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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1850. Jlf 55.

Die Heimkehr

(Schluß).

Ich werde Sie nicht damit ermüden, fuhr der Ka­pitän fort, wie es uns in Rußlands Kampf ergangen; geschlagen und von allen Seiten zurückgedrängt, verfolgt vom Feinde, von Hunger und Kälte, war an keine Ordnung mehr zu denken, und Jeder suchte nur für sich allein zu sorgen; Bagagen, Kanonen, ja die ganze kai­serliche Kriegskasse mußten wegen Mangel an Pferden im Stiche gelassen werden, und Russen und Franzosen machten reiche Beute. Von meinen wackern Grenadieren, etwa noch zwanzig an der Zahl, umgeben, hatte ich beinahe die polnische Grenze erreicht, als wir eines Tages von einem Trupp Kosaken attakirt und angegrif­fen wurden, allein sie hatten sich verrechnet; tapfer wehr­ten sich meine Leute, und in weniger als einer Stunde lagen eine Menge Kosaken und Pferde todt am Boden, die andern aber halten die Flucht ergriffen; beutelustig fielen die Sieger über die gefallenen Feinde her, und es fand sich mehr, als man zu hoffen je gewagt; den Ko- saken mochte wohl eine unserer Kassen in die Hände ge­fallen seyn, denn nichts als französisches Gold fand man unter den Sätteln ihrer Pferde. Daß auch ich bei der Theilung dieser Beute nicht leer ausging, können Sie sich denken; obgleich ich mir nie viel aus dem Gelde ge­macht, so nahm ichs diesmal dennoch an, denn ich war deS Krieges herzlich müde, und hatte mir vorgenommen, bei meiner Zurückkunft nach Frankreich, meinen Abschied zu nehmen, und mir mit meinem halben Solde und die­sem Gelde ein ruhiges, stilles Leben zu gründen. Mit Hülfe eines erhandelten Pferdes bin ich glücklich mit meinem Gelde bis hierher gekommen und nun werd' ichs wohl nicht mehr brauchen! Hier hielt er eine Zeit lang inne doch endlich fuhr er fort: Mein

theurer Freund, ich habe Sie als Freund, als Mann bewährt gefunden: Darum sollen auch Sie, wenn ich diese Operation nicht überlebe, mein einz'ger Erbe seyn! Fürchten Sie aber ja nicht, daß Sie vielleicht irgend Jemand meiner Angehörigen etwas entziehen! Ich habe keine mehr!

Sprachlos vor Schmerz und Rührung war ich vor seinem Bette niedergesunken, und seine Hände mit mei­nen Thränen benetzend, bat, beschwor ich ihn, die Ge- danken seines nahen Endes fahren zu lassen; er aber gebot mir zu schweigen, indem er sagte:Das muß ich besser wissen, zu sehr hat mein Körper in Rußland ge, gelitten, um eine solche Tour noch durchzumachen, darum lassen Sie uns mit Ernst an's Werk geh'n!" Hierauf ergriff er seine Schelle, den Diener Herbeizurusen, und diesem trug er auf, den Oberinspektor und die Aerzte zu sich zu bitten, indem er ihnen etwas Wichtiges mitzu- theilen habe, und als sie endlich erschienen, redete er sie folgendermaßen an:

Meine Herren! Sie Alle wissen recht gut, wie es mit mir steht! Ich bin auf Alles gefaßt, darum habe ich beschlossen, daß, im Fall ich sterben sollte, dieser Mann hier der Erbe meiner wenigen Habseligkeiten seyn soll, damit man ihm es aber nicht streitig mache, so will ich diesen meinen letzten Willen hier schriftlich niederlegen, und Sie werden wohl die Güte haben, denselben zu un­terschreiben und als Zeugen zu bekräftigen!" und so geschah eS auch.

Noch am nämlichen Tage wurde die Operation vor, genommen, und wie der Kapitän vorausgesagt zwei Tage darnach lag er im Grabe!

Kurze Zeit darauf wurde mir auch die Hinterlassen­schaft deS Kapitäns, und zwar voll und unverkürzt, ver, abfolgt, und wer beschreibt nun mein Erstaunen, meine