten wir viel Vergnügen; schöne grüne