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mit hab ichs dahin gebracht, daß, je mehr Papst und Kaiser getobet haben, je mehr mein Evangelium ist fort­gegangen. Ich habe nie kein Schwert gezuckt, noch Rache begehrt; ich habe keine Rotterey, noch Aufruhr ange­fangen, sondern der weltlichen Obrigkeit, auch der, so das Evangelium und mich verfolget, ihre Gewalt und Ehre helfen vertheidigen , so viel ich vermocht. — Aber dabei bin ich geblieben , daß ichs Gott ganz Heimgestel- let und allezeit auf seine Hanv trotziglich mich verlas- len habe. Darum hat er mich auch zu Trotz beiden, Papst und allen Turannen, nicht alleine bei dem Leben erhalten, sondern mein Evangelium immer lassen mehr und weiter zunehmen. Nun fallet ihr mir darein, wol­let dem Evangelio helfen und sehet nicht, daß ihrs da­mit aufs allerhöchste hindert und verdrückt."

Dann ermahnt er sie nochmals, ihre Sache, wie gut und recht sie auch seyn möge, nicht mit der des Evangeliums zu vermischen, lieber auch das Unrecht mit christlichem Sinne zu erdulden und den christlichen Na, men nicht zum Schanddeckel ihres ungeduldigen und un­christlichen Vornehmens zu machen.

Einsender glaubt diese Zeilen nicht passender schlie, ßen zu können , als mit Anführung des Urtheils des Professors Hagenbach in seinen trefflichen „Vorlesun­gen über Wesen und Geschichte der Reforma­tion" über die angeführte Schrift Luthers: „klarer, kräftiger, schärfer", das sind seine eigenen Worte, „konn­ten wohl nicht die Grenzen der Reformation und Revolution gezogen werden, als in dieser wahrhaft klassischen Schrift geschieht, die in unseren Zeiten wohl eine neue Auflage verdiente. Es herrscht darin die größte Wohlmeinenheit und Freisinnigkeit eines ächten, mit dem Niedrigsten im Volke fühlenden und um seine geistlichen und leiblichen Interessen bekümmerten Volks­freundes , aber auch die Weisheit und Mäßigung eines an Gesetz und Ordnung treulich festhaltenden Bürgers und endlich' die höhere’ prophetisch-sittliche Kraft eines von den heiligsten Grundsätzen des christlichen Lebens durchdrungenen evangelischen Lehrers; miteinem Worte, es herrscht darin die Sprache eines Reformators, welche die schöne, würdige Mitte hält zwischen der eines kriechenden Absolutisten und der eines demagogischen Radikalen." — r

Die deutsche Partei empfiehlt Beschäf­tigung mit vaterländischer Geschichte.

I.

:—: Vom 24. Jan. Die Deutsche Zeitung hat bisher einige Nummern gebracht von einem durchlaufen­

den Aufsatze, überschrieben „Die deutsche Partei." In Nro. V. davon vom 23. Januar beschäftiget sie sich mit der Pflege des allgemeinen deutschen; Sinnes und mit den dazu führenden Mitteln und Wegen.

Allerdings hat sie, wie sie selbst sagt, genug gekämpft für deutsche Einheit in Kammern und Parlament, in Schriften und Zeitungen; sie hat Begriff und Wesen dieser Einheit gegen Freund und Feind erörtert und ge­schützt , sie hat dynastische, aristokratische und demokra- tische Irrthümer aller Art bekämpft; sie hat den soge­nannten Dreikönigsentwurf, als die letzte Hoffnung des Möglichen und Erreichbaren, nach allen Seiten verfoch­ten; sie hat manchen Steinernen erweicht, manchen Lauen erwärmt, manchen Zähen in Fluß gebracht. Aber sie hat auch Ursache zu klagen über Mangel an Ausdauer, an Hingabe, an Enthusiasmus nach dem Rausche der ersten Aufregung; sie vermißt die ächten deutschen Eichen­herzen. Dabei bauet sie nicht auf die Erwartung eines wiederkehrenden großen Nationalunglücks, das uns, wie im Jahre 1813, durch die gemeinsame Noth vom Zwie­spalte zur Einheit bringt. Sie wünscht dem deutschen Volke eine andere Schule der Weisheit und des Patrio­tismus ; aber sie will, daß diese Schule nicht durch Trockenheit und Pedanterie zurückschrecke, sondern anziehe und gewinne, bilve und stärke, erheitere und fördere.

Dabei erinnert sie daran, daß Schiller, der Dichter und Denker des deutschen Volkes, in nicht minder beweg­ter und zukunftschwangerer Zeit, im Jahre 1795 seine Abhandlung „über die ästhetische Erziehung des Men­schen" schrieb, d. h. zur wahren menschlichen, und somit auch zur ächten bürgerlichen, zur moralischen. Kann doch kein Produkt der wahren Kunst, der bildenden oder der redenden, ohne sittliche Grundlage seyn; läßt doch Schön­heit, wahre Schönheit, wenn auch nach Zeiten sich rich­tend, von der Sittlichkeit sich nicht trennen; kann doch die Phantasie der reinen Menschlichkeit immer nur auf Edles sich richten.

Wir wollen aus dem, was der genannte Aufsatz weiter daran knüpft, das Wesentliche mit den eigenen Worten ausheben, und am Schluffe einige Anwendungen davon auf faktische Zustände machen.

„Bei der Mehrzahl der Deutschen wird das politische, daS nationale Interesse, welches in seiner Aechtheit ein tief sittliches ist, vereinzelt nicht auf die Dauer gefesselt, rege gehalten und stetig auf das unverrückte Ziel hinge­lenkt werden können, wenn eS nicht mit allen übrigen Elementen des Lebens in innige Wechselwirkung gebracht wird, wenn es nicht von allen Kräften und Richtungen des Geistes und Gemüthes seine Nahrung empfängt, wenn es nicht so heimisch gemacht und acclimatisirt wird, daß es jede Witterung aushält. DaS kann freilich nicht