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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. — Jf 65.

Des Kaisers Vorreiter.

(Schluß).

Das Dritte, was mir noch einfâllt , ist eine Ge« schichte, wo es mir bald schlecht gegangen wäre, ich aber doch noch mit einem blauen Auge davon kam. Ei­nen besonderen Freund und Gönner hatte ich mir an des Kaisers Oberleibjäger , Peter Alerei, erworben und ich war oft mit ihm zusammen; es war auch ein prâch- s tiger und gescheidter Mann Md er stand ausgezeichnet gut beim Kaiser. Es war auf dem Kriegszuge nach; Paris, mitten in Frankreich, als wir nach mehrtägigen j tüchtigen Reisetouren in einer kleinen Stadt Nachtquar­tier machten, wo aber von den Gesinnungen der Leute dort gegen uns eben nicht viel Erfreuliches erzählt wurde. Darum wurden die kaiserlichen Equipagen alle in eine Reihe neben einander aufgefahren und die Gar­dekosaken bivouakirten in einer geschlossenen dichten Kette darum. Ich wollte eben mit meinen Pferden in das uns zum Quartiere angewiesene, nicht weit davon lie- z gende große Haus reiten, als Peter Alerei auf mich zugeritten kam und mich dringend bat, ich möchte doch diese Nacht mit ihm in seinem Quartiere schlafen. Er sey in einem einsamen Gartenhause einlogirt und da man hier den Leuten nicht trauen dürfe, so wäre es doch besser, wir Zweie wären beisammen; für meine Pferde solle schon Sorge getragen werden und morgen früh wä­ren wir alle Beide zu rechter Zeit an unserem Platze. Ich wollte erst nicht recht daran, da es aber ein so gu­ter Mann war und er mich gedauert hätte, wenn ihm etwas passirt wäre, so willigte ich endlich ein. Er rief nun sogleich, einem Stallbedienten herbei, übergab ihm meine und sein eigenes Pferd und befahl ihm, dieselben pünktlichst zu besorgen, wir aber suchten das ihm ange­

wiesene Quartier aus, daS allerdings etwas abgelegen, aber sonst gar nicht übel war. Kaum daß wir ein paar Bissen gegessen hatten, so legten wir uns, denn wir waren todtmüde , zusammen in das große breite Bett, das in einem Gartensaale stand, und schliefen so­gleich ein.

Meiner Meinung nach konnte ich kaum ein paar Minuten geschlafen haben, es war aber bereits früh um zwei Uhr, als ich durch heftige Schläge auf meinen Rücken und einige unsanfte Stöße ins Gesicht geweckt wurde und als ich erschrocken aufspringe, sehe ich als den Urheber dieser freundlichen Liebkosungen einen Offi« zier vor dem Bette stehen, der furchtbar tobt und flucht, mein Freund war aber bereits außer dem Bette und schon im Ankleiden begriffen. Plötzlich war in der Nacht die Nachricht gekommen, daß die Feinde ganz in der Nähe seyen, der Kaiser hatte Befehl zum Aufbruche gegeben, ich war nirgends zu finden gewesen, so hatte man eiligst einem Stalldiener meine Pferde gegeben und Alles war bereits fort, nur den Offizier hatte der Kai­ser mit einer Kibitke nach seinem Leibjäger abgeschickt, um diesen nachzuholen. Mir war nun nicht wohl zu Muthe; wie ein Wetter ging es in die Kleider, hinaus, wo der Wagen mit drei flüchtigen Pferden stand, ich stieg auf den Bock, Peter Alerei und der Offizier hin­ein und so ging es im Fluge dem Kaiser nach; demun- geachtet schien es den Herren im Wagen nicht schnell genug zu gehen und ich bekam von dem Offiziere noch manchen Stoß in den Rücken. Auf Feldwegen und über Steine ging es vorwärts, daß oft alle vier Räder in der Luft hingen und ich hatte noch dazu die Angst im Leibe, wie es mir ergehen werde. Ich hatte bis dahin, so lange ich in des Kaisers Dienste war, keine Strips mehr bekommen, diesmal aber, dachte ich, wird dein Rücken wohl blau werden, und die anderen Stallleute,