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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. — ^F 100.

Arthur Pendennis.

(Fortsetzung.)

Achtes Kapitel.

In welchem wir Pen an der Thür warten lassen, während der Leser erfährt, wer die kleine Laura war.

Es war einmal vor langer Zeit auf der cambridger Universität ein junger Herr, welcher, um daselbst die gro­ßen Ferien zu verleben, nach dem Dorfe kam, wo Miß Helene Thistlewood mit ihrer Mutter, der Wittwe des bei Kopenhagen gefallenen Lieutenants, lebte. Dieser junge Geistliche, welcher Franz Bell hieß, war ein Neffe von Mrs. Thistlewood und somit der leibliche Vetter von Miß Helenen, so daß es ganz in der Ordnung war, wenn er seine Wohnung im Hause seiner Tante nahm, welche auf sehr âmlichem Fuße lebte.

Seine beiden weiblichen Verwandten bekamen es sehr bald weg, daß Se. Ehrwürden der Herr Vetter verlobt war und nur noch auf eine Stelle im Kollegial wartete, die ihn in den Stand setzte, sein Heirathsversprechen zu erfüllen. Seine Verlobte war die Tochter eines andern Geistlichen, welcher einst Mr. Bell's Hauslehrer gewesen war, und eS war schon unter Mr. Coachers Dache ge­schehen, daß der ungestüme junge Bell, damals ein Knabe von erst siebenzehn dis achtzehn Jahren, sich zu den Füßen von Miß Martha Coacher geworfen hatte, während er ihr im Garten Schoten pflücken half. Auf seinen Knieen, vor diesen grünen Erbsen und ihr, hatte er ihr ewige Liebe geschworen.

Miß Coacher war um viele Jahre älter als der junge Fellow, und ihr Herz war durch mancherlei vorhergän­gige Täuschungen auf dem Gebiete der Heirathsverspre­chen zerrissen. Nicht weniger als drei Zöglinge ihres Vaters hatten ihr leichtsinniges Spiel mit diesen jugendlichen Gefühlen getrieben. Der Wundarzt des

Dorfes hatte sie schmählich getäuscht. Der Dragoner- ofsizier, mit dem sie während jener glücklichen Saison, die sie mit ihrer gichtbrüchigen Großmama zu Bath verlebt, so viele, viele Mal getanzt hatte, — eines Tages hatte er seinen Zügel angezogen und war auf Nimmer­wiedersehen davon galoppirt. Kann man sich da wun­dern, daß das Herz von Martha Coacher, verwundet von den Pfeilen wiederholten Undanks, sich sehnte, irgendwo Ruhe zu finden? Sie lieh den Anträgen dieses verlieb­ten jungen Gauchs, der so rechtschaffen aussah, äußerst freundlich und gut gelaunt- ihr Ohr; am Ende seiner Rede sagte sie: „Mein Gott.aber, Bell, Sie sind ja noch zu jung, um an solche Dinge zu denken," gab jedoch zu verstehen, daß sie sich diese Dinge in ihrem jungfräulichen Busen überlegen wolle. Sie konnte über Mr. Bell nicht mit ihrer Mama sprechen; denn Mr. Coacher war ein Wittwer, und, stets in seine Bücher versenkt, war er na­türlich nicht im Stande, die Leitung eines so wankel- müthigen und wunderlichen Dinges, wie das Herz einer Dame, zu übernehmen, so daß Miß Martha hierin ihre eigene Beratherin seyn mußte.

Eine Haarlocke mit einem Stücke blauen Bandes zu­sammengeknüpft, brachte dem glücklichen Bell das Ergeb, niß der Betrachtung, welche die Vestalin mit sich selbst angestellt hatte. Schon dreimal hatte sie eine ihrer dunkelbraunen Locken abgeschnipst und verschenkt. Die Empfänger waren treulos gewesen, aber das Haar war wieder gewachsen, und Martha hatte in der That Ursache, zu sagen, daß die Männer Betrüger seyen, als sie dieses Liebeszeichen dem einfältigen Knaben ein­händigte.

Nummer Sechs war jedoch eine Ausnahme von die­sen früheren Liebschaften — Franz Bell war der getreueste der Liebhaber. Als die Zeil kam, wo er in's Kollegial zurück mußte, und es nothwendig wurde, Mr. Coacher