Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — 115.
Arthur Pendennis.
(Fortsetzung.)
„Sie find sehr freundlich, uns Ihre Theilnahme und Entschuldigung zu Theil werden zu lassen", fuhr der Major fort; „aber erlauben Sie mir zu sagen, daß es fich darum jetzt nicht handelt. Sie sprachen soeben von meinem kleinen Neffen, als dem Erben von FairoakS Park und ich weiß nicht, waS sonst noch."
„AuSgelieheneS Kapital, ohne Zweifel, Major, und ein hübsches Sümmchen von Ihnen, auf den Fall, daß —"
„Mein guter Herr, ich sage Ihnen, der Junge ist der Sohn eines Dorfapothekers", schrie Major Pendennis, „und hat, wenn er mündig wird, nicht einen Schilling zu erwarten".
„Bah, Major, Sie schürzen", sagte Mr. Costigan, „mein junger Freund , das steht fest bei mir, ist einmal Erbe von zweitausend Pfund jährlicher Rente".
„Zweitausend Teufel! O, bitte um Entschuldigung, lieber Herr, aber — hat der Junge Ihnen 'waS vorge- macht? — 's ist eigentlich nicht seine Gewohnheit. Auf mein Ehrenwort, als Gentleman und außerdem als Vollstrecker des letzten WillmS meines Bruders, er hinterließ wenig mehr als fünfhundert Pfund jährliches Einkommen".
„Immerhin eine hübsche Summe Geld für sparsame Leut'", antwortet der Kapitän. „Auf Oehr', ich hab' gekannt einen Mann, der seinen Wein trank und mit vier Pferden fuhr und nur fünfhundert Pfund hat., aber ströng ökonomisch war — in Irland war'S, Herr Major. Wollen schon wirthschaften damit, Hr. Major — bauen Eie da nur auf Jack Costigan".
„Mein bester Kapitän Costigan — ich gebe Ihnen mein Wort, daß mein Bruder seinem Sohne Arthur nicht einen Schilling hinterlassen hat".
„Sie schörzen wohl mit mir, Major Pendennis", schrie jetzt Jack Costigan. „Oder treiben Sie Ihr Spiel mit die Gefühl' von ein' Vater und Oehrcnmann?"
„Ich sage Ihnen die schlichte Wahrheit", antwortete der Major. „Jeden Schilling, den mein Bruder hatte, hinterließ er seiner Wittwe, allerdings mit einem theilweisen Vorbehalt für den Knaben. Aber fie ist eine junge Frau und kann wieder heiralhen, wenn er fie beleidigt — oder sie kann ihn sogar überleben; denn sie stammt aus einer Familie, deren Glieder ein sehr zâheS Leben haben. Und nun frag' ich Sie als einen Gentleman und Mann von Welt: was kann meine Schwägerin, MrS. Pendennis, von fünfhundert Pfund jährlich, worin ihr ganzes Vermögen besteht, ihrem Sohne abtreten, um damit sich selbst und Ihre Tochter nach den Anforderungen der Stellung zu erhalten, welche einer so begabten jungen Dame gebührt".
„Soll mir damit zu verstöhen gegeben werden, Hörr, daß der junge Gentleman, der Ihr Nöff' ist, und den ich gehögt und gepflögt hab', alS meinen Herzenssohn, ein Betrüger ist, der mit die Neugungen und Empfündungen von mein geliebtes Kind sein verrötherischeS Spiel ge, trieben hat?" schrie der Kapitän in einem Ausbruche von Wuth. „Haben Sie etwa sölbst auf deS jungen Mannes leichtempfängliches Gemüth eingewirkl und ihm den Raih gegeben, daS Verhältniß abzubrechen und damit das Hörz meiner angeböteten Emilie? Ueberlegen Sie sich, Hörr, wie Sie Ihr Spiel treiben mit die Oehr' von Jack Costi-- gan. Könnt' ich mir denken, daß irgend ein Sterblicher daran dächt', beim Himmel, ich müßt' haben sein Blut, Hörr — wär' er alt oder jung".
„Mr. Costigan!" schrie der Major.
„Mr. Costigan kann seine und seiner Tochter Oehr' vertheudtgen, und er wirv'S mein Herr!" sagte Jener. „Sehen Sie dort auf das Schubfach, es enthält ganz«
