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und versammelt werden in den Schooß Abrahams," in welchem nämlich er selbst saß und seine Geldkiste im eigenen Schooße trug.

Nachdem der gute, für mein Geschlecht so väterlich besorgte Mann mittelst seiner Beschneidungsmethode ein bedeutendes Quantum abgefeilten Silberstaubes beisam­men hatte, trug er es in die landesherrliche Münzstelle, wo der kostbare Staub, welcher höher geschätzt wird, als die Asche von Helden, eine schwierige Feuerprobe zu be­stehen hatte. Hierdurch und durch einen Schlag des Schicksals in Gestalt eines Münzstempels, entstand ich. Nach zurückgelassenen Schlacken des Judenthums war ich blank und schön, geziert mit dem Brustbilde eines christ­lichen Fürsten und galt 3Vr Gulden.

Mein erster Schritt war in die Hütten der Armuth. Der Herr Münzamtskassier, welchem ich nebst andern meiner jugendlich glänzenden Brüder eingehändigt worden war, gab mich einem armen Bäuerlein, welches Brenn­material zur Schmelze gebracht hatte.

Eben saß der zu Hause angelangte Kohlenlieferant im Kreise seiner nothdürftig gekleideten Familie beim Souper, welches aus Schlippermilch und Kartoffeln be­stand, und erfreute sich mit den Seinen an meinem herz­erquickenden Anblicke, als ein Mann mit einem Herzen, härter als nur ein harter Thaler seyn kann, zum offenen Fenster den Arm hereinstreckte und mich, nebst zwei obli­gaten Kartoffeln, den bekümmerten Leutchen entriß.

Es war der Bote des Rentamts, welcher mich seinem Vorstande als längst von meinen cidevant Besitzern schul­dig gewesene Abgabe pflichtmäßig einlieferte. Der wür­dige Beamte steckte mich in eine Papierrolle, welche er alsbald versiegelte, und in welcher sich bereits neun und vierzig meiner Brüder befanden, die mich mit ungeheu­chelter Freude empfingen. Aber, ach! „kurz war der Ab­schied für die lange Freundschaft."

Denselben Abend noch wurden wir als Vierteljahrs­besoldung dem Beisitzer eines Gerichtshofes übergeben, welcher uns mit einem Herzen empfing, weit schwerer als seine Börse selbst dann gewesen wäre, wenn wir uns verdreifacht hätten.

Ich habe seitdem häufig die Bemerkung gemacht und bewährt gefunden, daß Herz und Börse eines Menschen in einem gewissen magnetischen Rapporte zu einander stehen. Je schwerer daS Eine, desto leichter ist das An­dere dieser Beiden und umgekehrt! Die großherzigsten Menschen pflegen ihre Börse und deren Inhalt auf die gründlichste Weise zu behandeln, und bei Männern, deren Börsen am Schwersten r Vollsten und Umfangreichsten sind, läßt sich gewöhnlich gar kein Herz verspüren.

(Fortsetzung folgt.)

Heinrich Heine auf dem Schmerzens­lager.

Ein Freund hat den kranken Heine im Herbste v. I. in Paris besucht und schreibt nun: In einem klei­nen , aber sehr reinlichen Zimmer fand ich ihn auf meh­reren auf den Fußboden über einander gelegten Matrazen lang ausgestreckt. Obgleich jetzt gänzlich erblindet und von den schwersten Leiden abgezehrt, war er wieder der Heine von früher; es waren dieselben feinen und geist, reichen Züge. Ein schönes kastanienbraunes, langes Haar, diente dem oberen Theile des blassen Gesichts als Rahmen, während ein sorgfältig gehaltener Bart, der sich von der Oberlippe um das Kinn zog und unten spitz endete, die untere Partie des Gesichts von der weißen Decke scharf abschnitt. Die abgemagerten blei­chen Arme und die wohlgeformten bleichen Hände waren regungslos von beiden Seiten ausgestreckt. Es war ein Bild des Jammers, aber ein in hohem Grave fesseln­des. — Er hatte mich beim Anmelden, da ich meinen Namen nicht genannt, erst abgewiesen und entschuldigte sich nun, indem er mir ein herzzerreißendes Bild seines Zustandes und seiner Leiden entwarf, mit dem Bedau­ern , mir nicht einmal die Rechte reichen zu können, da sie gelähmt sey — denn nur mit Mühe konnte er ein­zelne Finger bewegen. Er sand cs hart, daß sich auch der leise Schimmer immer mehr verlöre, cher ihm zu Zeiten, und wenn er die richtige Stellung traf, erlaubte, einzelne Gegenstände zu erkennen. Sein Rücken war durch wiederholtes Brennen zu einer einzigen großen Wunde geworden, und selbst das Sprechen verursachte ihm Schmerzen; mit einem Worte, er war von allen den Leiden geplagt, welche stets im Gefolge eines jchon weit vorgerückten Rückenmarkübels zu finden sind, und dennoch war bei allen diesen Leiden, bei den grausam­sten Schmerzen , welche selbst den Stärksten trostlos ma­chen würden, in seinem Gesichte eine so heitere Ruhe ausgeprägt, daß fein Zustand bei Weitem nicht so be- klagenswerth erschien, als er es doch wirklich war; und woher kam diese Ruhe, diese Fassung, die ihm erlaubte von seinen Leiden zu sprechen, als träfen sie einen An­deren? Sie kam aus dem Quell, den ich wohl schwer­lich bei Heine, dem Atheisten, der sogar früher damit prunkte, ein Atheist zu seyn , zu finden vermuthete , sie kam aus dem reinen, unumstösslichen Glauben an einen Gott, der nach unserm Tod das Gute belohnt, das Böse bestraft, und aus der festen Ueberzeugung , daß dieser gerechte, m'lbe Vater Verirrungen, im Leben schwer bereute Verirrungen, nicht zu den bösen Thaten rechnen und als solche bestrafen könne. Dieser in seinen besten Jahren regungslos dahingestreckte Mann, sprach