daß dieses Kind der größte Meister sey, der jetzt auf der Welt lebe. Er habe es zuvor nicht glauben können."
Dadurch, daß die Verscbwornen unserm Helden das Theater versperrt hatten, erreichten sie dennoch nur zur Hälfte jihren Zweck, der namentlich darauf hinauslief, ihm einen öffentlichen Triumph unmöglich zu machen. Mozart nahm sich aber seine Revanche. Eine neue, zum Waisenhaus gehörige Kirche, war um diese Zeit fertig geworden. Der Direktor desselben beauftragte Mozart, zur Einweihung dieser Kirche eine solenne Messe, ein Offertorium und ein Posaunen-Konzert zu komponiren, welche Werke der junge Maestro in Person diiigiren sollte. Der ganze Hof war bei der Aufführung zugegen; der Zudrang von Menschen war ungeheuer, und Kaiser Joseph wurde endlich das Vergnügen zu Theil, daS er sich versprochen hatte, als er die Oper bestellt hatte, nämlich den Kleinen an der Spitze eines ganzen Orchesters zu sehen. Ein schönes Geschenk von Seiten der Kaiserin bezeugte dem Maestro die Zufriedenheit seiner erlauchten Zuhörer.
Der berühmte Mesmer, der damals in Wien lebte, gehörte unter die eifrigsten Freunde der Mozart'schen Familie. Ein Wunder, wie er hier eines vor Augen sah, mußte die Sympathie des Vaters oder vielmehr Erneuerers deS Magnetismus erwecken. Mesmer liebte die Musik, zuerst um ihrer selbst willen, vielleicht aber auch als Arzt, weil er in ihr häufig ein nützliches Hülfsmittel für seine magnetischen Kuren fand. Er wollte Affligio und der ganzen Kabale zum Trotz eine Oper von seinem jungen Freunde dargestellt sehen. Um den Wünschen des Vaters zu entsprechen, wählte man eine aus dem Französischen übersetzte Operette, die Wolfgang in Musik setzte, welche in Mesmer's Hause gespielt wurde, und von dem Erfolge begleiter war, der stets auf Lieb- Habertheatern stallfindet. DaS Stück hieß: Bastien et Bastienne.
Die Familie blieb auf diese Art 14 Monate in Wien, welche der Vater unseres Helden als doppelt verloren betrachten mußte, weil er seine Ersparnisse hatte angreifen müssen und sein Sohn die Kosten für seine Opern-Partitur verloren hatte. (Forts. folgt.)
Das Glück ist wandelbar.
(Fortsetzung.)
Eines Tages jedoch ward er wider Willen auf diese olten Geschichten zurückgeführt. Er wünschte nämlich einen guten Keller zu haben, um einen bedeutenden Vorrath von Sprit und Wein unterzubringen, den er ge,
kauft hatte. Jeden Morgen nahm er die sogenannten wöchentlichen Nachrichten zur Hand, die schon seit sehr langer Zeit ihrem Namen zum Trotze täglich erscheinen, und da fand er denn, daß der Keller seines früheren Prinzipals, wegen Fallissement des bisherigen Inhabers zu vermiethen sey. Der Name des Mannes wäre ihm nicht aufgefallen, weil es ja in Hamburg auch Andere dieses NamenS geben konnte, allein der Keller wars, die Lage, die Straße, was ihm sogleich durch den Sinn fuhr. Dieser Keller war ihm wohlbekannt, er wußte, daß er vortrefflich war, und er zögerte nicht, den Handel sogleich richtig zu machen.
Wie sehr hatte sich seitdem Alles verändert; und wie weit war der damals fast verstoßene Fritz gekommen! Er war jetzt ein wohlhabender Mann, der jedem Rede stehen konnte und die Absicht hatte, ein großartiges Geschäft in seinem Fache zu begründen. Zwar war er nicht mehr jung; allein erfühlte sich noch kräftig, und nicht blos der einladende Gewinn trieb ihn zu neuen Unternehmungen, sondern die Lust an Thätigkeit und der Drang zu schaffen. So kam er in den Besitz deS Kellers, der ihm einst so -schnöde vorenthalten worden war, und er befand sich bereits seit mehren Wochen daselbst, als an einem schönen Morgen, wo er eben mit dem monatlichen Abschluß seiner Kasse beschäftigt war, eine alte Frau zu ihm kommt und ihn um eine kleine Unterredung bittet. Er fragt nach ihren Wünschen.
Sie war ziemlich zerrissen und schmutzig angethan; ihre Haare waren ergraut, ihr Gesicht voller Runzeln, ihr Nacken durch Schwäche gebeugt; aus ihrem Wesen sprachen deutlich Krankheit, Alter, Mangel, die drei schrecklichsten Geißeln des dahinsterbenden Menschen.
Sind Sie der Herr, der jetzt diese Handlung besitzt? fragte die arme Alte.
Ja, lautete die Antwort.
Sie haben da ein gutes Geschäft gemacht; ach! leider ist eS Ihrem Vorgänger nicht so ergangen. Haben Sie daher einiges Mitleid mit seiner Wittwe, der die Gläubiger nichts gelassen haben.
Ist Herr Stockfleth gestorben?
Seit einem Monat —
Und was kann ich für seine Wittwe thun?
Geben Sie ihr Arbeit, sprach zitternd die arme Frau, sie will ja gern arbeiten — der Hunger thut so weh — dann aber —
-Hier stockte sie — man sah eS ihr an, daß daS, waS sie eben hatte sagen wollen, ihr das Herz abdrückte, daß sie aber nicht im Stande war, die Worte über die Lippen zu bringen. Fritz that, waS er vermochte, um sie zu beruhigen. Es gelang ihm endlich, und nun zog sie ein
