Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — 89.
Arthur Pendennis.
dennis' Namen in Kenntniß gesetzt, indem dieser seine Karte herauszog und hinlegte (vielleicht war Pen damals sehr stolz darauf, eine Karte zu besitzen) — und so verabschiedete sich der junge Mann.
Pen ging nun den Felsen, auf dem die Stadt liegt, hinunter und machte einen Gang auf dem sandigen Strande hin, indem er an dem Ufer der vieltosenden See an den Nägeln kaute.
Sie breitete sich vor ihm aus in leuchtender Uner, meßlichkeit. Die blauen Wasser kamen rollend in die Bucht herein, schâumenv und heiser brüllend. Pen blickte ihnen ins Gesicht, gedankenlosen Auges und kaum auf sie achtend. Was für ein Ebben und Fluthen war damals im eignen Gemüthe des Jünglings, und wie wenig Macht besaß er, es zu hemmen! Pen warf Steine in die See, aber sie achtete deß nicht und schwoll ihm noch immer entgegen. Er ward wüthend, daß er Foker nicht gesehen. Er wünschte Foker zu ssehen. Er mußte ihn sehen.
„Glaube, ich thue gut, «wenn ich — wenn ich die Straße nach ChatterieS einschlage, möglich, daß ich ihm gerade da begegne," dachte Pen.
Und die nächste halbe Stunde war Rebekka gesattelt, und Pen galopirte auf dem Grase neben der gedachten Straße hin. Etwa vier Meilen von Baymouth zweigt sich, wie Jedermann weiß, der Weg nach Clavering ab, und die Stute war natürlich dafür, daß diese Richtung eingeschlagen werde, aber Pen klatschte sie auf den Hals, passirte an dem Kreuzwege vorüber und ritt auf der Chaussee fort, ohne daß er auch nur die Spur von dem schwarzen Tandem und den rothen Rädern gesehen hätte.
Da er auf der Chaussee war, konnte er eben so gut noch weiter gehen, daö lag auf der Hand. So ritt denn Pen nach dem George, und der Hausknecht erzählte ihm,
(Fortsetzung.)
Fünftes Kapitel.
MrS. Haller zu Hause.
Ohne ihre Eile zu mäßigen, galopirte Rebekka weiter bis Baymouth, wo Pen sie in den Stall des Gast- Hauses einstellte und spornstreichs nach Mr. Fokers Woh- nung rannte, welche er nach der Andeutung, die ihm dieser Gentleman am vorhergegangenen Tage gegeben, bald auffand. Als er diese Zimmer erreichte, welche über dem Laden eines Materialhändlers (dessen Cigarren und Sodawasser auf die freundliche Empfehlung feiner jungen Miethsleute reißenden Absatz fanden) gelegen waren, fand Pen nur Mr. Spavin, FokerS Freund und Mitbefitzer des Tandems, in welchem Jener nach Chatteries gefahren war. Derselbe rauchte und lehrte einem kleinen Hunde, seinem Freunde, mit einem Stücke Zuckerbrod Kunststückchen.
Pens gesundes frisches Gesicht, noch mehr geröthet von dem scharfen Ritte, bildete einen grellen Gegensatz mit dem wächsernen, von Ausschweifungen zerrütteten kleinen Antlitze von FokerS Stubenburschen. Der letztere bemerkte daS. „Wer ist dieser Mensch?" dachte er, „der steht ja so frisch wie eine Hagebutte aus! Und wahrhaftig, ich will fünf gegen eins wetten, seine Hand zittert ihm des Morgens niemals."
Foker war gar nicht nach Hause gekommen. Das war eine getäuschte Erwartung! — Mr. Spavin konnte nicht sagen, wenn sein Freund zurückkehren werde. Manchmal blieb er einen Tag weg, manchmal aber auch eine i Woche. Er erkundigte sich, von welchem Kolleg Pen wäre, fragte, ob ihm etwas gefällig sey. Da stünde ein sehr.» schönes Töpfchen Ale. — Mr. Spavin wurde von Pen- *
