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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Zeitung.

1850. 3f 79.

Arthur Pendennis

(Fortsetzung.)

Der Major war seines Bruders Erekutor und im Einvernehmen mit Mrs. Pendennis der Vormund deS Knaben. Alles ohne Vorbehalt war ihr hinterlassen, ausgenommen, wenn sie eine zweite Heirat!) einginge wozu sich, wie Mr. Tatham galant bemerkte, bei einer so jurchen und hübschen Frau die Gelegenheit von selbst darbieten würde für welchen Fall der Verblichene ander­weitige Anordnungen getroffen. Der Major wollte natür­lich unter diesen wichtigen und traurigen Umständen sich einen genauen Ueberblick über alles Vorhandene ver­schaffen. John, der alte Bediente, der sich über diese neue Autorität gewiß geworden, folgte, als er Major Pendennis den Leuchter gebracht, um zu Bett zu gehen, später mit dem Tellerkorbe nach, und am nächsten Morgen brachte er ihm den Schlüssel zur Wanduhr im Vorsaale, welche, wie John sagt, der Squire alle Donnerstage auf­zuziehen gepflegt. DaS Kammermädchen von MrS. Pen­dennis brachte ihm Nachrichten von ihrer Herrin. Sie bestätigte den Bericht des Doktors über die Beruhigung, welche Arthurs Ankunft im Gemüthe seiner Mutter be­wirkt hatte.

Was zwischen dieser Dame und dem Knaben vorge­gangen, ist für uns nicht von Belang. Ein Schleier sollte immer geworfelt werden über derartige geheiligte Aeußerungen von Liebe und Schmerz. Das Gefühl einer Mutter ist ein heiliges Mysterium für mich. Was man in den römischen Kirchen durch das Bild der jungfräu­lichen Mutter versinnbildet sieht, deren Busen vor Liebe blutet, ich denke, man kann es alle Tage in Wirklichkeit erblicken und die Güte des Allmächtigen darin bewun­dern^ Erst gestern sah ich eine jüdische Dame, welche ein Kind auf ihrem Schooße hatte, und von deren Antlitz

nach dem Kinde hin eine so engelgleiche süße Liebe strahlte, daß sie eine Art von Glorie um beide zu bilden schien. Ich bekenne, ich hätte vor ihr niederknien und in ihr die göttliche Güte anbeten mögen, welche uns mit dem inni­gen Gefühle der Mutterliebe beschenkte, die mir unsrem Geschlechte begann und die ganze Geschichte der Mensch­heit heiligt.

So denn, um es kurz zu machen, geschah es, daß Mrs. Pendennis sich über den Tod ihres Gemahls trö­stete, welchen sie demungeachtet immer als den besten, rechtschaffensten, weisesten, großmüthigsten, verständigsten und würdigsten der Männer verehrt hatte. Würde, wenn die Frauen uns nicht zu Gegenständen der Anbetung machten, und wenn sie uns mit denselben Augen ansâhen, wie wir einander, würde, sage ich, dann das Leben er­träglich seyn, ober eine Gesellschaft bestehen können? Möge Jeder Gott bitten, daß keine seiner weiblichen Angehörigen sich ein solches Urtheil über seinen Charakter bilde, wie es demselben entspreche. Wenn Ihre Frau Sie so kennte, wie Sie sind, Nachbar, wahrlich sie würde sich nicht sehr drum grämen, Ihre Wittwe zu werden, und Ihre Grabeslampe sehr balv ausgehen lassen, ja sich vielleicht nicht einmal die Mühe nehmen, sie anzu­zünden. Wogegen Helene Pendennis ihrem Manne das schönste Gedächtnißmal anfrichtete, und das Licht an seinem Grabe fortwährend mit dem köstlichsten Oele erneuerte.

Was Arthur Pendennis betrifft, nach dem entsetz­lichen Schreck, welchen der Anblick seines todten Vaters in ihm hervorgerufen haben mußte, und nach dem Ge­fühle der Trauer, das solch ein Ereigniß ohne Zweifel in ihm erweckte, so möchte ich nicht mit Bestimmtheit be­haupten, daß in seiner Brust mitten in seinem Kummer und in demselben Augenblicke, als er seine Mutter um­armte und mit zärtlichen Worten tröstete und sie ewig