Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — .M 109.
Arthur DendenuLs.
sFortsetzung.)
So fuhren denn eines Tages, wo die Einrichtung getroffen worden, daß Pen zu Hause essen und den Abend mit seiner Mutter verbringen sollte, die beiden ältlichen Herren in der Kutsche nach Chatteries und speisten dort, wie ein paar lustige Junggesellen, im Gasthofe zum George, ehe sie ins Theater gingen.
Nur zwei andere Gäste befanden sich im Zimmer — ein Offizier von dem in Chatteries liegenden Regimente und ein junger Herr, den der Doktor bereits irgendwo gesehen haben mußte. Sie verließen dieselben jedoch bei ihrem Essen und eilten ins Theater. Es war wieder Hamlet, der gegeben wurde.
Wir haben das Spiel von Miß Fotheringay schon beschrieben und gesagt, wie die, welche sie einmal die Ophelia geben sahen, genau dasselbe an allen andern Abenden zu sehen bekamen. Beide ältliche Herren schauten ihr mit außergewöhnlichem Interesse zu und dachten, wie sehr Pen von ihr bezaubert seyn müßte.
„Gott"! murmelte der Major zwischen den Zähnen, indem er sie sich betrachtete, als sie, wie gewöhnlich, her- ausgerufen wurde und ihre schwebende Verbeugung vor der spärlichen Zuschauerschaft machte, „der junge Schlingel hat keine üble Wahl getroffen".
Der Doktor applaudirte laut und herzlich. „Aus mein Wort", sagte er, „sie ist eine sehr geschickte Schauspielerin, und ich muß gestehen, Major, daß sie mit sehr beachtenSwerthen körperlichen Vorzügen begabt ist".
„So denkt jedenfalls auch der junge Offizier dort in der Loge neben der Bühne", antwortete Major Penden- nis, und er machte den Doktor Portman auf den jungen Dragoner auS dem Kaffeezimmer des George aufmerksam, welcher in der erwähnten Loge saß und mit ungeheurem
Enthusiasmus applaudirte. Auch sie warf ihm einen außerordentlich süßen Blick zu, wie es dem Major schien: aber das ist so ihre Art, dachte er, — und damit schob er sein dickes Opernglas zusammen und steckte es in die Tasche, als ob er diese Nacht nichts mehr zu sehen wünschte. Natürlich machte auch der Doktor keinen Vor- schlag, dazubleiben, um das zweite Stück zu sehen, und so erhoben sie sich und verließen das Theater. - Der Doktor kehrte zu Mrs. Portman zurück, die in der Dekanei auf Besuch war, und der Major wandelte gedankenvoll nach dem George, wo er ein Bett bestellt hatte.
Zehntes Kapitel.
Die Feinde stehen sich gegenüber.
Langsam heimspazierend / erreichte der Major Pen- dennis bald den George, wo er Mr. Morgan, seinen getreuen Kammerdiener, antraf, der ihn an der Thür des Gasthofs erwartete und seinen Herrn, der im Begriff war, ein Licht zu nehmen und sich in's Bett zu verfügen, aufhielt und mit der ihm eigenen halb verschmitzten, halb ehrerbietigen Miene sagte: „Ich dächte, Herr, 's wäre gut, wenn Sie in's Kaffeezimmer eintreten wollten; 's ist dort ein junger Mann, den Sie gewiß gerne sehen möchten."
„Was, ist Mr. Arthur hier?" sagte der Major höchst verdrießlich.
„Nein, Herr, — aber sein guter Freund, Mr. Foker, Herr. Lady Agnes Fokers Sohn ist hier, Herr. Er ist im Kaffeezimmer eingeschlafen, seit er gegessen hatte, und hat eben nach seinem Kaffee geklingelt, Herr. Und ich denke, vielleicht wäre es Ihnen lieb, sich mit ihm unterhalten zu können", sagte der Bediente, indem er die Thür zum Kaffeezimmer öffnete.
Der Major trat ein, und da war in der That Mr. Foker der Einzige, welcher am Platze war. Er rieb sich
