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licheS, ja wüstes Leben, das die Mängel seiner Poesie erklären hilft*) — man vergleiche Tiecks köstliche Novelle „Dichterleben" — gibt Dyce mancherlei neue Aufschlüsse. Marlowe ward, erst 30 Jahre alt, in einer gemeinen Londoner Schenke im Streit wegen einer Dirne ermordet. Diese trübselige Katastrophe eines so reichbegabten Geistes ist von dem englischen Dramatiker R. H. Horne, veredelt, als Stoff einer kleinen Tragödie (The Death of Mar­lowe, London 1837) benützt, welche ganz in Marlowe's Styl gehalten ist, und von Freunden der englischen Lite­ratur gekannt zu seyn verdient.

*) Eine ausführliche und gründliche Beurtheilung Marlowe's findet fich bei Ulrici, der überhaupt die dichterischen Zeitgenossen Shakspeare'S mehr berückfichtigt als dies bei Gervinus der Fall ist.

Miszellen.

«° Der Konvent in K a l i f o r n i e n hat zum Staatssiegel ein Wappen angenommen, das folgendermaßen beschrieben wird. Um die Rundung des kreisförmigen Siegels sind 3l Sterne dar­gestellt, welches die Zahl der zur nordamerikanischen Union ge­hörigen Staaten mit Einschluß Kaliforniens ist. Eine ganze Figur im Vordergründe stellt die Göttin Minerva dar, wie sie in voller Blüte und ganzer Rüstung aus dem Haupte Jupiter's entspringt. Sie versinnlicht das wunderbare Wachsen Kalifor­niens, das, ohne erst durch die niedern Stufen des Zusammen­lebens mühsam sich durchzuarbeiten, unmittelbar zur politischen Existenz gelangt ist. Zu den Füßen der Minerva lagert ein Bär, der die Trauben einer Weinranke verzehrt; denn Wein und Weizen , von dem ebenfalls eine Garbe das Wappen ziert, sind die vorzüglichsten Produkte des Landes. Auf der einen Seite dieses Hauptbildes sieht man einen Gold grabenden Berg­mann, als Versinnlichung des Landesreichthums an edlen Me­tallen; die andere Seite füllen Schiffe und Boote, als Symbol der bereits begonnenen und voraussichtlich rasch steigenden kom­merziellen Blüte; die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada bilden den Hintergrund. Ueber der Minerva steht das griechische „Eureka" (ich hab's gefunden), was sowohl das freisinnige Prin­zip in der Aufnahme der Emigranten als auch den Erfolg der Grabenden bei ihrer Arbeit andeuten soll.

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Meycrbeer's „Prophet" beginnt jetzt seine Wanderung über die deutschen Bühnen. Das stets rührige Hamburger Theater ist wieder das erste; am 23. wird dort der „Prophet" gegeben, am 27. folgt Dresden und in den ersten Tagen des Februar die kais. Oper in Wien.*) Für alle drei Theater wer-

den die umfassendsten Vorbereitungen mit den außerordentlichsten Kosten getroffen. Meyerb eer selbst befindet sich in Dresden, wo er die Proben leitet und auch die ersten Vorstellungen diri- girt. Nach Wien zu kommen soll er abgeschlagen haben, weil dort die Oper zu arg zugestutzt ist. Mit Berlin schweben noch Verhandlungen wegen der Besetzung der Hauptrollen.

Unter den Annoncen der „Zeitung für Norddeutschl." findet sich die Verlobung von Legationsrath Detmold und Sophie von Guaita aus Frankfurt angezeigt.

Die zweite Soiree bei der Erzherzogin Sophie!war wo möglich noch glänzender als die erste. Die ältere Damenwelt strotzte von Diamanten und die schönen Tänzerinnen glichen einem lebenden Blumengarten. Der Kaiser, in Ulanen-Uniform, der den Ball mit der liebenswürdigen Gräfin Bellegarde eröff­nete nahm an den meisten Tänzen Antheil und zog durch sein liebenswürdiges Benehmen die beständige Aufmerksamkeit der Damen auf sich. Er war die Seele der Unterhaltung. Da bei dieser Soiree alle Etikette verbannt war, so scheuten sich die muthwilligen und schönen Tänzerinnen nicht, den Kaiser bei den Tänzen herauszufordern und dadurch die allgemeine Heiterkeit zu erhöhen. Der Ball dauerte bis nach 3 Uhr.

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In Berlin zieht gegenwärtig Rauch's Reiterstatuc Frie- drich's des Großen die Aufmerksamkeit aller Kunstfreunde auf sich. Das Piedestal ist fast in Guß vollendet. Dasselbe wird in vier Abtheilungen gegossen und ist mit Hautreliefs geziert, welche die Hauptmomente aus Friedrichs II. Leben darstellen.

1 Die Kompositionen sind gelungen und mit ächt künstlerischem ! Geiste gruppirt; aber diese auf allen vier Seiten aus dem Relief weit hervorspringenden Pferdefüße thun dennoch der harmoni­schen Wirkung des Kunstwerkes bedeutenden Abbruch und er­innern lebhaft an das Münchhausen'sche Pferd, das vom Zoll­balken durchgeschnitten mit dem halben Leibe davon lief. — Ein nicht minder originelles plastisches Kunstwerk, das so eben vol­lendet worden, ist Kallide's auf einem Panther reitende Bacchantin, eine in karrarischem Marmor ausgeführte Gruppe, welche die oberschlesischen Gutsbesitzer als ein Geschenk für den Prinzen von Preußen bestimmt und bei Kallide bestellt haben. Der Prinz von Preußen ist ein eben so großer Kunstkenner als Kunstliebhaber und seine Gemahlin steht ihm darin würdig zur Seite.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

*) Auch in Wiesbaden wird die Oper im Frühsommer zur Aufführung kommen.

Donnerstag, den 31. Januar. Der Spieler, Schauspiel in 5 Akten von I sfla n d.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchbandlung in Wiesbaden.