Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur
1850. — M 110.
Arthur Dendennis.
(Fortsetzung.)
Ich finde mich nicht gut in die Bücher", sagte Mr. Foker, den Kopf wiegend, „verstand mich niemals so recht darauf, — Pendennis verstand's — er pflegte für die halbe Klaffe Verse zu machen — und doch" — brach der junge Gentleman heraus —, Sie find sein Vormund, ich hoffe, Sie werden mir's nicht übel nehmen, daß ich Das sage, — ich denke, er ist, was wir ein Kameel nennen," sagte der aufrichtige junge Mann.
Der Major sah sich hiermit plötzlich in eine höchst intereffante vertrauliche Unterredung verwickelt. „Und inwiefern ist Arthur ein Kamee!"? fragte er lächelnd.
„Sie verstehen mich", antwortete Foker mit den Augen zwinkernd — er würde ganz eben so wenig Anstand genommen haben, dem Herzog von Wellington so zuzuwinken; denn er war in jenem Zustande von Geistesabwesenheit, guter Laune und Unbedachtsamkeit, in dem man sich manchmal befindet, wenn man ein paar Flaschen Wein getrunken hat — „Sie verstehen mich: Arthur ist ein Kameel, nämlich mit Weibern,,.
„Er ist nicht der Erste von uns, mein lieber Mr. Harry", antwortete der Major. „Ich habe davon munkeln gehört — aber bitte, erzählen Sie mir mehr davon".
„Ei nun, Herr Major, sehen Sie — 'S ist zum Theil meine Schuld. Er ging eines Abends inS Schauspiel — denn sehen Sie, ich bin hier unten, um mich während der großen Ferien auf' erste Gramen einzupauken; nun komme ich ziemlich oft in meiner Spritze von Baymouth 'rübcr — also, wir bummelten ins Schauspiel, und Pen wollte vor Erstaunen über die Miß Fotheringay — ihr rechter Name ist Costigan — über'n Haufen fallen, und 's ist wahr, sie ist ein ungewöhnlich hübsches Mäd
chen ; und den nächsten Morgen stellte ich ihn dem General vor, wie wir ihren Vater heißen — der ein ausgemachter alter Bummler und ein Hauptkerl bei Whiskey und Wasser ist — und jo hat er ein Verhältniß mit ihr angesponnen. Und er hat sich in sie verliebt — und ich will, Gott stärke mich! ein Narr seyn, wenn er ihr nicht die Ehe versprochen hat —" sagte Foker, indem er mit der Hand auf die Tafel schlug, daß das Dessert in die Höhe hüpfte.
„Was, Sie wissen's auch schon"? fragte der Major.
„Es wissen! warum denn nicht? Und noch Manches außerdem. Wir kohlten darüber miteinander erst gestern und zogen Derby Oaks auf, bis er so wüthend war, wie ein toller Kater. Kennen wohl den Sir Derby OakS" ?
„Ich erinnere mich an Sir Tomas Oaks, seinen Vater, bevor er Baron oder Ritter wurde; er lebte in Cavendish-Square und war Leibchirurg bei der Königin Charlotte".
„Der Junge verhaut viel Geld, kann ich Ihnen sagen", versetzte Mr. Foker.
„Und ist Sir Derby Oaks", fragte der fNajor mit eben so viel Vergnügen als Aengstlichkeit in seiner Miene, „auch ein soupirant" ?
„Was für'n Ding" ? fragte Mr. Foker.
„Ich meine, ob er auch ein Verehrer der Miß Fotheringay ist".
„Na, und was für einer! Wir besuchen die Alte MontagS, Mittwochs und Freitags, und Pen kommt Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Aber bemerken Sie wohl, Alles in Ehren! Nein, nein? Nicht die Spur. Miß Fotheringay hat die Augen ein gutes Theil zu weit offen für dergleichen, Major Pendennis. Sie spielt mit dem Einen, um den Andern warm zu halten. Was man so zwei Sehnen an einem Bogen nennt."
