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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. M 39.

Niedersächsische Zwergsagen.

(Fortsetzung.)

Die Zwerge bei Dardesheim.

Dicht an der nordöstlichen Seite des Städtchens Dardesheim, das zwischen Halberstadt und Braunschweig liegt, ist ein Quell des schönsten Wassers, welcher der Emansborn (Leßmannsborn) heißt und aus einem Berge hervorquillt, in dem vormals die Zwerge wohnten. Wenn die ehemaligen Einwohner dec Gegend ein Feierkleid, oder zu einem Hausfeste ein seltenes Geräthe gebrauchten, so gingen sie vor diesen Zwergberg, klopften dreimal an, und sagten mit deutlicher und vernehmlicher Stimme ihr Anliegen. UndFrühmorgens eh' die Sonn' auf­geht, schon Alles vor dem Berge steht." Die Zwerge fanden sich hinlänglich belohnt, wenn ihnen etwas von den festlichen Speisen vor den Berg hingesetzt wurde.

Den Zwergberg zieht auf der östlichen Seite ein Stück Acker hinan. Dieses Feld hatte einst ein Schmied, Namens Riechert, mit Erbsen bestellt. Er bemerkte, als sie am wohlschmeckendsten waren, daß sie häufig ausge­pflückt wurden. Um dem Erbsendieb aufzulauern, baute sich Riechert ein Hüttchen auf seinem Acker und wachte Tags und Nachts dabei. Am Tage entdeckte er keine Veränderung, aber alle Morgen sah er, daß, seines Wachens unerachtet, über Nacht sein Feld bestohlen war. Voll Verdruß über seine mißlungene Mühe beschloß er, seine noch übrigen Erbsen auf dem Acker auszudreschen. Mit Tagesanbruch begann Schmied Riechert seine Arbeit. Aber noch hatte er nicht die Hälfte der Erbsen ausge­droschen, so hörte er ein klägliches Schreien, und beim Nachsuchen fand er auf der Erde unter den Erbsen einen der Zwerge, dem er mit seinem Dreschflegel den Schädel zerschlagen hatte, und der nun sichtbar wurde, weil ihm

seine Nebelkappe herabgefallen war. DerZ Zwerg floh eilends in den Berg zurück.

Dergleichen kleine Streitigkeiten störten aber das gute Vernehmen des Zwergvolks und der LandeSeinwoh- ner Mr auf kurze Zeit. Aber die Zwerge wanderten endlich doch aus, weil ihnen die neckenden Spöttereien mancher Landesbewohner unerträglich waren, so wie der Undank bei manchen erwiesenen Gefälligkeiten. Seit der Zeiit hört und sieht man keine Zwerge mehr.

Zwerge kaufen sich los.

Ein Bauer hatte Erbsen draußen stehen, die waren ihm immer ausgefressen. Da wurde dem Bauer gesagt, er solle hingehen und schlagen mit Weidenruthen d'ruf h'rum, so schlüg' er gewiß Einem die Kappe ab. Da ging er hin mit feinen ganzen Leuten und fing auch einen Zwerg, der sagte zu ihm: Wenn er ihn wieder loslassen wolle, so wolle er ihm einen Wagen voll Gold geben, er müsse aber vor Sonnenaufgang kommen. Da ließ ihn ver Bauer los, und der Zwerg sagte, wo seine Höhle wäre. Der Bauer aber fragte noch, wann denn die Sonne aufginge? Die ginge um zwölf auf, antwortete der Zwerg. Da spannte der Bauer seinen Wagen an und fuhr hin.

Als er vor die Höhle kam, da jauchzten sie drinnen und fangen:Das ist gut, daß der Bauer das nicht weiß, daß die Sonn' um zwölf aufgeht."*) Als er sich aber zur rechten Zeit meldete, zeigten sie ihm ein abge­schundenes Pferd, das sollt' er mitnehmen; weiter könnten sie ihm nichts geben. Da war der Bauer ärgerlich, aber er wollte doch das Fleisch für seine Hunde mitnehmen, und hieb ein großes Stück ab und lud es auf den Wa­gen. Als er damit nach Hause kam, da war es Alles

*) Dat is gaut, dat de Büerken bot nicht weit,

Dat de Sunne um twölwe up geit.