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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. 92.

Arthur Pendenuis.

(Fortsetzung.)

Der Kapitän kritzelte Pen einen Erlaubnißschein für eine Loge, ließ die Goldstücke leicht in seine Weste gleiten und klappte mit der Hand auf die Stelle, wo sie lagen. Sie schienen ihm seine alten Rippen zu wärmen.

Auf Oehre, .Hörr", sagte er,die Goldmünzen sind jetzt bei mir seltener, als es früher der Fall zu seyn pflögt', wie das übrigens bei manchem wackern Burschen vorkommt. Ich hab' gewonnen söchshundert Stück von diesen in einer eunzigen Nacht, Hörr, als mein guter Freund, Seine Königliche Hoheit der Herzog von Kent, in Gibraltar war." Und frischweg ergoß er sich in eine Reihe von Geschichtchen hinsichtlich des ClaretS, den die Garnison getrunken, der Wetten, die sie gemacht, der Pferderennen, die sie angestellt hatte, womit er den jun­gen Mann amüsirte, bis ihr Wirth und sein Frühstück anlangte.

Da aber gab's einen hübschen Anblick, den Kapitän sich über den doppelt gerösteten Puter und die Schöpsen- koteletten hermachen zu sehen. Seine Geschichten ström­ten ihm ohne Unterlaß vom Munde , und seine Witze wurden immer lustiger, jeniehr er mit den jungen Leuten schwatzte.

Er erklärte, daß so hier zu sitzen mit zwei so noblen und generösen jungen Herrn das Glück und der Stolz von dem Daseyn eines alten Soldaten wäre, und nach­dem er ein zweites Glas Curaxao erhalten, war er so selig, daß er zu weinen anfing. Alles zusammengefaßt, so müssen wir sagen, daß Kapitän Costigan eben kein Mann von sehr strengen Grundsätzen ober ein sehr em- pfehlenswerther Gesellschafter für junge Leute war; aber es gibt schlechtere Leute, die eine weit bessere Stellung

; im Leben einnehmen und weniger Ehre besitzen, und den­noch nicht halb so viele Schelmenstreiche auögeübt haben, als er.

Sie gingen nun aus, wobei der Kapitän an jedem Arme einen von seinen lieben jungen Freunden führte und sich in seinem angetrunkenen Zustande recht zufrieden befand. Er nickte nach einem oder zwei Verkaufsläden, wo er wahrscheinlich eine>Rcchnung schuldete, und sein j Nicken sollte sagen:Sieh die Gesellschaft, in der ich bin sey ruhig, ich werde dich bezahlen, mein Junge." Schließlich trennten sie sich von Mr. Foker vor einem Billardzimmer, wohin derselbe eine Zusammenkunft mit einigen Herrn von Oberst Swallowtails Regiment ver­abredet hatte.

Pen und der schäbige Kapitän schlenderten zusam­men noch ein Stück die Straße entlang, wobei der Letztere in seiner schlauen Weise Erkundigungen über Mr. Fokers Vermögen und Lebensstellung einzog.

Pen schritt weiter, lauschte den Aufschneidereien seines Begleiters, staunte darüber, vergnügte sich daran und ward nach Befinden verlegen. Es war dem guten Jun­gen noch nicht beigekommen, irgend eine Behauptung, die ihm vorgetragen wurde, in Zweifel zu ziehen, und, selbst von aufrichtiger Natur, nahm er natürlich für baare Wahrheit, waS andere Leute ihm erzählten. Costigan hatte nie einen besseren Zuhörer und fühlte sich durch die Aufmerksamkeit und das bescheidene Betragen des jungen Mannes höchlich geschmeichelt.

Der junge Herr gefiel ihm so sehr, und Pen schien so ungekünstelten, anständigen und angenehmen Wesens, daß der Kapitän ihn schließlich mit einer Einladung be­ehrte, die er jungen Leuten äußerst selten zukommeu ließ, indem er ihn nämlich fragte, ob er ihmdie Oehre ge­ben wollte," in seine bescheidene Wohnung einzutreten,