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Der Wanderer. --->ra motts»

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung

1850. ^F 96.

Arthur Pendennis.

(Fortsetzung.)

Der arme Junge hatte sich auf die Kniee geworfen. Zitternd vor leidenschaftlicher Erregung, mit hochklopfen­dem und pochendem Herzen, nicht mehr im Stande, die hervorstürzenden Thränen zurückzuhalten, fast erstickend vor überwallenden Gefühlen, hatte der gute kleine Pen so eben die Worte gesprochen, die er nicht mehr zurück­halten konnte, und sich und seinen ganzen Schatz von Liebe und Bewunderung und brennender Sehnsucht zu den Füßen dieser reifen Schönheit geworfen.

Weiß Ihre Mutter hiervon, Arthur," sagte Miß Fotheringay langsam. Er umspannte ihre Hand wie wahnsinnig und küßte sie tausendmal. Sie zog sie nicht zurück.Weiß die alte Dame wirklich davon?" Und Miß Costigan dachte bei sich,nun, wahrscheinlich weiß ste's," und dann erinnerte sie sich, was Mrs. Pendennis für ein schönes Diamantkreuz am Abende des Schau­spiels gehabt, und dachte:gut, 's wird sich machen mit der Familie."

Kommen Sie zu sich, lieber Arthur," sagte sie mit ihrer tiefen vollen Stimme und lächelte mild und würde­voll auf ihn herab. Dann strich sie ihm mit der freige­bliebenen Hand leicht bas Haar von seiner pochenden Stirnaber. Er war so außer sich und so wirr vor Se­ligkeit in seinen Gedanken, daß er kaum sprechen kon tte. Zuletzt preßte er die Worte hervor:Meine Mutter hat Sie gesehen und bewundert Sie über die Maßen. Sie wird bald auch lernen, Sie zu lieben; denn wer könnte anders fühlen! Sie wird Sie lieben, weil ich Sie liebe."

Ja in der That, ich glaube, Sie lieben mich," sagte Miß Costigan, vielleicht mit einer Art Mitleid für Pen.

Sie glaubte ihm!" Natürlich brach Pen bei j diesem Gedanken in eine Rede voll Begeisterung und Poesie aus, bei welcher wir, als Leute, welche sich im vollkommenen Besitze der Herrschaft über ihre eignen Gefühle befinden, dem jungen Menschen nicht zu folgen brauchen.

Am Schluffe seiner Rede küßte Pen in seiner feuri­gen Ergriffenheit die Hand seiner Königin abermals und ich glaube, es war in diesem selben Moment und während die Frau Dekanin und Doktor Portman in einem Gespräche begriffen waren, daß der kleine Musje Ridley Roset, ihr Sohn, seine Mutter hinten an ihrem weit- faltigen Kleide zupfte und sagte:

Hör 'mal, Muttchen, guk 'mal da 'nauf" und er nickte mit seinem unschuldigen Köpfchen hinauf.

Das war nun freilich eine Aussicht vom Garten des Dekanats, wie sie Dekane selten vor die Augen be­kommen , und wie sie wohl ebenso selten in geistlichen Büchern beschrieben ist. Da stand Pen, der arme Junge und applizirte eben einen Kuß auf die rosigen Finger seiner bezaubernden Geliebten, welche denselben mit voll- kommner Ruhe und Gutmüthigkeil empfing. Musje Ridley gukte herauf und lachte einfältig; die kleine Miß Rosa sah ihren Bruder an und riß den Mund auf vor Verwunderung. Für die Miene der Frau Dekanin fehlt mir der Ausdruck, und was Doktor Portman betrifft, als er dieses Schauspiel erblickte und seinen über alles geliebten, theuren Zögling Pen -sah, so stand er stumm vor Zorn und Erstaunen.

Mrs. Haller bemerkte die Gesellschaft unten in dem­selben Augenblicke, fuhr in die Höhe und lachte.Wahr­haftig, da ist Jemand im Garten!" rief sie und zog sich mit vollkommener Fassung vo n Fenster zurück, während Pen mit einem Gesichte, das wie feurige Kohlen glühte, zurückfuhr. Die Gartengesellschaft hatte sich inS Haus