Rudolph von Burgund hatte, weil er eine mächtige Stütze feiner Herrschaft haben wollte, den Kaiser Heinrich zum Erben eingesetzt. Da dieser aber vor dem alten Könige starb, so entstand die Frage, die der schwache Greis zu beantworten zu unentschlossen war, ob der Kaiser als solcher, oder sein Geschlecht habe Erbe von Burgund seyn sollen. Gisella spricht zum Kaiser:
War Heinrich als des deutschen Reiches Haupt Thronerbe von Burgund, so tratest Du, Der neue Kaiser in den Anspruch ein.
Schloß er als Blutsverwandter den Vertrag, So blühte jetzt des Erbes Anwartschaft
Dem Schwesterenkel Rudolphs, meinem Sohn.
Wegen dieser Erbansprüche hatte sich Ernst erhoben, war aber vom Kaiser geschlagen und gefangen worden. Dieser aber hatte seine Pflichten als Kaiser und als Stiefvater Ernst's wohl auseinander zu halten gewußt. Er spricht zu Gisella:
Weil Ernst nicht lassen wollte von Burgund, Mußt ich ihn strafen als des Reiches Vogt.
Weil Schwaben Deinem Hause bleiben soll,
Ließ ich das Herzogthum bis jetzt erledigt.
So erscheint die Schlußszene des ersten Aktes, in welcher Ernst, nachdem er seinen Aufstand gegen Konrad durch die Gefangenschaft gebüßt, in sein Herzogthum wieder eingesetzt werden soll. Als aber der Kaiser an diese Wiedereinsetzung die Bedingung knüpft, daß Ernst den, der ihm einzig treu geblieben war, den Werner von Kyburg, preisgeben soll, scheitert die Hoffnung auf Versöhnung zwischen Kaiser und Vasall, zwischen Vater und Sohn. In dem Zwiespalt der Pflichten, in welche Ernst durch diese Forderung Konrads gerathen ist, siegt die Pflicht des Freundes gegen den Freund über die des Vasallen gegen das Oberhaupt. Verzichtend auf die Herzogskrone, beladen mit der Reichsacht und dem Bannfluch der Kirche, verläßt er den Ort, wo er in seine Ehren sollte eingesetzt werden.
In der Einsamkeit seiner Verbannung sucht ihn Werner auf; er hatte „die Fährten deS edlen Wildes" verfolgt, bis er ihn ergriffen. Beide Freunde ziehen sich in die Wälder des Schwarzwaldes, um einen neuen Aufstand zu organisiren, indem jeder den Lohn seiner Aufopferung in der Gegenliebe deS Freundes findet. Und von jetzt an sehen wir den Kampf des Oberhauptes deS Reiches gegen den Vasallen und Die, welche sich um ihren angestammten Herzog sammeln, um ihn zu schützen und in sein Erbe wieder einzusetzen. Auf der einen Seite liegt als sittliches Motiv das Recht und die Pflicht deS Kaisers, die Ruhe in dem Reiche herzustellen, auf der andern Seite die treue Ergebenheit der Unterthanen an den ihnen angestammten Fürsten.
Dieser Zwiespalt und Kampf der sittlichen Mächte ist aber noch einmal von dem Dichter in das Herz Gi- sella's gelegt, welche Mutter deS Geächteten und Gattin des Kaisers ist. Die beiden berechtigten Interessen der Mutterliebe aus der einen und der Achtung vor dem Gemahle auf der andern Seite schlagen ihm in ihrem Kampfe mit einander tiefe Wunden, deren Schmerzen 'aber^mit der Kraft der edelsten und reinsten Weiblichkeit von ihr ertragen werden. z (Forts, folgt.)
Miszellen.
Köln, 18. März. Als König Ludwig I. von Baveru unserem Dome mit dem kostbaren Weihegeschenke der prächtigen Fenster des südlichen Nebenschiffes einen eben so schönen als seltenen Kunstschmuck verehrte, wurde von einigen unserer Mitbürger der Gedanke angeregt, dem hohen Geschenkgeber den schuldigen Dank der Bürgerschaft auf eine würdige Weise kund zu geben. Von vielen Seiten fand dieses Vorhaben die freudigste Unterstützung, und die zu diesem Zwecke angefertige Dankadresse ist jetzt vollendet, soll aber, wie wir vernehmen, ehe sie an ihre Bestimmung abgeht, den Bürgern Kölns noch zur Ansicht und Unterschrift aufgelegt werden. Die Adresse selbst besteht aus sechs Pergamentblättern in Folio, mit den reichsten, der Idee und der Absicht entsprechenden Miniaturmalereien geschmückt. Vier der Blätter sind im schönsten mittelalterlichen Miffalstyle von D. Levy-Elkan entworfen und ausgeführt, und zeichnen sich unter denselben besonders das erste nnd vierte in Bezug auf Reichthum der Erfindung der Figuren, Initialen und Arabesken, so wie auf künstlerische Durchführung aus. Die beiden anderen Blätter, von G. Osterwald gemalt, geben perspektivische Ansichten des südlichen und nördlichen Nebenschiffes des Domes mit den in denselben prangenden Glasgemälden. Um die drei Hauptepochen der Kunst der Glasmalerei, wie unser Dom sie aufbewahrt, in der Adresse zur Ansicht zu bringen, hat derselbe Maler auf dem vierten Blatte die Hauptfenster aus dem Mittel- Chörchen der Ehorrundung wiedergegeben. Ueberrascht haben uns die von den hiesigen Goldschmieden Karl Becker und Kaspar Götscher im reichsten und schönsten mittelalterlichen Style in Silber und Emaille ausgeführten Deckelverzierungen, sowohl das bayerische und das stadtkölnische Wappen wie die Eckstücke und Krampen. Diese eben so fleißigen als kunstgerechten Arbeiten haben uns überzeugt, daß es unter uns noch Goldschmiedemeister gibt, deren Werke dem, was das mittelalterlich» Köln Hochgepriesenes in ihrer Kunst schuf, wohl zur Seite gestellt werden dürfen.
Verantwortlicher Redakteur: W» H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag, den 23. März. Deborah, Volksschauspiel in 4
Akten von Mosenthal.
Druck und Verlander L. Schellenberg'schen Hof,Buchhandlung in Wiesbaden.
