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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. — M 36.

Niederfächflfche Zwergsagen.

(Fortsetzung.)

Die Zwerge sind Elfen und führen unter sich selt­same , den Menschen unbekannte Namen; trifft eö sich, daß diese Namen kund werden, so verschwinden die Träger derselben und lassen sich nicht wieder blicken; ob­gleich Ausnahmen, wie der Zwergkönig Gübich, vor­kommen. Man kennt Männer und Weiber, Kinder und alte Leute, und nach rügischen Sagen gibt es weiße, braune und schwarze Zwerge. Sie bewohnten einst weite Reiche, die sie in nächtlichen Wanderungen über Flüsse, von Abend nach Morgen ziehend, über Brücken, mit Fährleuten überschiffend, verlassen haben. Seitdem sieht man nichts mehr von ihnen. Sie sind klein, un­schön, erscheinen den Menschen häufig als häßliches Un­geziefer; die Harzischen tragen eisgraue Bärte, einige sind jung, andere alt und rauh von Haar; mit ihnen leben kleine Frauen. Ihre Kittel halten sie mit silber­nen Gürteln oder Spänglein zusammen, auf dem Haupt tragen sie Hüte, unsichtbar machende Nebelkappen, kleine Mützchen, ;auf denen silberne Glöcklein klingen. Ihre Wohnung liegt unter der Erbe, in Bergen, hinter Fels­blöcken , oder unter den Behausungen der Menschen. Man steigt zu ihnen auf langen Treppen oder Leitern nieder, und der unscheinbare, wohl widerwärtige Ein, gang sticht seltsam ab von dem Glanz ihrer geräumigen und prächtigen Gemächer, in denen Gold und Silber strahlt, Edelgestein blitzt. Sie reden und verstehen die Sprache der Menschen, leben in großen Gesellschaften, tanzen, spielen und schmausen; vor Allem aber lieben sie Musik und den Tanz im Freien bei'm Mondenlichte. Sie halten Kindtaufe, Hochzeit und große Gelage. Ihre Kunstfertigkeit ist außerordentlich groß, wie die ge- Heimen Kräfte, über die sie gebieten. Doch schlagen ihre

Gaben oft zum Uebeln aus, und nicht immer ist Segen dabei. Ihre Charaktere sind verschiedenartig. Die wei, ßen und braunen sind den Menschen gut; am besten zei­gen sich die weißen, dagegen sind die schwarzen bös ge­artet , voll Lug, Schalkheit und Tücke. Irdischen Au­gen sind die Zwerge gewöhnlich unsichtbar, doch vermö­gen sie menschliche Gestalt anzunehmen, wenn man ihnen die Nebelkappen abschlägt. Wem sie selbst ihre Kappe auffetzen, der sieht sie gleichfalls. Die weißen und brau­nen , das heißt die gutgesinnten Zwerge, helfen den Menschen und gehen ihnen bei ihrer Arbeit an die Hand. Sie können aber nicht vertragen, daß man sich gegen sie dafür dankbar erweist , denn wenn man ihnen eine Gabe für ihre Beihülfe verabreicht, so nehmen sie dieselbe zwar an, aber betrachten sie als ihren Abschied. Sie stehen außerdem in mannigfachem Verkehr mit den Menschen, verleihen an dieselben ihr Hausgeräth, wie messingene und kupferne Kessel, eherne Töpfe, zinnerne Schüssel und Teller, Tisch- und Küchengeschirr. Sie leihen dem menschlichen Nachbarn sogar regelmäßig eine Braupfanne. Man sendet ein Kind oder einen Dienst­boten an den Eingang ihrer Höhlen und läßt um die gewünschten Gegenstände bitten. Bald hernach, oder am andern Morgen steht das Gerälh vor dem Berge. Nach dem Gebrauch stellen die Menschen es wieder dahin, wo sie eö gefunden, und setzen ein Krüglein Bier oder ein wenig Speise dabei. Werden sie dann von bösen Buben beleidigt, so nehmen sie Rache. Sie selbst leihen von den Menschen; überhaupt können sie der Menschen nicht wohl entbehren. Sie bitten dieselben zu Gevatter und laden sie zu ihren Hochzeiten ein. Für die Dienste, die die Menschen ihnen erweisen, lohnen sie dieselben mit seltsamen Geschenken, deren Werth diese oft nicht zu schätzen wissen oder zu spät erkennen. Irdisches Kerzen­licht können sie nicht ertragen. Großes Gefallen haben