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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. — Jf 69.

Arthur Pendennis.

Erzählung von William Makepeace Thackeray.

Erstes Kapitel.

Welches zeigt, wie eine erste Liebe Jemanden sein Frühstück stören kann.

Eines schönen Morgens, mitten in der Londoner Saison, kam Major Arthur Pendennis aus seiner Woh­nung herüber, um nach seiner Gewohnheit in einem ge­wissen Klubb in Pall Mall, von dem er eine Hauptzierde war, sein Frühstück einzunehmen. Da er einer der besten Weinkenner in England und ein Mann von thätigem, Achtung gebietendem und einsichtsvollem Wesen war, so war er sehr bald zum Mitglieve des leitenden Aus­schusses dieses Klubbs erwählt worden, und in Wahr­heit hatte er die Bedeutung eines Vorstehers der An, stalt, und der Kastellan mit seinen Kellnern bückte sich vor ihm so tief, wie vor einem Herzog oder Feld, marschall.

Ein Viertel nach zehn Uhr erschien der Major ohne Ausnahme in dem Klubb. Er trug die glänzendsten und schwärzesten Stiefeln in ganz London, eine wohlgeknüpfte Morgenkravatte, an der sich »bis zur Essenszeit nirgends ein Fältchen aufspüren ließ, eine hellgelbe Weste, welche die Krone seines Landesherrn auf den Knöpfen zeigte, und so tadelloses Leinenzeug, daß Mr. Brummel selbst nach dem Namen seiner Wäscherin gefragt hatte und sie höchst wahrscheinlich beschäftigt haben würde, hätte nicht ein Mißgeschick diesen großen Mann gezwungen, aus dem Lande zu fliehen. Pendennis' Rock, feine weißen Handschuhe, sein Backenbart, selbst sein Rohrstock waren in ihrer Art vollkommene Beispiele des Kostüms eines alten Militärs auf Halbsold. Von ferne oder wenn man blos seinen Rücken sah, hätte man ihn für nicht älter als dreißig Jahre gehalten; erst bei näherer Betrach­

tung sah man die künstliche Natur seines reichen brau­nen Haars, und daß sich um die etwas matten Augen seines hübsch roth gesprengelten Gesichtes einige Runzeln gleich Krähenfüßchen befanden. Seine Nase war ein Exemplar â la Wellington, seine Hände und Manschetten waren wunderschön lang und weiß. An den letzteren trug er niedliche Golbknöpfchen, ein Geschenk seiner Kö­niglichen Hoheit des Herzogs von York, und an den erstern mehr als einen eleganten Ring, von denen der größte und dickste mit dem berühmten Wappen der Pen, dennis' geschmückt war. Er nahm stets von einem und demselben Tische, in einer und derselben Ecke des Zim« merS Besitz, und Niemand dachte jemals daran, ihn von dort zu verdrängen.

Ein oder zwei Male in früherer Zeit war es aller­dings vorgekommen, daß ein Paar tolle Spaßvögel und wilde Burschen eS in ihrer närrischen Laune oder auS Renommisterei unternommen hatten, ihn dieses Platzes zu berauben; da aber zeigte des MajorS Gesicht und Haltung einen solchen ruhigen Ernst und eine solche Würde, als er sich an den nächsten Tisch setzte und die Eindringlinge mit ernsten Blicken maß, daß eS geradezu unmögl ch ward, sitzen zu bleiben und unter seinen Augen zu frühstücken, und jener Tisch, beim Feuer und doch dem Fenster nahe, wurde sein eigen. Hier legte man in der Erwartung seiner Ankunft die Briefe hin, die für ihn abgegeben worden waren, und viele junge Herren blickten mit Verwunderung auf die Zahl dieser BilletS, auf die Siegel und daS Franko, welches sie trugen.

Wenn es irgend eine Frage gab über Ettiquette, gesellschaftliche Vorkommnisse, mit wem Der oder Die verheirathet, von welchem Alter der oder jener Herzog sey, so war Pendennis der Mann , an den Jedes sich wendete. Gräfinnen und Baronessen pflegten bei dem Klub vorzufahren und Billets für ihn zurückzulassen, oder