zu lieben versprach, sich nicht ein Gefühl geheimen Tri, umphS und Jubels geregt habe. Er war nun Herr und Gebieter. Er war Pendennis, und Alle rings um ihn waren seine Knechte und Mägde. „Nicht wahr, Du wirst mich niemals wegschicken," sagte die kleine Laura, indem sie zu ihm hintrippelte und ihn bei der Hand nahm. „Du wirst mich nicht in die Schule fortschicken, nicht wahr, nicht, Arthur?"
Arthur küßte sie und streichelte ihren Kopf. Nein, sie sollte nicht in die Schule gehen. Was seine Schulbildung betraf, so handelte sich's darum jetzt ganz und gar nicht. Er hatte beschlossen, daß dieser Theil seines Lebens nicht wieder begonnen werden sollte. Mitten in der allgemeinen Trauer und während der Leichnam noch oben lag, hatte er Muße zu der Ueberlegung und dem Entschlusse, daß er ins Künftige lauter Ferien haben, und baß er nicht eher aufstehen wolle, als -bis es ihm beliebe, und daß er die Grobheiten des Doktors sich nicht mehr gefallen lassen wolle, und hundert ähnliche Träume und Entschlüsse gingen ihm während der Zeit durch den Kopf. O wie wandern die Gedanken der Menschen, und wie schnell erzeugen unsere Wünsche sie! Als er mit Laura an der Hand auf seinem Wege zum Hundestalle, zu den Hühnerhäusern, oder andern Orten, die er gern besuchte, in die Küche trat, wo alle die Dienstboten in größtem Schweigen mit ihren Freunden, und den Arbeitsleuten und deren Weibern und Sally Potter, der den Briefbeutel nach Clavering brachte, und dem Semmelmanne von Clavering, alle mit einander versammelt waren und ihr Leichenbier tranken, so standen sie Mann für Mann bei seinem Eintritte auf und machten ihm ihre Verbeugung oder ihren Knir. Sie hatten dies in den letzten Ferien ganz gewiß nicht gethan, wie Arthur so, gleich und zu seinem unbeschreiblichen Vergnügen! be- merkte. Die Köchin schrie: „Ach, Herr JesuS," und flüsterte, „wie Muâje Arthur doch wachsen thut!" Thomas, der Stallknecht, eben im Begriff zu trinken, setzte ehrer, bietig den Krug ab vor seinem Herrn, und sein Herr fühlte die Ehre, die ihm geschah, gar deutlich. Er ging vorüber und sah nach den Jagdhunden. Als Flora ihre Schnauze nach seiner Weste emporstreckle und Ponto vergnüglich kläffend an seiner Kette hin und hersprang, bewies sich Pen als Gönner der Hunde und sagte: „Husch, Ponto, husch Flora!" mit seiner herablassendsten Geberde. Und dann ging er und sah nach Laura's Hühnern und nach den Ferkeln und nach dem Obstgarten und nach der Molkenkammer, wobei er vielleicht erröthete, wenn er daran dachte, daß es erst letzte Ferien gewesen, wo er einigermaßen den großen Apfelbaum beraubt hatte, und von der Magd in der Milchkammer auSgezankt wor, den war, weil er vom Rahme genascht.
Man begrub John Pendennis, Esquire, „früher ein geachteter Arzt zu Bath, und hierauf ein würdiger Beamter, ein wohlwollender Gutsherr und ein Wohl, thäler für viele milde Anstalten und öffentliche Zwecke in dieser Gegend und Grafschaft," mit einem der prächtigsten Leichenzüge, welche seit Sir Roger ClaveringS Begrâbniß hier vorgekommen waren, wie der Küster meinte, in der Abteikirche von Clavering St. Mary's. Eine schöne Marmortafel, von der die obige Inschrift abgeschrieben ist, wurde über dem Betstühle, den die Familie von Fairoaks in der Kirche besaß, aufgerichtet. Auf demselben kann man bis auf den heutigen Tag daS Wappenschild und den Helm Derer von Pendennis sehen, einen Adler, der nach der Sonne aufblickt und darunter daS Motto: Nec tenui penna. Doktor Portman spielte in seiner Predigt am nächsten Sonntag auf den Hingeschie, denen sehr schön und rührend, als auf j,unsern theuern Heimgegangenen Freund" an, und Arthur Pendennis war Gebieter an seiner Statt. (Forts, folgt.)
Wk o z a r t's Leben von Alerander Oulibicheff.
(Fortsetzung.)
Der Lehrer, welchen solche Fortschritte im höchsten Grade überraschten und fast beunruhigten, suchte ihn mehr zurückzuhalten, als anzutreiben. Er wagte nicht, ihn so frühzeitig mit den Regeln der Komposition bekannt zu machen. Vergebliche Vorsicht, denn bereits beschäftigte der Plan zu einem Klavier-Konzert diesen jungen Kopf, aus dem später die Vervollständigung' und Feststellung der wahren Regeln der Kunst, sowie die Verwerfung |o vieler seither gütigen Grundsätze hervorgehen sollte, welche so lange die Autorität der berühmtesten Theoretiker aufrecht erhalten hatte. Wolfgang fing an, daran zu schreiben, aber ein unerwartetes Hinderniß schien die Ausführung unmöglich machen zu wollen. Weil er seine Feder immer bis auf den Grund des Tintenfasses eingetaucht, hatte er statt Noten lauter Kleckse gemacht. Dieß machte ihm Vieles zu schaffen; er weinte, doch ließ er sich darum nicht abhalten, fortzufahren. Er wischte die Flecken mit der flachen Hand ab, und fuhr, nur mit den Gedanken beschäftigt, die er im Kopfe hatte, mit dem Schreiben fort. Welches Aussehen das Notenblatt bekam, kann sich Jedermann selbst vorstellen. Der Vater, welcher von dem Vorhaben seines Sohnes nichts wußte, trat in diesem Augenblicke mit einem Bekannten in das Zimmer. „Was machst denn Du da?" fragte er ihn. — „Ein Klavier-Konzert; der erste Theil
