Einzelbild herunterladen
 

das Werk einiger Wochen oder Monate seyn; Jahre, vielleicht Generationen sind dazu erforderlich; der ganze Geist der Erziehung und Bildung muß von dieser Gesinnusih getränkt, ein neuer G.rund in Haus und Schule, im öffentlichen Leben und in der Ge­setzgebung muß gelegt, die ganze geistige und sitt­liche Atmosphäre, Ton und Haltung der Literatur muß umgewandelt werden. Aber dieß ist nicht in aller Eile zu erreichen dadurch, daß man etwa in den Schulen in besonderen Stunden Vaterlandsliebe lehrt, oder den Soldaten von Unteroffizieren und Offizieren Patriotismus einschärfen läßt. Nein! erst muß eine nationale, pa­triotische Gesinnung in Lehrern und Kriegern lebendig seyn; das Unterrichts- und das Militär­system muß diese Gesinnung, statt sie zu verfolgen und einzuengen, voraussetzen und pflegen; dann wird alles Einzelne diesem Geiste zum Halt und zur Nahrung die­nen; dann wird der Soldat für die Mühen und Opfer, die ihm der Dienst für das Vaterland auferlegt, einen Ersatz finden, nicht in einer falschen Ehre, in einem ver­derblichen Kastengeiste, sondern in dem leicht zu erwecken­den Bewußtseyn, ein kräftiges, ehrenhaftes Glied des großen, wehrhaften Vaterlandes zu seyn; dann wer­den dem Schüler die patriotischen Großthaten und Gesinnungen der alten Juden, Griechen und Römer festere Gestalt, Fleisch und Bein annehmen, und statt nur seine Phantasie wie Fabeln zu vergnügen, Gemüth und Willen anregen, seinen vergleichenden Blick von der Vergangenheit und der Fremde auf die Gegenwart und das Vaterland hinlenken." (Schluß f.)

Miszellen.

Rom, 30. Dez. (K. Z.) Die von dem römischen Mini­sterium geleiteten Ausgrabungen haben Manches zu Tage gefördert. Der am Esquilin ausgegrabenen, mit Szenen der Odyssee ausstaffirten Landschaften und Marinen sind, so viel ich gesehen und erfahren, sieben; sie enthalten die Ankunft bei den Lästrygonen, die Vernichtung der Schiffe des Odysseus, seine Flucht, die Ankunft bei Circe und deren Palast, die Befragung des Tiresias und einzelne Szenen der Unterwelt selbst, zum Theil jedoch sehr zu Grunde gerichtet. Was die Statue des Athleten betrifft, welche in der sehr ergiebigen Ausgrabung vom Vicolo delle Palme gefunden, der in diesen Tagen wieder das Hinter­viertel eines Ochsen von Bronze lieferte, so gehört völlige Un- kenntniß griechischer Kunst dazu, um mit hiesigen Archäologen in ihr ein Werk des Lysipp sehen zu wollen; sie sticht unter den Statuen zweiten Ranges im Vatikan keineswegs hervor und mag in Rom nach dem berühmten Kunstwerke kopirt seyn , für^das

man sie ausgeben möchte. Auf dem Forum des Trajan hat man sehr bedeutende Architektur-Fragmente guter Arbeit und mehrere Säulen von dem so sehr geschätzten sogenannten giallo antico aufgefunden, welche über die Architektur der Basilika neue Auf­schlüsse geben, um nicht zu reden von einem historisch wichtigen Dekrete der Kaiser Theodosius II. und Valentinian II., das bei dieser Gelegenheit ans Tageslicht gekommen ist, sowie denn auch die Ausgrabungen der Basilika Julia einige epigraphische Aus­beute gewährt haben.

* *

•

Von Adam liegt eine neue komischeOper vor. Sie heißt: „Der Leuchtthurm", und wurde zu Weihnachten in Paris auf­geführt. Nach einem Bericht von Berlioz im „Journal des De- bats" scheint der Tert das Schicksal der meisten Opernterte zu theilen; Er ist matt. Die Musik ist leicht, zierlich und für die Sänger bequem; zwei Romanzen und ein Fischerchor sollen be­sonders ansprechend seyn, auch wird die Jnstrumentirung gelobt. Während des ganzen ersten Aktes ist das Meer in stürmischer Thätigkeit; anderthalb Stunden lang mußten einige Dutzend Bursche ununterbrochen den Ozean in Bewegung erhalten, d. h. die bemalte Leinwand von unten nach oben schwenken. Dabei kam es zu einem Streit zwischen diesen Meerfabrikanten, der am Ende ;o laut wurde, daß das Publikum hörte, wie dieselben einander als „Aristo's" und „Reacs" schimpften; auch war von Bourgeois und Bürger Proudhon die Rede, also politischer Hader sogar unter dem Theatermeer.

In dem Kapitel der Schrift „Aufzeichnungen eines nachge- bornen Prinzen" (1841), das überschrieben ist: „Vorhersagun- gcn", läßt sich dieser Hochgeborne in seltsamer Uebereinstimmung mit allen volksthümlichcn Prophezeiungen der neueren Zeit da­hin vernehmen: „Meine Freunde behaupten, ich sey schon oft Prophet gewesen. Wenn ich dazu kommen sollte, ein Haus zu erbauen, so würde ich Folgendes in den Grundstein einlegen und der späten Nachwelt übergeben: ein gewaltiger Krieg wird Deutschland überziehen, bevor die Fürsten unter sich einig und die gerechten und mäßigen Ansprüche des Volkes befriedigt sind. Franzosen von Westen, Russen von Osten werden einfallen, theil­weise geführt und unterstützt von Deutschen selbst. Da wird in der Verzweiflung Aller Rettung wcroew durch einen Mann, wel­cher weder der höchsten, noch der niedersten Stufe oer Gesellschaft angehören wird rc."

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Donnerstag, den 31. Januar. Der Spieler, Schauspiel in 5 Akten von Iffland.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchbandlung in W i c o baden.