Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — â 99.
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Arthur ^pendennis.
(Fortsetzung.)
Pen hatte in den letzten zwei Tagen Smirke in sein Vertrauen gezogen und nach dem Austritte, welcher auf Doktor Portmans Entdeckung gefolgt war, und während der achtundvierzig Stunden, welche er in Mr. SmirkeS Gesellschaft verbracht, nichts gethan, als zu seinem Erzieher von Miß Fotheringay, — Miß Emilie Fotheringay — Emilie u. s. f. gesprochen, auf welches ganze Gerede Ehren Smirke, ohne Anstand zu nehmen, gehört hatte, da er ja selbst verliebt, und in der That selbst hingerissen war von der persönlichen Liebenswürdigkeit dieser Göttin, deren Gleichen er, als ein Mann, der niemals vorher einer Theatervorstellung beigewohnt, noch nie gesehen hatte. Pen'S Gluth und bewegliche Einbildungskraft, seine feurige Beredtsamkeit, seine reichen poetischen Bilder und Gleichnisse, sein männliches, liebenswürdiges, glühendes und hoffnungsvolles Herz, das sich sträubte, auch nur die geringsten Fehler an der Person, die er liebte, und irgend eine Schwierigkeit seiner Lage zu sehen, die er nicht zu überwinden vermöchte, hatten Smirke halb und halb überzeugt, daß die Vermittelung, die Mr. Pen vorgeschlagen, eine recht ausführbare und klug auS- gedachte sey, und daß es sehr schön seyn werde, wenn Emilie nach FairoakS zöge, Kapitän Costigan für seine Lebenszeit bas gelbe Zimmer bekäme und Pen im achtzehnten Jahre sich verheirathete.
Und eS ist eine Thatsache, daß der Junge in diesen zwei Tagen auch seine Mutter beinahe überredet, daß er alle ihre Einwürfe einen nach dem andern mit jenem unausstehlichen Scharfsinn, welcher oft die äußerste Abgeschmacktheit begleitet, parirt und sie schier dahin gebracht hatte, sich in dem Glauben zu beruhigen, daß, wenn die Heirath im Himmel beschlossen wäre — ei nun, so wäre
sie beschlossen — und daß, wenn daS junge Frauenzimmer eine gute Person sey, sie nach weiter nichts zu fragen hätte.
Er habe es übrigens nicht so.eilig und könnte sich herbeilaffen, noch eine Zeit lang — bis zum einundzwanzigsten Jahre, zu warten. Aber er fühlte (und hier nahm sein Gesicht einen jurchtbar feierlichen Ausdruck an), daß dies die einzige und alleinige Leidenschaft seines Lebens sey, die nur der Tod!!! enden könne.
Als der Major angekleidet und so geschniegelt und gebügelt war, daß er sich sehen lassen konnte, und sich nun Mrs. Pendennis vorstellte, fand er nach einem Gespräche von zehn Minuten schon, daß die arme Wittwe sich nicht blos bei dem Gedanken an die von Pen beab- fichtigte Heirath nicht grämte, sondern sich in der That mehr über die Vorstellung bekümmerte, daß der Knabe selbst darüber sich unglücklich fühle, und daß er und sein Onkel einen heftigen Zusammenstoß über den Gegenstand haben würden. Sie bat den Major, recht freundlich mit Arthur zu seyn. „Er hat einen sehr hochstrebenven Geist und wird sich unfreundlichen Worten nicht beugen", deu, tete sie ihm an. „Doktor Portman sprach zu ihm in zu rauhem Tone — und ich muß gestehen, nicht so, wie eS die Gerechtigkeit verlangte — denn das Ehrgefühl meines lieben Jungen ist ein |o regeS und zartes, wie es eine Mutter nur wünschen kann — aber Pens Antwort erschreckte mich ordentlich, solche Entrüstung sprach daraus. Erinnern sie sich, daß er jetzt ein Mann ist, und seyn Sie recht — recht sehr vorsichtig", sagte die Wittwe, indem sie ihre schöne lange schmale Hand auf den Aermel des Majors legte.
Er nahm dieselbe, küßte sie galant und blickte ihr in daS geängstete Gesicht halb mit Verwunderung, halb mit Verdruß, welchen letzteren zu zeigen ihm seine Höflichkeit nicht gestattete. „Bon Dieu!“ dachte der alte Praktikus,
