sehen der HonvedS war besonders in Vecsey's Korps so stattlich, daß ein Fremder unmöglich hätte glauben können, ein geschlagenes Heer vor sich zu sehen. An den Ruthenzâunen des Fleckens waren die Wagen, Karren und Kanonen deS einen Korps ausgestellt, unter ihnen der geschlossene Scheibenwagen des General Vecsey, welcher die Stelle des Hauptquartiers vertrat. Dort hatte sich eine große Anzahl Offiziere versammelt, zunächst um durch Wahl die Lücken im Offizierkorps auszufüllen. Im Anfang flog die Unterhaltung lustig, fast übermüthig hin .und her, man scherzte und prophezeite einander Avancement. Allmâhlig wurde es dunkler, die Stimmung ward ernster, es ging durch die Menge, welche aus Offizieren aller Korps bestand, wie sie die Neugierde und Erwartung zusammengetrieben hatte, ein Geflüster: Kriegsrath soll gehalten werden, Bem wird kommen!
(Fortsetzung folgt.)
deutscher Mundart. Es ist nicht ohne Talent gemacht, aber ganz und gar in dem banalen Charakter des Ver« faffcrs, der sich nebenher reichlich mit Apotheosen bedacht hat. Die Demokratie von 1849 ist als Maulheldenthum gegeißelt, und auf der andern Seite die Rechte der Nationalversammlung bitter getadelt, mit besonderem Grimm gegen Heinrich v. Gagern. Die Farbe ist durchweg roth, und so wurde denn auch für die nächste Revolution in einem niedlichen Kouplet ein hübsches Hängen und Kö, Pfen in Aussicht gestellt. Raveaur ist indessen persönlich so schlimm nicht als er spricht, er ist ein Girondist, und dilettirt nur mit dem Äriom die Guillotine als Polizeimittel zu gebrauchen. Das Haus war gedrängt voll, und nicht blos großer Beifall war Lohn der reichlich lohnet. Gestern wurde das Stück zum Besten deSReichs- regentcn wiederholt.
Raveanx als Dramatiker.
Ein Korrespondent der Allg. Ztg. schreibt vom Kölner Karneval: Störungen, die ein Einschreiten der Polizei nöthig gemacht hätten, sind nur an einem Orte vorgefallen, im Stollwerk'schen Saale, wo man sich in einem Schauspiel mit maßloser Rohheit in die Politik verlor. ES war dieß nicht bei Gelegenheit der am Dienstag ausgeführten Posse von Franz Raveaur: „Drei Tage auS dem Leben im Gasthof zum rothen Ochsen." Vielleicht interesstrt es schon des Verfassers wegen den Inhalt dieser Posse zu kennen. Es sind Bilder der Jahre 1848, 1849 und 1850 in drei Akten. Der erste Akt betrifft die Märzrevolution mit dem Jubel der sie begrüßte. Die Berliner Revolution ist angekündigt, und es wird namentlich ein Originalbrief des Verfassers vorgelesen, der damals als Mitglied der Kölner Deputation seinen Freunden einen Bericht mit dem auffallenden Schluß erstattete: „Das Königthum ist verloren, selbst wenn es siegt." Der zweite Auszug hat die Demokratie zum Gegenstand, die allmächtige und zügellose des süßen Pöbels, und andrerseits die Vorgänge in Frank- furt, sowie die Kaiserdeputation mit dem wüsten Charivari, das sie hier erlitten. Der dritte Akt beschäftigt sich mit der Revolution in der Pfalz und in Baden, und mit der Reaktion: ein Unlersuchungsrichter befiehlt, daß der rothe Ochs schwarz-weiß anzustreichen sep, ein pom- merischer Unteroffizier benimmt sich grob und dumm, das Schild wird schwarz weiß gemacht, die Europa-Müden wandern nach Amerika aus, und der Schluß gibt ein schönes lebendes Bild der Einschiffung, wobei Raveaur in der bekannten Draperie seines Mantels paradirt. Das Stück wurde im einzelnen vortrefflich gegeben, in platt
Literatur.
tt Das Wesen und der Beruf der deutschen Literatur, von Dr. L. Blum.
Diesen Titel führt eine Rede, die in Petersburg von dem Hofrath Dr. L. Blum, Prof. ord., bei Entlassung der Studenten des pädagogischen Hauptinstitutes gehalten wurde und durch die geistvolle Behandlung des Gegenstandes eine allgemeine Verbreitung verdient. Indem der Verfasser, ein Frankfurter, nun Lehrer jenes Jnstitu- tes, die Blätter der Literatur entfaltet, glaubt er diesen Satz als ausgemacht hinstellen zu dürfen: daß das Wesen der deutschen Literatur sich in der Entwicklung dieses Gegenstandes, des allgemein Menschlichen und Eigenthümlichen, dergestalt vollzieht, daß die höhere gemüthvolle Einheit, die beides gleichmäßig, wie Wanderlust und Hei- mathsliebe, wie Tapferkeit und Treue, umfaßt, aus einer lebendigen Beziehung der Einheit der Persönlichkeit auf eine höhere und höchste hervorgeht und in der Darstellung eines Abbildes derselben das Ziel der Entwicklung findet. Unter diesen Grundgedanken derselben wird nun als Leuchte die gesammte Entwicklung der Literatur bis auf unsere Tage gestellt, auf nur 30 Seiten, so daß, natürlich nur von dem Epochemachenden und dem, was einem wirklichen Fortschritt begründet, andeutend, aber in scharf abgewogenen Worten gesprochen wird. So heißt es über das Nibelungenlied p. 15: „In massiven Formen, in großartigem Umrisse stellt der Dichter der Nibelungen aus vielen Mähren, die Vergangenes mit gegenwärtiger Empfindung gegenständlich überlieferten, das Erbeben erregende Bild der strengen Vergeltung dar. Anschauung und Empfindung, Endliches und Unendliches treten Hier in erhabene Spannung. Die leisesten Regungen in Chriemhildens natürlich
