Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — ^M 113.
Arthur Pendennis.
(Fortsetzung.)
Major PendenniS ließ sich die üble Laune des Gentlemans nicht im mindesten verdrießen. Im Gegentheil, sie machte ihm Vergnügen. „So so", dachte er, „ein Nebenbuhler ist am Platze", und sendete ein Stoßgebet gen Himmel, daß Sir Derby nicht blos der Nebenbuhler, sondern auch der Sieger in diesem Liebeökampfe seyn möge, in den Pen und er sich eingelassen.
„Ich fürchte, ich unterbrach Ihre Fechtstunde; aber mein Aufenthalt in ChatterieZ ist nur von kurzer Dauer, und es lag mir viel daran, mich mit meinem alten Kriegs» kameraden, Kapitain Costigan, bekannt zu machen und eine Dame in der Nähe zu sehen, die mich von der Bühne aus so bezauberte. Ich war gestern Abend nicht der Einzige, der épris war, Miß Fotheringay (wenn ich Sie so nennen darf, obwohl Ihr Familienname ein sehr alter und edler ist). Es war auch noch ein ehrwürdiger Freund von mir dort, der ganz hingerissen von Ophelien Heim- gmg; und ich sah Sir Derby Oaks einen Blumenstrauß werfen, den keine Schauspielerin mehr verdiente, als Sie. Ich würde selbst einen mitgebracht haben, hätte ich gewußt, was ich zu sehen bekommen würde. Sind das da oben in dem Glase mit Wasser auf dem Kaminsimse nicht jene selben Blumen" ?
„Ich bin eine große Freundin von Blumen", sagte Miß Costigan mit einem schmachtenden Blicke auf Sir Derby Oaks, — aber der Baron sah sie noch immer verdrießlich und ärgerlich an.
„Der Süßen SüßeS — heißt eS nicht so in dem ' Stücke" ? fragte Mr. Pendennis, der sich darauf erstürzt । hatte, den Gutgelaunnten zu spielen.
„Auf Seele! ich weiß es nicht. Höchst wahrscheinlich heißt's so. Ich verstehe nicht viel von gelehrten Sachen", antwortete Sir Derby.
„Jst'S die Möglichkeit"! fuhr der Major mit einer erstaunten Miene fort. „Sie haben also die Liebe Ihres Vaters zu den Wissenschaften nicht geerbt, Sir Derby? Er war ein Mann von merkwürdig ausgebreitetem Wissen, und ich hatte die Ehre, ihn sehr gut zu kennen".
„Wohl möglich", sagte Jener, indem er mürrisch mit dem Kopf nickte.
„Er rettete mir das Leben", fuhr Pendennis fort.
„Ei that er das"? rief Miß Fotheringay, indem sie ihre Augen zuerst erstaunt auf den Major und dann dankbar auf Sir Derby rollen ließ — aber der Letztere war von der Art, daß ihn diese Blicke nicht gleich in Flammen setzten; und weit entfernt, daß der junge Mann erfreut auSgesehen hätte, daß der Chirurg, sein Vater, das Leben des MajorS gerettet haben sollte, schien es eher, als ob er den Wunsch hege, die Sache hätte den entgegengesetzten Ausgang genommen.
„Mein Vater war, glaub' ich, ein sehr guter Doktor", gab der junge Mann zur Antwort. „Ich aber habe damit nichts zu schaffen. Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen, Herr Major. Ich habe eine Bestellung — CoS, Gott befohlen — Miß Fotheringay, guten Morgen". Und trotz der erstaun: fragenden Blicke und des gewinnenden Lächelns der jungen Dame, verließ der Dragoner mit etlicheu steifen Bücklingen das Zimmer, und man hörte das Raffeln seines Säbels, als er die knarrende Treppe hinabschritt, und den ärgerlichen Ton seiner Stimme, als er den kleinen Tom Creed vermaledeite , welcher im Gange spielte, und dessen Kreisel Sir Derby mit einem Fluche in die Straße hinausschleuderte.
Der Major lächelte nicht im Geringsten, obschon er alle Ursache hatte, vergnügt zu seyn. „Ungeheuer hüb-
