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unschuldigem Herzen verwandeln sich in völkerverder- bende Wogen. Wir empfinden dabei ganz die Wirkung, die Aristoteles der Tragödie zuschreibt, Reinigung des Herzens von Leidenschaften. Leid aus Freud durchschauerte das germanische Herz, um ihm durch die Vergänglichkeit aller Dinge die höchste Persönlichkeit zu verkünden. Wenn auch die Rache auf Leben und Tod diese Gesänge zu durchdringen scheint, so ist dieS doch nur der Ausdruck der alles Menschliche verschlingenden Schuld, die anch den scheinbar Unschuldigen in ihren Abgrund hinabzieht, um von hier das wahrhaft Reine und Ewige zu erath- men. Der unschulvollen Schönheit zur Seile prangt die hervorragende Tapferkeit Siegfrieds; aber jene geht un­ter, gestraft durch nicht mehr zu bändigenden Haß, diese terliegt der List, die sich auf's Wirkliche stützt, auf dem allein sich das Persönliche sittlich fester entwickeln kann. Wie um weitere geistige Entwicklungen anzudeuten, schien daher bei Siegfried der alte Götterschutz nachläßig eine Stelle dem Angriffe zugänglich gelassen zu haben.

(Schluß folgt.)

Miszellen.

Eine Probe französisch-radikaler Rhetorik theilte vor einiger Zeit die „Union" mit. Der jAbbe Ehâtel, der französische Ronge, hielt nämlich einen sogenannten Gottesdienst und sagte in seiner Rede unter Anderem: „Die Pfaffen lügen, wenn sie Kain, den Mörder Abels, verdammen. Kain war der Prole­tarier, Abel war der Aristokrat!"

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Schiller alsRathsherrundHeirathskandidat in Schwein­furt! In dem trefflichen und bisher vom deutschen Publikum noch nicht nach Verdienst gewürdigten Briefwechsel Schiller's mit Körner (Berlin, Veit und Comp., 1847) ist eines Heiraths- antrages an Schiller gedacht, von dem bisher noch in keiner seiner Lebensbeschreibungen Erwähnung geschehen. Schiller selbst berichtet darüber Folgendes in einem Brief an seinen Freund Körner aus Weimar vom 25. April 1788 (Band 1. S. 286): „Einen Spaß muß ich dir doch erzählen, wenn es noch nicht geschehen ist. Vor einigen Wochen ist durch die vierte Hand die Anfrage aus der fränkischen Reichsstadt Schweinfurt an mich ergangen, ob ich dort nicht eine Rathsherrnstelle mit leidlichem Gehalt, verbunden mit einer Frau von einigen tausend Thalern, die, setzt man hinzu, an Geistes- und äußerlichen Vor­zügen meiner nicht unwerth sey, annehmen wolle. Die Stelle soll mich wöchentlich nur zwei oder drei Stunden kosten, und der­gleichen Vortheile mehr. Wie ich mich dabei benommen, magst du dir leicht selbst einbilden; doch möchte ich eigentlich wissen, wie man auf mich gefallen ist. Da die ganze Sache mehr der Gedanke einiger Privatleute ist und man eigentlich nur sagt, daß, wenn ich mich melden würde, sie mir nicht schwer fallen sollte,

so erkläre ich cs mir so, daß das Ganze eine Idee der Person seyn mag, die ich heirathen sollte. Diese hat vielleicht einige Lektüre, die ihr den Menschenzirkel um sie herum verleiden mochte, und da mag sie nun denken, daß sie mit ihrem bischen Geld und der Lockspeise einer Stelle einen Menschen fischen könnte, der auch andere Forderungen befriedigt. Der Zufall hat ihr von meinen Schriften einige vielleicht in die Hände gespielt, an denen sie Geschmack gefunden hat, und für einen Juristen hält sie mich ohne Zweifel. So muß ich mir das Räthsel erklären, und der Meinung ist auch Wieland.

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Die Herzogin Helene v. Orleans hat sich als Schrift­stellerin nicht blos im Felde der Politik versucht — wir erinnern an ihre kleine Broschüre: „Die Macht der Verhältnisse", sondern ist jetzt, und wir möchten behaupten, mit noch größerem Erfolge, auch als religiöse Schriftstellerin aufgetreten. Zu Grimma er­schien nämlich soeben von ihr unter dem Titel: „Jehovah-Blumen, Blüthen der Hausandacht und Verklärung des häuslichen Lebens für christliche Frauen", eine Sammlung von religiösen poetischen und prosaischen Aufsätzen , welche die hohe Frau, fern von der geliebten Heimalh in fremder Königsburg, für die Stunden stiller religiöser Hausandacht und Erbauung theils unseren ausgezeich­netsten religiösen Liederdichtern und Schriftstellern, von Luther bis jetzt, entlehnt, theils aus der Tiefe eigener Empfindung, und darum wiederklingend in allen verwandten Seelen niederschrieb. So haben denn diese „Jehovah-Blumen" ein doppeltes hohes Interesse und werden gewiß in allen Kreisen, wo der Sinn für des Lebens höchste Interessen glüht, als duftender Strauß will­kommen sein. (M. C.)

* K U N stnotiz.

Wiesbaden. Nächsten Samstag den 2. März wird ein neues Werk unseres trefflichen Harfen-Virtuosen, Karl Oberthür auf hiesiger Bühne zur Aufführung kommen, die Oper Floris von Namür, Tert von K. Gollmick. Herr Oberthür hat durch seine Musik zu Shakesspeare's Macbeth, die hier jo beifällig ausgenommen wurde, bereits seinen Beruf zur dramatischen Komposi­tion bewährt. Ein Einblick in die Partitur der neuen Oper läßt uns diesem Tonwerke gleichfalls ein günstiges Prognostikon stellen, und wir wollten nicht versäumen, unsere Mitbürger auf den bevorstehenden Kunstgenuß, bei welchem es zugleich die Anerkennung und Förderung eines einheimischen Talentes gilt, vorläufig aufmerksam zu machen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag, den 26. Februar. Die Memoiren des Teu­fels, Lustspiel in 3 Akten nach Arago und Vermond v. Herrmann.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.