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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. — â 93.

Arthur PendenniS.

(Fortsetzung.)

Sie sah außer der Bühne noch hübscher aus, als vor den Lampen. Alle ihre Bewegungen waren von natür­licher Vornehmheit und Majestät. Als fie sich an den Kaminsims hinstellte, drappirte ihr Kleid sich von selbst in klassische Falten um ihre Glieder, ihr Kinn stützte sich auf ihre Hand, die übrigen Linien ihrer Gestalt legten sich in volle harmonische Wellenlinien — sie sah wie eine sinnende Muse aus. Wenn sie sich auf einen Rohrstuhl setzte, so rundete sich ihr Arm über der Lehne des Sitzes ab; ihre Hand sah aus, als ob sie verlangte, daß man einen Szepter hineingebe; die Falten ihres Kleides fielen von selbst rund um sie in eine geordnete Lage, wie Ehrendamen um einen Thron, und sie saß da wie eine Kaiserin. Alle ihre Bewegungen waren anmuthig und achtunggebietend zugleich. Am Morgen konnte man sehen, daß ihr Haar schwarzblau und ihre Hautfarbe von erstaunlicher Schönheit war, die auf ihrer Wange von einem Roth angehaucht war, wie man sich's nicht zarter denken konnte. Ihre Augen waren grau, von wunderbar langen Augenwimpern beschattet, und was ihren Mund betraf, so hat Mr. PendenniS mir in der Folge zu ver­stehen gegeben, daß derselbe von einer außerordentlich prächtigen rothen Farbe gewesen sey , mit welcher das brennendste Geranium, Siegellack oder die Montur eines Lcibgardisten nicht zu vergleichen sey.

„Und sehr warm", setzte diese Kaiserin und Königin von Saba die Unterhaltung fort.

Mr. Pen erklärte hierzu abermals seine Beistim­mung, und das Gespräch lief in dieser Manier weiter. Sie fragte Costigan, ob er im George einen angenehmen Abend gehabt, und er zahlte ihr die Gerichte und die Zahl der Glaser Punsch auf. Dann fragte der Vater, womit sie sich den Morgen über beschäftigt habe.

„Bows kam", sagte sie, „um zehn, und wir studirten Ophölia. 'S war für den vierundzwanzigsten, wo wir hoffentlich die Ehre haben werden, Sie, mein Herr, zu sehen."

„Ei ja wohl, ei ja wohl werden Sie mich sehen", rief Pen, indem er sich wunderte, daß sie eS „Ophölia" aussprach, und daß sie mit irischem Akzente redete, während sie doch auf der Bühne nicht die Spur der Zunge Hibernias verrieth.

„Ich hab' mich seiner versichert für Dein Benefiz, meine Liebe," sagte der Kapitän, indem er an seine Westentasche klapste, worin Pen's Sovereign's lagen, und indem er Pen mit einem Auge zuwinkte, worüber der junge Mann erröthete.

„Mr. —, der Herr ist sehr freundlich," sagte MrS. Haller.

„Mein Name ist PendenniS," sagte Pen erröthend. „Ich — ich hoffe, Sie werden — werden sich seiner erinnern." Sein Herz pochte bei dieser kühnen Erklärung so heftig, daß er beim Aussprechen derselben schier er­sticken wollte.

„PendenniS", erwiederte sie langsam, indem sie ihm voll in die Augen sah, mit einem so offenen, so klaren, so hellen, so tödtlich hellen Blicke in die Augen sah, und indem ihre Stimme so süß , so voll, so tief tönte, daß Blick und Wort dem armen Pen durch und durch gingen und ihn vollständig mit Wonne durchbohrten.

„Ich hätte nie vorher gedacht, daß der Name so hübsch klänge", sagte Pen.

„'ö ist ein sehr hübscher Name," sagte Ophelia.

„Was hast Du gethan, seit BowS fort ist, Emilie?"

„Ei nun, ich habe eine Pastete gemacht," sagte Emilie mit vollkommener Einfalt. Sie sprach es aber wie „Pastöte" auS.