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Ungarn zuschrieben, nur dem Magyaren galt, dem Er­oberer des Landes, dem tyrannischen Unterdrücker eines großen Volkes, Als nun der Mârz kam, da rührten sich die Magyaren; wir Wiener aber jauchzten ihnen Beifall und der Jubel nahm kein Ende, als Kaiser Ferdinand am 18. März ihnen Zugeständnisse machte, die nichts weniger bedeuteten, als die Trennung Ungarns vom Kaiserstaat, um Land und Volk der Willkühr deS MagyarenadelS auf immerdar preiszugeben. Dieser thö, richte Jubel war die Frucht unseres alten Vorurtheilö. Wir hatten Metternich und Sedlnitzki fortgejagt um der Freiheit willen; ein paar Tage später jauchzten wir der Unterdrückung des Volkes von der Leitha bis zur letzten Grenze Siebenbürgens Beifall zu. Wir zollten unsere Bewunderung den Männern, welche für des deutschen Volkes Recht sich erhoben; aber den muthigen Kroaten, der für seines Stammes Recht gegen die Magyarenherr- Schaft in die Schranken trat, den nannten wir einen Verräther. Wenn Jellacic ein Verräther ist, so sind wir alle nichts Besseres. Wenn die Magyaren vor un­sern Augen Recht behalten, so wird unS nichts anderes übrig bleiben, als auch bei uns die alte Junkerherrschaft wieder herzustellen. Over wären die deutschen Ansiedler, die slowakischen Eingeborenen in Ungarn vielleicht We­sen geringerer Art, alö die in Deutschland den Boden anbauen und sonst von ihrer Hände Arbeit leben? Ge­wiß nicht. Menschen sind jene wie wir; mithin haben wir Wiener thöricht gehandelt, unS für die Adelsherr­schaft in Ungarn zu erheben, und darum behaupte ich, daß wir für keine gerechte Sache kämpfen. Quod erat demonstrandum."

Messenhauser war bei dieser Ansprache sehr nachdenk­lich geworden. „Wehe uns Allen, wenn du Recht hät­test l" seufzte er. — „Ich habe Recht," sagte Loysel mit fester Stimme, „obschon ich nur ein Dichter bin und niemals ein schwarzgelbes Degenband getragen habe. Auch darf ich so reden, denn wenn ich in Betracht der Ungarn nicht den schier allgemeinen Irrthum theilte , so hab' ich doch ehrlich mitgefochlen, und mein Verdienst ist es nicht, daß meine Mutter noch einen Sohn besitzt." — „Das ist wahr," bekräftigte der Befehlshaber mit wohl­gefälligem Lächeln. „Gegen deinen Muth darf kein Zweifel sich regen. Um so unerklärlicher erscheint mir, baß du in der eilften Stunde noch, nachdem des Krieges eherne Würfel ge­gen uns gefallen, uns auch den letzten Trost rauben willst, den Trost, daß wir für eine gerechte Sache fechten." — „Ich habe einen bessern Trost, mein Freund," entgegnete Loysel: „unsere Niederlage rettet bas Vaterland vor dem Verderben, das wir in unserer Verblendung ihm berei­

ten wollten." — Meffenhauser schüttelte wehmüthig das Haupt. „Unsere Niederlage," sprach er dazu, „ist das Grabgeläut der jungen Freiheit." — „Die Freiheit ist unsterblich," rief Aloys, „ein Phönir, der immerdar wieder neu verjüngt sich aus der Asche erhebt!" Bei diesen Worten ergriff er des Freundes beide Hände, sah ihm treuherzig in die Augen und hob an: „Wenzel, denk' an das, was du gestern dem Volke verkündet hast. Der Verzweiflungskampf, so läuten deine e genen Worte, hieße unter den jetzigen Verhältnissen so viel, als die Blüthe der Bevölkerung zur Schlachtbank führen. Wir dürfen es auf keinen Sturm ankommen lassen; die Ver, antwortung vor Gott und Menschen wäre zu unermeß­lich. So lautete gestern deine Ansprache."

(Schluß folgt.)

Miszellen.

Paris entläßt kein Ereigniß, womit es sich auch nur einen Tag beschäftigte, in das Reich der Vergessenheit, ohne ihm, gleichsam als Beglaubigung, in Paris gewesen zu seyn, ein Bon­mot mitzugeben. Ponsard's (des Verfassers der „Lucretia", Trauerspiel) „Charlotte Corday", die hinter den Koulissen den in der Badewanne sitzenden Marat ersticht, gibt zu dem neuesten Veranlassung. Es heißt: der Ruhm der „Lucretia" ist in der Badewanne Marat's ertrunken.

K u n st n o t i z.

Wir machen die Musikfreunde auf ein Konzert auf­merksam, welches der hiesige Klarinettvirtuose und Hof- konzertmeister Herr Theodor Schmidt, unter Mitwir­kung ausgezeichneter musika lischer Kräfte, am 2. Mai im Saale des Hotels „zum Adler" zu geben gedenkt. Von den zur Aufführung gelangenden Musikstücken erwähnen wir deS Mozart'schen Quintetts für Piano, Oboe, Fa­gott, Horn und Klarinette, des großen Trio concertant von C. M. v. Weber für Piano, Oboe und Klarinette, und eines Concertino für die Klarinette von C. M. v. Weber; von den Mitwirkenden nennen wir Frau Wil­helmi und Fräulein v. D r ach l, um einen genußreichen Abend verbürgen zu können.

Verantwortlicher Redakteur: W H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Samstag, den 27. April. Twr Liebestrank, komische Oper in 3 Akten. Musik von Donizetti,

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Truck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.