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Allgemeine Vorträge über vater­ländische Geschichte.

:—: Als wir vor einiger Zeit in diesen Blättern auS der Deutschen Zeitung die „Wünsche der deutschen Partei für Beschäftigung mit vaterländischer Ge­schichte" mittheilten, und deren allerlei Bemerkungen zur Ausführung der Idee in unserm Herzogthume, selbst für Dörfer, unter Leitung von Geistlichen und Schul­lehrern knüpften, wußten wir nicht, daß in der Haupt­stadt eines benachbarten Landes, dessen Geschichte mit der Nassauischen vielfach verflochten ist, zu Kassel bereits öffentliche allgemeine Vorträge über', Landesgeschichle vor einem gemischten, aber sehr theilnehmenden Publikum, zu dem selbst Frauen gehören, gehalten wurden.

Eben gehen uns zufällig einige Nummern des „UnterhaltungSblattes zur Neuen Hessischen Zeitung" zu, und daraus entnehmen wir das Nähere, was wir unsern Lesern nicht vorenthalten wollen, und was zugleich die Ausführbarkeit unserer Vorschläge thatsächlich beweiset.

ES heißt dort in Nro. 8 vom 24. Febr. 1850 wört­lich : „Der durch so manches für die Kenntniß unseres Vaterlandes verdienstvolle Werk bekannte Archivar unseres Staats-ArchiveS, Herr Dr. Landau, hat sich auch an den seit dem Beginn dieses Winters im Kassel'schen Bür­gerverein wöchentlich gehaltenen Vorlesungen mit einer Reihe von Vorträgen betheiligt, welche die interessantesten Partien unserer heimischen Vergangenheit behandeln. Dinge, welche bisher im Dunkel der Archive verborgen lagen, und deren Kenntniß man schmerzlich vermissen mußte, treten hier mit überraschender Deutlichkeit und in durchgebildeter lebensvoller Form zu Tage. Hoffentlich wird Herr Dr. Landau den Wunsch seiner Zuhörer erfüllen und seine Vortrage dem größeren Publikum demnächst übergeben. Einstweilen möge es uns vergönnt seyn, die Hauptmomente- derselben in kurzen Zügen an­zudeuten.

Der am 22. Januar gehaltene Vortrag war einer Darstellung der Bemühungen der beiden Landgrafen Wilhelm IV. und Moritz zur Hebung der Kunst und Industrie des hessischen Volkes gewidmet. Die Bestrebungen beider Fürsten wurden gleich im Beginn des Vortrags als wesentlich verschieden bezeichnet: „Wilhelm war noch mehr der alte Gutsherr; was er that, that er noch mehr für sich; er berechnete sorgfältig, waS es ihm kosten und was es ihm einbringen werde. Moritz ist dagegen schon ganz der Fürst; er ist der Mittelpunkt, er ist der Staat selbst, freilich in einem viel ediern Sinne als dieses bei Ludwig XIV. der Fall war, er sieht sich als den Statthalter Gottes, erkennt zugleich aber auch die schwere Verantwortung an, welche

damit auf seinem Haupte ruht. Was er thut, thut er nicht mehr für sich; er fragt nicht mehr „was bringt es mir ein, sondern er fragt nur, was nützt eS dem Allge­meinen?" „Es folgte hierauf die Darstellung der für ihre Verhältnisse wirklich großartige Bestrebungen der beiden Fürsten, die industrielle Thätigkeit ihres Volkes zu heben. Moritz gründete sogar eine Industrieschule zu Kassel für arme Knaben, mit der Absicht, ähnliche Anstalten auch in allen übrigen Städten hervorzurufen. Leider trat allen diesen Plänen der ängstlichste Zunftgeist, hemmend in den Weg. Dennoch würde Manches sich Bahn gebrochen haben, wären nicht alle Keime des Gu­ten durch den dazwischen kommenden dreißigjährigen Krieg wieder erstickt worden."

In No. 9 heißt es weiter: „Der zweite Vortrag am 8. und 15. Februar schilderte den großen Kampf der hessischen Städte mit Hermann, dem Gelehrten, um ihre Privilegien. — Schon im Beginn des an lebendi­gem und anziehendem Detail sehr reichen Vortrags, wel­cher auch ibem Kenner der Geschichte des Neuen viel bieten dürfte, — da man gerade zu dieser so äußerst wichtigen und tragisch bedeutenden Periode bisher auf magere Notitzen und Vermuthungen angewiesen war, — hatte Dr. Landau es nicht versäumt, in den Fehlern und Verirrungen jener längst vergangenen Zeit auch der Gegenwart ihren Spiegel vorzuhalten."

Die deutsche Partei hat besonders gewünscht, daß die Lokal-P resse für vaterländische Geschichte wirksam sein möchte. Die Spalten dieser Blätter sind von Anbeginn diesem Zwecke bereitwilligst geöffnet wor­den, nicht nur zu Verhandlungen über alle einschlagende Gegenstände, über Mittel und Anstalten dafür, sondern auch zur Ausnahme von allerlei Schilderungen aus der Landesgeschichte. Auch die in unserem Lande all- mâhlig entstandenen Wochenblätter und ähnliche Lokalblätter haben schon vor 18-18 Manches für Lo­kalgeschichte gebracht, was übersichtlich zusainmengestellt zu werden verdiente, um kein Verdienst unbemerkt zu lassen. (Schluß folgt.)

Theater.

fff Uhlands Ernst von Schwaben.

(Fortsetzung.)

Die Ursache, warum die handelnden Personen der Tragödie, welche die sich bekämpfenden sittlichen Mächte in sich repräsentiren, der Kaiser auf der einen und Ernst von Schwaben auf der andern Seite, in Konflikt gera, then waren, ist die einfachste und trägt zugleich in sich für beide die volle Berechtigung ihrer Handlungsweise.