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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. ^ 37.

Niedersächsische Zwergsagen.

(Fortsetzung.)

Leh nort.

Ein Bauer im HildeSheim'schen war so tief ver­schuldet, daß er nicht mehr auS und ein wußte, und da er bei Niemand Hülfe fand, ging er hin und kaufte sich für seinen letzten Mattier*) einen Strick, um sich aufzu­hängen. Als er so in'S Holz ging und nach einem pas­senden Baum suchte, begegnete ihm bei einem großen Steine ein kleines Männchen, das ihn fragte, was er vorhabe?Was will ich vorhaben? Mir ist mit der Welt nicht mehr gedient. Ich sitze bis über beide Ohren in Schulden und Keiner will mich herausreißen, da will ich nun ein Ende davon machen und mich an den ersten besten Baum hängen!" Da erbot sich der Zwerg gegen den Bauer, ihm eine Summe vorzuschießen, und der Bauer nahm daS Erbieten mit Freuden an. Das kleine Männchen gab das Geld her, bedang sich aber aus, daß eS sein Darlehen dann und dann richtig wieder haben müsse.Wenn du bezahlen willst, so klopfe nur hier an den Felsen und rufe dreimal Lehnort**)!" Der Bauer nahm das Geld, bezahlte seine Schulden und arbeitete sich wieder in die Höhe, so daß er zur bestimmten Zeit das geliehene Geld wieder in den Wald an die bestimmte Stelle tragen konnte. Als er an den Felsen kam, klopfte er daran und rief dreimalLehnort!" Alsbald öffnete sich der Stein und ein Zwerg trat heraus und sagte, als der Bauer seine Absicht, das Geld wiederzuerstatten, zu erkennen gegeben hatte: Lehnort sey unterdessen gestorben, aber er habe in seinen letzten Stunden noch befohlen,

*) Mattier, in einigen norddeutschen Gegenden gebräuchliche Münz­sorte im Werthe von vier Pfennigen.

**) Lehnort, Lehnhort, Schatzleiher.

daß, wenn der Bauer daS Geld wiederbringe, die Zwerge eS ihm lassen sollten, weil er sich so rüstig angegriffen und sich wieder in die Höhe gearbeitet habe.

Indem sah der Bauer in den offenen Felsenschlund hinein, und sah wie sie den todten Lehnort gerade da­hintrugen.

Die Mühlenzwerge.

In einer Mühle im HildeSheim'schen trieben die Zwerge einstmals eine heillose Wirthschaft, so daß der Müller nicht weiter kommen konnte. Des Nachts kamen sie in die Mühle, jagten und balgten sich, machten einen Lärm, der das Klappern der Mühle und daS Brausen der Räder überbot, neckten die Knechte, rissen die Säcke auf, streuten Korn und Mehl umher, daß sie durch den Dampf und Staub einander selbst nicht sehen konnten. Hatte der Knecht die Mühle !eben voll geschüttet und nickte ein Bischen ein, flugs klingelte das Glöckchen, und wenn der Knecht auffuhr und nachsah, so war das Korn noch nicht halb durchgelaufen. So hörten die Knechte denn die Glocken klingen und dachtendas ist wieder ein Schabernack", und gingen nicht um Korn aufzuschütten, und die Steine rieben sich selbst ab. Die ewigen Possen wurden dem Müller zu bunt, und um zu sichern, waS er sichern könne, ließ er Korn und Mehl in eine Scheuer bringen und glaubte nun sicher zu seyn. Aber ja wohl! Am ersten Morgen lag Korn und Mehl auch in der Scheuer durch einander, und so wurde, weil die neue Einrichtung auch ungelegen war, Alles wieder in den alten Stand gebracht; die Zwerge spektakelten nach wie vor wieder in der Mühle und der Müller mußte sich in Geduld schicken.

Da kamen eines Abends Bärenzieher zu dem ein­samen Hause und baten um ein Nachtlager. Der Müller bewilligte ihnen die Bitte und die Bärenführer legten sich, weil gerade kein besserer Platz vorhanden war, mit