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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Allqem. Zeitung.

1850. M 53.

Die Heimkehr

(Fortsetzung.)

Nachdem der erste Rausch der freudigsten Wieder­vereinigung vorüber und dem stillen Entzücken hochbe­glückter Wonne wieder Raum gegeben hatte, da nahm der Gatte die Gattin am Arme, und führte sie, umju- belt von den Kindern die Treppe hinauf in's düster er, leuchtete Wohngemach, dort aber trat er zum weichen Bettchen seines erst vor Kurzem zur Welt geborenen jüng, sten Kindes, das das Auge des Vaters noch nie ge­schaut , und einen langen Kuß auf des Kleinen sieber- glühende Wange drückend, hielt er die Mutter desselben lange still umfangen, da trat der Kutscher mit einem anderen Manne herein, und Beide setzten schwere Koffer auf den Boden; bei dieser Bewegung hatte der Vater sich rasch herumgedreht, und reich beschenkt von ihm ver­ließen beide Männer alsogleich das Zimmer, dieser aber schloß behend den einen der Koffer auf, und: O l neue Freude und Jubel, reiche Geschenke für Weib und Kin­der langte er daraus hervor I Ach! wie hatte sich in einem Augenblicke Alles hier verändert? Noch vor we, nigen Minuten der Angst, der Verzweiflung, ja dem Hunger preisgegeben, entfaltete sich jetzt vor ihren Au­gen eine Fülle von Pracht und Herrlichkeit, wie sie die­selbe fast noch nie gesehen! Alle Gegenstände der reich­sten Christbescheerung, der zartesten Aufmerksamkeit, la­gen jetzt vor ihren Blicken ausgebreitet, und was das Auge, was der Mund begehrte, war im Ueberfluß vorhanden, und stumme Blicke warf die Mutter auf den Gatten, dieser aber schien sie nicht zu bemerken und labte sich am Anblick seiner Kinder!

Da trat endlich Louise, die sich während dieser ganzen Szene still in einen Winkel zurückgezogen, ohne von dem Angekommenen bemerkt worden zu seyn, zu die­

sem heran, und mit zitternder, vor Freude und Weh­muth bebender Stimme fragte sie ihn: Ob ihr theurer Karl nicht mit ihm die Festung verlassen, und gleich ihm nach Haus zurückgekommen sey?j

Einen forschenden Blick warf der Befragte auf seine ängstlich iharrende Gattin ; stiller Kummer lagerte sich auf seinem Angesicht, und mit beklommener Stimme be, gann er endlich zu sprechen:Liebes, theures Kind: wenn Dein Karl nicht schon längst zu euch zurückgekom­men ist, dann weiß ich dir keine andere Kunde von ihm zu geben, als daß er, gleich im Anfänge der Belage­rung von den Franzosen gezwungen wurde, sie bei einem Ausfälle in ein benachbartes Dorf, von wo sie Proviant in die Festung hereinbringen wollten, als Doktor zu be­gleiten , die Ausfallenden wurden aber .von den Preu­ßen zurückgeschlagen, und Karl kam nicht mit ihnen in die Stadt zurück; wir Alle glaubten nun, er habe sich vielleicht freiwillig den Preußen angeschlossen, oder sey wohl gar von denselben gefangen genommen und als Deutscher in seine Heimath entlassen worden. Weiter weiß ich dir, mit dem beßten Willen, keine Auskunft zu ertheilen."

Vom tiefsten Schmerz überwältigt, war Louise auf einen Sessel zurückgesunken, die thränenden Augen mit beiden Händen bedeckend, die beiden Gatten aber waren mit sorglicher Hülfe zu ihr hingeeilt, ihr mit Worten der Hoffnung und Tröstung lindernden Balsam in das liebende Herz zu gießen, und beruhigter blickte daS trauernde Mädchen nach kurzer Zeit nun wieder dankbar zu ihnen empor, ihre tiefe Wehmuth gewaltsam nieder- kämpfend, doch es litt sie nicht mehr in diesem Hause der ungetrübten Freude, zu grell stach der allgemeine Ju­bel mit ihrer trostlosen Lage zusammen, und als nun endlich die Eltern sich wieder zu ihren Kindern gewendet, ihre Freude mit stillem Entzücken betrachtend, da hatte