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TageS, und Angst und Schrecken herrschte auch hier wie überall, und nur mit Mühe gelang es uns endlich, unser Begehren erfüllt zu sehen.

Die gefüllten Salzsäcke auf dem Rücken, waren unsere Krankenwärter behutsam den Berg hinabgestiegen, langsam folgte der Kapitän und ich ihnen nach, und schon waren wir am Dome vorüber, schon hatten wir eine Seitenstraße eingeschlagen, um, gedeckt von den Häusern derselben, unser Hospital zu erreichen; da, o Gott! stürzte eine Bombe herein, nicht weit von unsern Füßen, riß die Pflastersteine hinweg und wühlte wie wüthend im Boden umher; wie auf ein Kommando, vom heftigsten Schrecken ergriffen, hatten unsere Leute die Säcke hinweggeworfen, u.nv platt ausgestreckt lagen auch sie alle sechs im nächsten Augenblick am Boden, ich that ein Gleiches, und nur unser Kapitän allein stand auf­recht; was ihn dazu bewogen, die allbekannte Vorsichts­maßregel, beim Fallen einer Bombe sich auf den Boden zu legen, außer Acht zu lassen, war es Lebensüberdruß, oder erlaubte eS ihm sein militärischer Stolz nicht? das habe ich nie erfahren, daß er es aber theuer büßen mußte, bewies der nächste Augenblick, denn jetzt erhob sich die Kugel einige Fuß über den Boden, platzte mit furchtbarem Getöse auseinander, und auch der brave Kapitän stand nicht mehr aufrecht! Gerechter Gott im Himmel! Mein Freund, mein Retter lag mit zerschmet-' terten Beinen am Boden, ein Stück der Bombe hatte ihm den rechten Schenkel, ein anderes das linke Schien­bein morsch entzweigeschlagen.

Der Verzweiflung nahe, daß derjenige, den ich so unaussprechlich liebte und verehrte, der für mich jetzt schon zum zweiten Male sich in Gefahr begeben, nun so schrecklich dafür leiden mußte, war ich pfeilschnell in ein HauS geeilt, hatte mir dort eine Matratze erbeten, und mit Hülfe meiner Leute eine Bahre daraus verfertigt, auf welcher der Schwerverletzte in unser Hospital getreu gen wurde.

Bedenklich schüttelten die Aerzte die Köpfe; zu schreck­lich hatten die Stücke der Kugel gewüthet, und selbst der Verletzte schien nur zu deutlich zu fühlen, daß Rettung nicht mehr möglich sey; denn auf's Aeußerste gefaßt, for­derte er die Aerzte auf, ihm unumwunden anzudeuten, was er zu hoffen habe, und einstimmig fiel der Ausspruch dahin aus: daß beide Beine abgenommen wer­den müßten!

Lange hatte der Kapitän nach dieser Erklärung der Aerzte stillgeschwiegen, gleichsam als wenn er etwas Wichtiges mit sich abzumachen habe, dann aber richtete er rasch den Kopf empor, und jprach mit lauter, fast muchwilliger Stimme:Wohlan, meine Herren! ich unterziehe mich Eurer Operation, doch werdet Ihr er­

lauben, daß ich vorher meine Rechnung mit der Erde und sthren Bewohnern abschließe, denn wer Euch unter die Hände gerâth , der hat hier wenig mehr zu suchen!" Hierauf winkte er denselben sich zu entfernen, mir aber gebot er ausdrücklich, an seinem Bett zu bleiben.

Als wir nun allein im Zimmer waren, und ich mit thränenden Augen an seinem Belte saß, da ergriff er rasch meine Hand und sprach mit weicher Stimme:

Weinen Sie nicht, mein theurer Freund! Mas liegt daran, ob ein alter, verkrüppelter Soldat mehr oder weniger auf der Welt ist. Unser Handwerk ist der Krieg, und tausendmal sah ich dem Tod in'S Auge, der früher oder später mich dennoch erreichen muß, darum hinweg mit solchen Grillen, und lassen Sie uns etwas Wichtigeres besprechen. Hören Sie mich darum ruhig an: Von ar­men Eltern, die schon längst in jene Welt hinübergegan­gen sind, geboren, blieb mir beim Herannahen meines achtzehnten Jahres nichts anderes übrig, als, gleich vie­len Andern, als gemeiner Soldat in die Armee einzutre- treten, und daß auch ich etwas auf dem Feld der Ehre geleistet habe, beweist, daß ich's schnell bis zum Kapitän gebracht. Von da an aber verfolgte mich das Unglück, und während mehrere meiner ehemaligen Kameraden Marschälle und Generäle geworden, bin ich heute noch nicht mehr als Kapitän. Als solcher zog ich auch, wie Sie ja wissen, mit meinem Kaiser hin auf Rußlands öde Steppen und sah den Untergang von seinem Heere.

(Schluß folgt.)

Henriette Sonntag.

Paris, 21. Februar.

Henriette Sonntag ist die Heldin des Tages, sie hat gestern in Paris, in dem republikanischen Paris, eine Erneuerung der Triumphe erlebt, welche sie vor nunmehr 23 Jahren in dem restaurationsfrommen, ari­stokratischen Paris davon trug, als sie, seltenes Schau­spiel ! gleichzeitig von einem Sterne von gleicher Größe, mit der unvergeßlichen Malibran eine und dieselbe Oper verherrlichte. Herr Lumley eröffnete gestern seine Kon­zerte im Saale des Conservatoire; das Publikum war glänzend und kompetent; die Erwartung aufs höchste ge­spannt ; der Sieg vollständig. Alle Kenner, welche Hen­riette Sonntag unter Karl X. gehört haben, sind ein­stimmig in ihrem Urtheil, daß weder in ihrem Gesänge, noch in ihrer Erscheinung die geringste Veränderung vor- gegangen ist. Es ist dieselbe Anmuth , dasselbe Lächeln, dieselbe edle Eleganz, die wir damals bewunderten, die Methode hat gewonnen, die Stimme hat ihre volle Frische, Reinheit und Beweglichkeit bewahrt. Ein Phänomen,