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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Allgem. Zeitung.

1850. — J£ 71.

Arthur Pendennis.

(Fortsetzung.)

Zweites Kapitel.

Ein Stammbaum und andere Familienangelegenheiten.

In den frühern Jahren der Regierung von Georg dem Prachtliebenden, lebte in einem kleinen Orte im westlichen England, genannt Clavering, ein Gentleman, dessen Name Pendennis war. Es gab alte Leute, welche sich sehr wohl erinnerten, seinen Namen auf einem Schilde gelesen zu haben, über welchem sich ein goldner Mörser nebst Mörserkeule angebracht befand, welches Handwerkszeichen über der Thür eines kleinen, niedrigen Ladens der Stadt Bath hing, wo Mr. Pendennis die Profession eines Apothekers, Wundarztes und Geburts­helfers ausübte, wo er nicht nur Herren in ihren Krankenzimmern und Damen in den interessantesten Pe­rioden ihres Lebens Besuche abstattete, sondern sich selbst so weit herabließ, Pâchtersweibern ein braunes Pflaster für einen Dreier zu verkaufen und ein Lager von Zahnbürste, Puder, Pommade und Londoner Parfüme­rien zu halten. Für diese Thatsachen konnten einige Leute zu Clavering Zeugniß ablegen; denn dort ist das Gedächtniß der Leute zäher und weiter, als das in der großen geräuschvollen, ewig neue Gestalten zeigenden Hauptstadt. Und doch war dieser kleine Apotheker, der jedem, welcher in seinen Laden kam, um einen Pfennig Glaubersalz oder ein kräftiger duftendes Stück Windsor­seife verkaufte, ein Mann von guter Erziehung und von so alter Familie, als irgend Jemand in der ganzen Graf­schaft von Sommerset. Er hatte einen Stammbaum, welcher die Herkunft der Pendennis' in Cornwallis bis zu den Druidenzeiten und wer weiß, wie weit höher hinauf, nachwies. Sie hatten sich mit den Normannen in einer sehr späten Periode des Daseyns ihrer Familie

verheirathet und waren mit allen den großen Familien von Wales und Brittanien verwandt. Auch hatte Pen­dennis eine Art Universitätsbildung genossen, und er würde diese Laufbahn mit allen Ehren weiter verfolgt haben, wäre nicht, als er das zweite Jahr in Cam­bridge studirte, sein Vater gestorben. Dieser hinderließ ihm nichts als Schulden, so daß der arme Pen gezwungen war, zur Stiftung seines Lebens nach der Mörserkeule zu greifen und die Apothekerschürze vorzubinden. Er ver­achtet diesen Erwerbszweig in alle Wege, und nur die Nothwendigkeit und ein Anerbieten von seiner Mutter Bruder, einem Londoner Apotheker von niederer Fanulie, vermochten John Pendennis, einen so verhaßten Beruf zu wählen.

Bald nach Vollendung seiner Lehrzeit schied dieser von seinem groben und niedriggesinnten Verwandten und ließ sich aus eigene Faust zu Bath nieder. Lange Zeit hatte er hart mit Armuth zu kämpfen, und Alles, was er vermochte, war, den.Laden und den goldenen Zier­rath über der Thüre bei einem anständigen Aussehen und seine bettlägerige Mutter bei ihrer Bequemlichkeit zu er­halten. Aber da begab es sich, daß Lady Ribstone zu­fällig mit einem betrunkenen irischen Kutscher durch das Gäßchen fuhr, wo Pendennis' Laden war. Dieser warf Ihre Gnaden hart an Pens Thürpfosten um und fuhr mit der Deichsel gerade durch die hübscheste gläserne Arzneibüchse in des Wundarztes Fenster. Die Dame sprang schreiend aus ihrem Gefährt, und Mr. Pendennis war so artig, ihr in dem Laden mitten unter Zimmt und flüchtigen Salzen einen Stuhl anzubieten.

Mr. Pendennis' Art, sich zu benehmen, war so un­gemein vornehm und nobel, daß Ihre Gnaden, die Ge­mahlin von Sir Pepin Ribstone von Codlingbury in der Grafschaft Sommerset, ihren Lebensretter, wie sie ihn nannte, zum Hausarzt für ihre Person und für ihre Fa-