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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. — ^ 80.

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Arthur PendenniS.

(Fortsetzung.)

Drittes Kapitel.

In welchem PendenniS als vollkommner „junger Herr" erscheint.

Arthur war, wie wir bemerkten, etwa siebzehn Jahre alt, als er selbstständig wurde. WaS seine Person be­trifft, so war er nach der Meinung seiner Freunde ein dickstämmiger, nach der Ansicht seiner Mama aber ein netter kleiner Bursche. Sein Haar war von jener hüb­schen braunen Farbe, welche sich im Sonnenscheine wie Gold auSnimmt; sein Gesicht war rund, geröthet, sommcr, sprossig und von fröhlichem Ausdruck; sein Backenbart hatte, — später nämlich, als die Natur ihm diese lang ersehnte und erseufzte Wangenzier verliehen — einen ent- schieden röthlichen Schein; kurz, ohne gerade eine Schön­heit zu seyn, hatte er doch ein solch offenes, gutmüthi, geS, freundliches Gesicht, und lachte er Euch doch so heiter aus feinen braven blauen Augen an, daß eS kein Wunder war, wenn Mrs. PendenniS ihn für die Zierde und den Stolz der ganzen Gegend hielt. Zwischen den Jahren sechszehn und achtzehn wuchs er von einer Länge von fünf Fuß sechs zu fünf Fuß acht Zoll, bei welchem Maße er stehen blieb. Indeß wunderte sich seine Mutter darüber. Er war drei ganze Zoll größer als sein Vater. War eS möglich, daß irgend ein Mann in der Welt drei Zoll größer wachsen konnte, als Mr. PendenniS?

Der Leser kann sich versichert halten, daß er nie in die Schule zurückkehrte; die Disziplin in der Anstalt sagte ihm nicht zu, und der Aufenthalt zu Hause gefiel ihm bei Weitem bester. Die Frage über seine Rückkehr wurde besprochen, und sein Onkel war dafür, daß er wieder hinginge. Der Doktor sandte seine Meinung schriftlich ein, welche dahin lautete, daß eS für Arthurs Fortkommen in der Zukunft höchst wichtig sey , ein grie-

i chisches Stück durchweg zu verstehen; aber Pen wußte eS ; pfiffig seiner Mutter unter den Fuß zu geben, was für ; ein gefährlicher Ort Greyfriars, und was für entsetzlich f wilde Gesellen mehre von den Zöglingen wären, und die ängstliche Seele, plötzlich eingeschüchtert und in Furcht gesetzt, fügte sich seinem Wunsche, daheim bleiben zu dürfen.

Damals bot Pen'S Onkel sich an, seinen Entschluß bei Er. königlichen Hoheit dem kommandirenden General zu benutzen, welcher ihm sehr gewogen und freundlich gesinnt war, und schlug vor, ihm eine Stelle bei der Garde zu Fuß auSzuwirken. Pen's Herz hüpfte hoch auf bei dieser Nachricht. Er war eines Sonntags, als er zu seinem Onkel ging, nach dem St. James Palast gekommen, um dort die Mililärmusik zu hören. Er hatte da den ToM Ricketts, von der vierten Bank, gesehen, der eine Jacke und Hosen von so spaßhaft dichtem Zeuge zu tragen pflegte, daß die älteren Knaben eS nicht lasten konnten, ihn zur Zielscheibe ihrer Püffe zu machen und ihn beim Cockshy.Spiel *) zu benutzen, — er hatte diesen selben Ricketts in Reihe und Glied, angethan mit Pur­pur und Gold, eine ungeheure Bârmütze auf dem Kopfe, unter der Fahne des Regiments einherstolpern sehen. Tom hatte ihn wiedererkannt und ihm gnädig zugenickt. Tom, der kleine Bengel, dem er erst im letzten Viertel­jahr beim Erntefest mit einer Gerte eins über den Rücken gegeben, — da stand er jetzt in der Mitte deS Vierecks, da schwenkte er die Fahne deS Vaterlandes, umgeben von Bajonetten, Degenkoppeln und rothen Röcken, Trompe­tenschmettern und Paukenschlag, da sprach er auf Du und Du mit ungeheuren Kriegsleuten mit Troddeln, die ihnen bis ans Kinn herabhingen, und Waterloo-Medaillen.

*) Ein Spiel, welches eine Aehnlichkeit mit unserm „Hahnen­schlagen" hat und in. England picht blos von Kindern, sondern z. B. bei Jahrmärkten, auch von Erwachsenen gespielt wird.