Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — M 88.
Arthur Dendennis.
sFortsetzung.)
Pen wurde nicht einmal mit Bestimmtheit gewahr, daß das Haus Miß Fotheringay herauSrief, und auch der Direktor schien nicht zu begreifen, daß irgend ein anderer, als er den Erfolg des Stückes herbeigeführt habe. Endlich verstand er'S — schritt mit einem höflichen Grinsen zurück und erschien isogleich mit „MrS. Haller" an seinem Arme.
Wie schön sah sie aus! Ihr Haar hatte sich losgelöst. Die Offiziere warfen ihr Blumen zu. Sie drückte sie an'S Herz. Sie steckte ihr Haar wieder zurück und blickte sich lächelnd um. Ihre Augen trafen auf Pen'S Augen. Nieder ging der Vorhang wieder, und sie war verschwunden.
„Na, glaubst Du jetzt, daß die einem das Waffer in die Augen quetschen kann?" fragte Mr. Foker seinen Begleiter.
Pen wußte nicht genau, was Foker gesagt, und antwortete zerstreut. Er konnte Jenem nicht erzählen, waS er empfand, er hätte gerade damals mit keinem von allen Sterblichen sprechen können. Und außerdem wußte Pen- dennis selbst noch nicht recht, was er fühlte; eS war ein überwältigendes, wahnsinnig süßes Etwas, ein Fieber von wilbaufwogender Wonne und unsagbarer Sehnsucht.
Pen sah mit der aufsteigenden süßen Hoffnung, daß Miß Fotheringay's Name irgendwo unter den Namen der im zweiten Stücke auftret,nden Schauspieler verborgen seyn könnte, auf den Theaterzettel, aber da war kein solcher Name. Gehen mußte er. Er hatte einen langen Ritt bis nach Hause. Er drückte Fokers Hand und versuchte zu sprechen, konnte aber kein Wort hervorbringen. Er verließ das Theater und ging, er wußte nicht, wie
lange, von wahnsinnigen Gedanken bestürmt, durch die Stadt; dann bestieg er im George sein Pferd und ritt heim. Die Glocke von Clavering schlug eben eins, als er in den Hof von Fairoaks kam. Die Frau vom Hause mochte gewacht haben, aber sie hörte ihn nur draußen auf dem Gange vor seinem Zimmer, als er sich in'S Bett warf und die Decke über den Kopf zog.
Pen hatte es nie in der Gewohnheit gehabt, die Nächte zu durchwachen', und so fiel er augenblicklich in einen gesunden Schlaf.
Pen fühlte sich um viele Jahre älter seit gestern. Darüber waltete jetzt kein Mißverständniß mehr ob. Er war so verliebt, als der beste Held des besten Romans, den er je gelesen. Er befahl John, ihm sein Wasser zum Barbieren zu bringen, ohne daß ihm dies wie etwas Besonderes vorkam. Er legte diesen Morgen mehrere von seinen besten Kleidungsstücken an und kam prächtig geputzt zum Frühstück hinunter, wo er gegen seine Mutter und die kleine Laura sehr gnädig war. Letztere hatte ihre Musikstunde bereits vor mehreren Stunden beendigt und wunderte sich, nachdem er das Morgengebet gelesen, von dem er nicht eine Sylbe übersah, über seinen großartigen Aufputz und fragte ihn, wovon das Stück gehandelt hätte.
Pen lachte und wich dem von Laura gewünschten Berichte aus. Und in der That, es klang gerade so, als ob sic es nicht wissen sollte. Dann fragte sie ihn, weß- halb er seine schöne Tuchnadel eingesteckt und seine Pracht, volle neue Weste angelegt habe.
Pen erröthete und erzählte seiner Mutter, daß der alte Schulkamerad, mit dem er in Chatteries zu Mittag gegessen, zu Baymouth unter der Leitung eines Lehrers, der ein sehr hochgebildeter Mann sey, studire; und da er selbst ein Kolleg besuchen wolle, und in Baymouth mehre junge Männer seyen, die dort ihre Studien fortsetzten —
