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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1850. — M 61

Des Kaisers Dorreiter.

(Fortsetzung.)

Den 18. Oktober ging's aber wieder nach Leipzig zu; wir rückten immer sachte vor, denn vor unS ging's fürchterlich her; ein ziemliches Stück vor Probsthayda wurde Halt gemacht und wir hielten nicht tausend Schritte von dem Orte, wo die Monarchen standen und Rapport von den Adjutanten erhielten. Da sahen wir, wie unser Kaiser, der österreichische Kaiser und der König von Preußen auf die Kniee fielen und beteten, daS war mir daS Merkwürdigste dabei, daß jeder der Monarchen dabei nach seinem Lande sah; sie standen einigemal wieder auf und knieeten wieder jnieder; das dauerte wohl eine Stunde; endlich kam die Nachricht, Napoleon ziehe sich nach Leipzig zurück, da fielen sie wieder nieder und beteten ganz laut, was? daS konnten wir freilich nicht verstehen, wir hörten aber hinterher, sie hatten Gott für den Sieg gedankt. Wir auf unseren Pferden, ich wenigstens, dankte auch dem lieben Gott, denn das war kein Spaß, ver Kanonendonner war so arg, daß zuletzt die Pferde unter uns zitterten.

Den Tag darauf fuhren wir in Leipzig ein. Unser Ausenthalt dauerte dort nicht lange; nachdem unser armer König Friedrich August von den Alliirten gefangen ge­nommen war, eilten wir dem flüchtigen Napoleon nach. Am längsten verweilten wir in Frankfurt a. M., wo der Kaiser auf der Zeil, wir aber mit den kaiserlichen Equi­pagen in den „drei Kronen" wohnten und es mir aus­nehmend gefiel. Durch daS Gastmahl beim kaiserlichen Leibkutscher, als ich in Rötha meine Stelle in Aleran- der's Dienste antrat, war ich mit einer Menge russischer Offiziere bekannt geworden, welche ihr großes Wohlgefallen an mir hatten, ich glaube deßhalb, weil

ich ihnen manches närrische Zeug vormachte, ohne den Respekt zu vergessen, und namentlich weil ich ihnen er­zählte, wie man in Deutschland die Speisen zubereitete, wovon ich immer Proben ablegen sollte. Diese große Gunst der Herren Offiziere wurde mir aber zuletzt wahr­haft lästig, denn ich durfte mich beinahe nicht mehr sehen lassen und ich hatte keine freie Stunde mehr für mich. Wenn ich einmal dachte, mir auch die Stadt ein­mal ein Bischen zu besehen, wo wir Rasttag hielten und durch die Straßen spazirte, 'guckte .irgend so ein Offizier zum Fenster heraus und so wie er mich gewahrte, rief er: Gottlieb! und ich mußte freiwillig gezwungen hinauf in fein Quartier. Da traf ich nun meistens eine ganze Gesellschaft solcher Herren vor wohlbesetzter Tafel, aber daS Alles hatten sie zum Ueberdruß und kaum war ich eingetreten, so schrie Alles auf mich hinein, Gottlieb! schaff! aber gut! Und nachdem man mir einige Gläser Wein oder Punsch gegeben und etliche Gulden in die Hand gedrückt hatte, mußte ich fort und einkaufen.

Bald waren eS Radieschen, die ich recht nett und zierlich zuputzte und sie ihnen dann mit Salz und Pfef­fer vorsetzte, bald saure Gurken, die ich in kleine Scheibchen zerschnitt und in Essig und Oel schwimmen ließ, bald Zwiebacke, die ich in Wein aufquellen ließ und dann fingerdick mit Zucker und Zimmt bestreute. Wenn ich nun den Herren so etwas Apparces brachte, waren fie allemal vor Freude außer sich , klopften mit auf die Achsel und schenkten mir ein Paar Gulden. Zuweilen aber verlangten sie auch, ich sollte ihnen großartigere Lust- parthien anstellen. Da führte ich sie einmal auf die Hasenjagd, sie schossen aber erbärmlich schlecht und die ■ Hasen kamen alle mit heiler Haut davon; ein andermal j bestellte ich in einer Dorfschenke Musik und als sich auch -dabei die Dorfjugend, Knaben und Mädchen, einstellte, 'mußten die Kinder tanzen, worüber die Herren vor