Sollten wir nach der kurzen Explikation derUhland'- schen Tragödie noch weniges über die erste Aufführung auf hiesigem Theater sagen, so können wir uns nur mit Anerkennung über dieselbe aussprechen. Ohne für diesmal ins Einzelne zu gehen, wollen wir nur im Allgemeinen bemerken, daß uns Ernst mehr als gereifter Mann selbst im Aeußeren aufgefaßt werden zu müssen scheint. Er sagt ja selbst, die Luft des Kerkers, die er lang gehaucht, habe die Sehnen seiner Kraft abgespannt und Gisela nennt ihn den Frühgealterten. Durch diese Männlichkeit erhält die Freundestreue noch eine höhere Würde; sie hält sich dadurch fern von dem jugendlichen Enthusiasmus, welchen der Dichter nicht hat darstellen wollen. Die 5 Schlußverse der Tragödie haben wir vermißt, und doch gehören sie zur vollständigen Exposition der Versöhnung ; sie werden, gut gesprochen, den Eindruck nicht schwächen, sondern die Stimmung noch mehr erhöhen, indem sie den Gegensatz des Irdischen und Himmlischen noch deutlicher hervortreten lassen.
Aus dem Museum, i
Miszellen.
Levin Schücking schreibt in der Köln. Ztg. über die Aufführung des vielbelobten Robespierre von Griepenkerl: Das große Drama des neunzehnten Jahrhunderts, das Götterbild am Eingänge zu einer neuen Aera der deutschen Poesie ist in voriger Woche vor einem gedrängt vollen Hause im Kölner Stadttheater über die Bretter gegangen; wir haben nun selbst das Wunder geschaut und — sind nach Hause gegangen mit dem Eindruck vollständiger Nichtbesriedigung. Wir haben ein wüstes Machwerk, aber kein lebensfähiges Drama gesehen; wir haben einen vollständigen Fiasco beigewohnt , denn, um es gerade heraus zu sagen, das Kötner Publikumhatden Maximilian Robespierre von Griepenkerl aus- gepfiffen, daß die Wänd e g ell ten, auSg ep fiffen, wie noch nie etwas in Köln ausgepfiffen worden ist!
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Heidelberg, 18. März. (Heidelb. Journ.) Ein schauderhaftes Verbrechen ist gestern in unserm Bezirke verübt worden. Heute früh fand man auf der Straße von hier nach dem eine starke Stunde entfernten Eppelheim den entseelten Körper des Phil. Jakob Knauber von da, mit 40 Hiebwunden bedeckt, worunter allein 19 am Kopfe, die übrigen auf dem Rücken, an den Armen, Handgelenken, Finger und Füßen, andere Verletzungen gar nicht mitgerechnet. Die sofort eingeleitete Untersuchung stellte heraus, daß Knauber, der übrigens den Ruf eines streitsüchtigen jungen Burschen haben soll, gestern Abend von einigen jungen Leuten seines Ortes, mit denen er letzten Sonntag einen Wortwechsel hatte, auf dem Rückwege von hier, eine Viertel
stunde vor seinem Orte überfallen und im Kampfe mit ihnen, dem er trotz seiner Körperstärke nicht gewachsen war, auf eine gräßliche Weise verstümmelt wurde. Heute sind bereits fünf Bursche zur Untersuchungshaft hierher abgeliefert worden, und hofft man, daß die Schuldigen dem Arm der strafenden Gerechtigkeit nicht entgehen werden. Der Unglückliche hat gestern seine Braut, die er in acht Tagen heirathen wollte, in Wiesloch besucht, wurde von ihr noch hierher begleitet, und mußte auf dem Wege nach Hause so elender Weise umkommen. Sehr dringende Vermuthungen lassen schließen, daß die Verwundungen nur mit einer Hiebwaffe ermöglicht werden konnten, weshalb die Untersuchung auch auf verheimlichte Waffen sich erstrecken wird.
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Die allgemein verbreitete Nachricht, daß der berühmte Klaviervirtuose Liszt, welcher gegenwärtig in Weimar als Hof- kapellmeister lebt, die reiche russische Fürstin Wittgenstein gehei- rathet habe, ist bis jetzt ungegründet. Die Fürstin soll übrigens nur vier Jahr älter seyn als Liszt und besitzt sehr viele Güter in Rußland, welche sie von ihrem verstorbenen Gemahl ererbt hat. Sie lebt gegenwärtig ebenfalls in Weimar, hat aber bis jetzt vom russischen Kaiser den zur Ehe mit Herrn Liszt nöthigen Konsens noch nicht erhalten können. Im Fall sie ohne Zustimmung des Kaisers das Ehebündniß abschlicßt, geht sie ihrer reichen Besitzungen im südlichen Rußland verlustig.
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Am 14. März wurde in Gotha auf ihrem Zimmer im Gasthofe die dramatische Künstlerin, Frau Wilhelmine Schröder- Devrient «mit einem lievländischen Gutsbesitzer v. Bock getraut. Es ist dies die vierte Vermählung dieser Dame, und ihre früheren Männer sind noch alle am Leben.
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Der berühmte Thomas Carlyle hat so eben ein neues Werk über die englischen Muster - Befferungshäuser herausgegeben. Ueber den Versuch, die Leute durch Liebe zu bessern, äußert er sich in seiner bizarren Weise so: „Hoffnungslos für immer solch ein Plan. Diese verworfenen Affen-, Wolf-, Kobold- und andere Teufels-Thiermuster der Menschheit, wer unter den Göttern selbst hätte es vermocht, sie durch Liebe zu führen? Ein Halsband um den Nacken, die HundsPeische über den Rücken geschwungen — diese, in einer gerechten und festen Hand, wären, was die Götter über sie bestellt haben würden."
Verantwortlicher Redakteur: VT H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
In der Charwoche bleibt das Theater geschlossen.
Druck und Verlag,der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
