Einzelbild herunterladen
 

Werthe einer theatralischen Vorstellung, eS mag seyn, was es wolle, gar nichts beitragen, wohl aber eher Schaden bringen), Worte stehen, oder ganze Stro­phen, die des Komponisten ganze Idee verderben. — Verse sind wohl für die Musik das Unentbehrlichste — aber Reime — des Reimes wegen das Schädlichste; die Herrn, die so pedantisch zu Werke gehen, werden immerhin sammt der Musik zu Grunde gehen. Da ist eS am besten, wenn ein guter Komponist, der das Theater versteht, und selbst Etwas anzugeben im Stande ist, und ein gescheidter Poet, als ein wahrer Phönir zusammen­kommen — dann darf Einem vor dem Beifalle der Un­wissenden auch nicht bange seyn.

Die Poeten kommen mir fast vor, wie die Trompe­ter mit ihren Handwerkspoffen; wenn wir Komponisten immer so getreu unseren Regeln (die damals, als man noch nichts Besseres wußte, ganz gut waren) folgen wollten, so würden wir eben so untaugliche Musik, als sie untaugliche Bücher verfertigen. — Nun habe ich Ihnen, dünkt mich, genug albernes Zeug daher ge­schwatzt."

Hindernisse verschiedener Art veranlaßten das Ver­schieben der Darstellung der neuen Oper bis zum 12. Juli des Jahres 1782. Mozart verlor bei diesem Zu­warten nichts. Belmonte und Constanze wurde mit rauschendem Beifalle ausgenommen; die meisten Stücke mußten wiederholt werden. Eine ziemlich verzweigte Ka­bale wagte eS nicht, ihre Mißtöne durch die allgemein erschallenden Applause und Bravo'S hören zu lassen; die Ueberzahl der Gutgesinnten war zu bedeutend, als daß man ihr ungestraft hätte entgegen treten können. Die Neider trösteten sich aber mit der Hoffnung, ein ander Mal eher durchdringen zu können, was ihnen auch in Figaro's Hochzeit gelang. Allem Anscheine nach hatte man darauf hingearbeitel, die Entführung bei dem Kai­ser in Mißkredit zu bringen, was für die Wohldiener unter den Maestri's um so leichter war, als Joseph selbst Kenner seyn wollte. Er ließ auch nach der Aufführung den Komponisten zu sich rufen und sagte zu ihm: „Ge­waltig viel Noten, lieber Mozart". — „Gerade so viel, Eure Majestät, als nöthig "ist.*) (Forts. folgt.)

Adolf Böttgers „Frühlingsmärchen "

(Fortsetzung.)

Im Demantschloß ist eben Hofball. Da ist eö köst­lich ! O dieser Blüthenkranz der Elfenschönen: Sige-

*) „Als Bonaparte die vortreffliche Komposition auf den Tod des General Hoche gehört hatte, richtete er an Cherubini dieselben Worte, wie der Kaiser, auf die der berühmte Komponist dieselbe Antwort wie Mozart gab."

linde', Hiolde, Viola, Similde, Tazette, ta Blandilde, Dornröschen und Lola! Und dazwischen^ Elfen-LionS aus reinem ätherischen Vollblut: Alpino, Narziß, Schmelz, Bläuling, Aërolith, Amethistchen und Turmelino. Es ist gerade eine Tanzpause:

Die Elfen ruhen vom wirbelnden Tanz, Genüsse der Kühlung zu nippen, Gewürzige Früchte mit purpurnem Glanz, Süßlockend wie schwellende Lippen.

Aus niedlichen Kelchen grün und blau

Schlürften sie Veilchenorgeade,

Gefrorenen Erdbeerblüthenthau

Und Orangenduftlimonadc.

Das flüstert und lispelt und kichert darein

In bunten wechselnden Gruppen

Von Tulpensalons, von Mondenschein,

Maskeraden, Larven und Puppen.

Hier zuckt man die Achseln mit scheelem Blick

Und höhnt die eig'neu Geschwister —

Dort wird nach der neuesten Politik Der Herr von Wurmstich Minister.

Vor Lilialide neigt Bläuling sich:

Meine Gnädige, dürft' ich es wagen

Den nächsten Reigen — „Bedauere, daß ich

Gemüßigt, es abzuschlagen —"

— Verkennen doch nicht meinen Rang und Stand? —

„Ich bin auf den Bällen noch Neuling!"

— So stell' ich mich selbst vor unter der Hand,

Ich bin der Junker von Bläuling! —

Er klappte die Sporen mit wildem Geklirr,

Die aus Bienenstacheln geschliff'nen,

Und wandte sich schnell in der Tänzer Gewirr,

Gleich einem von Hochmuth Ergriffnen.

In der Mitte des Saales gab Audienz

Der König der Geistergesandten,

Da stand Graf Raupenherz Erzellenz

Sammt seinen erlauchten Verwandten.

Am untersten Ende bekämpfen sich zwei

Schachspieler im hitzigsten Fieber,

Der Eine setzt niatt und nimmt dabei

Eine Prise Jelängerjelieber.

Eben in dem Augenblicke, wo diese Jelängerjelieber- Prise genommen wird, bricht von draußen der Sturm los. Erzklumpen fallen als Bomben in den Ballsaal, als Geschosse regnen herein Stechäpfel, Trübsand, Ko­rallen; darunter mischt sich der Strahl „dickleibiger Wasserbogen" u. s. w. Nun dringt die entsetzliche Rotte in den Saal. Nackte Niren, welche Polypen und Keu­len schwingen, brüllen die „Republik" auS, und schreien: „Nieder mit Oberon!"

Der König aber, während die Junker und die Fräulein vor lauter Mancheltenthum schier ineinander