Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allstem. Z
1850. — M 91.
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Arthur Pendennis.
I würde sie weder haben erzählen wollen, wenn er gekonnt, noch erzählen können, wenn er gewollt hätte; denn der Kapitän war nicht nur nicht gewohnt, die Wahrheit zu sagen, — er war sogar nicht einmal fähig, sie zu denken, und Wahrheit und Dichtung liefen in seinem wirren ver, schnapsten Gehirne in eins zusammen.
Er begann sein Leben als eine ziemlich glänzende Erscheinung, mit ein paar frischrothen Backen, einem hübschen Wüchse, tüchtigen Schenkeln und einer der schönsten Stimmen in der Welt. Bis zu seinem letzten Tage sang er mit erstaunenSwerthcm Feuer uuv mit der lustigsten Laune jene wundersame Balladen Irlands, welche so scherzhaft und so traurig sind, und war schier der Erste, der sich von ihrem Gefühle zu Thränen rühren ließ. Armer CoS! er war beides zugleich: tapfer und versoffen, launig und einfältig, stets aber gutmüthig und dann und wann sogar beinahe glaubwürdig. BiS an den letztes Tag seines Lebens pflegte er mit Jedermann um die Wette zu trinken und Niemandens Forderungen zu bezahlen, und sein Ende ereilte ihn in einer Bierkneipe, wo der Unterbeamte des ScheriffS, der ihn wegschaffte, seine Freude über ihn hatte.
Noch ehe er und Pen eine halbe Stunde mit einander gesprochen hatten, steuerte der Kapitän darauf loS, auS dem jungen Gentleman ein paar Sovereigns für BilletS zu feiner Tochter Benefiz herauSzulocken, welches nächstens statthaben sollte und diesmal nicht fo ein Geschäft auf guten Glauben, wie das letzte Jahr, wo die Miß Fotheringay mit ihrem Wagestück fünfzehn Schillinge verloren hatte, sondern eine Uebereinkunft mit dem Direktor war, wobei die Dame den Verkauf von einer bestimmten Zahl Billets haben und einen großen Theil der Summe, um welche sie verkauft wurden, für sich behalten sollte.
(Fortsetzung.)
Arthur war zu sehr verwirrt, um sprechen zu können. Dieser schäbige alte Bock hier war — war ihr Vater I Der Kapitän duftete nach den Erinnerungen der Cigarren von letzter Nacht und zog und drehte sich den Haarbüschel an seinem Kinn so lustig wie ein junger Stutzer.
„Ich hoffe, Miß F —, Miß Costigan ist wohl, mein Herr," sagte Pen ferröthend. „Sie — sie hat mir ein größeres Vergnügen bereitet, als — als ich — als ich je in einem Schauspiele empfand. Ich glaube, Herr Kapitän, — ich halte sie für die größte Künstlerin in der Welt," stotterte er hervor.
„Ihre Hand, junger Mann I denn Sie sprechen aus dem Hörzen," schrie der Kapitän. „Dank Ihnen, Hörr, ein alter Soldat und ein zärtlicher Vater sagt Ihnen seinen Dank. Sie üst die größte Künstlerin der Welt."
„Und werden Sie's glauben?" fügte er nach einer Pause und mit pathetischem Geflüster hinzu, „daß dieser Bingley, welcher durch mein Kind hat gemacht sein Glück, ihr nur zwei Guineen die Woche gibt, wofür sie sich ihre Garderobe schaffen muß, und was, zusammen mit meine geringe Mittel, unser Alles ausmacht?"
Nun, die Mittel des Kapitän waren so gering, als sie nur seyn konnten, ja ich will's nur gestehen; sie waren ganz unsichtbar. Aber kein Mensch weiß, warum der Wind gegen die geschorenen Lämmer Irlands immer so gut gelaunt ist, und an welchen wundersamen Stellen sie ihre Weide bereitet finden. Wenn Kapitän Costigan, welchen ich kennen zu lernen die Ehre hatte, nur seine einfache Geschichte erzählt hätte, wahrhaftig eS würde eine Geschichte gewesen seyn, aus der für die Moral ein großer Stoff an Lehre zu ziehen seyn würde. Aber er
