es unserer Enkelin in irgend etwas mangele. Erziehen Sie sie in der Furcht Gottes, in Zucht und in Ehren. Wenn Fanny ihr vierzehntes Jahr wird zurückgelegt haben, will ich, daß sie zu uns zurückkehre." — „Natürlich mit Ihnen," fügte Mistreß Young hinzu. Katharina neigte gehorsam das Haupt und schied. Sie landete in Havre. Von da begab sie sich nach Paris, ihren Wechsel zu realisiken. Sie meldet sich in dem großen Komptoir, man weist sie von einem Gitterfenster an das andere, von einem Pult an den anderen, bis ihr zuletzt ein grimmiger Mensch, hinter Büchern und Geldrollen hervor, zuschnauzt, nachdem er das kleine Blatt lange durch seine Brille angestarrt: „Kann nicht gezahlt werden, fehlt ja die Signatur." Katharina weiß nicht, was das heißt: sie fragt und forscht ängstlich, da wirst der Grimmige das Gitter vor seinem Käfige zu, murrt etwas von escro- querie zwischen den Zähnen und entfernt sich, einen blanken Haufen Fünffrankenstücke mit unbegreiflicher Ge- schwindigkeit durch die krummen Finger der Rechten rollen lassend.
Hatte Mister Young sich einen großen Geschäftsfehler zu Schulden kommen lassen, er, der große Geschäftsmann, oder nur einen kleinen Betrug, an seines Sohnes Weib und Kind? Katharina glaubte jenes, ich — nun, ich glaube schon seit geraumer Zeit gar nichts mehr. Wahrheit und traurige Wahrheit blieb es, daß sie in Paris saß, in der Stadt von einer Million Menschen, ohne einen Einzigen von dieser Million zu kennen, entblößt von allen Mitteln der Eristenz, krank am Leibe, kränker noch am Herzen. Sie erholt sich Raths bei ihrer Wirthin, einer erfahrenen, gutmüthigen Frau. Die weist sie an den amerikanischen Konsul, weil sie doch aus New- York eigentlich stamme, der weist sie an den englischen Konsul, weil sie nicht aus New-York, sondern doch aus Helgoland eigentlich stamme, und der englische Konsul weist sie erst ab, und dann zum Teufel. (Schluß f.)
Der Strohmerunfug.
So oft und eindringend bereits auf die, mit dem immer weiter überhand nehmenden Strohmerunfuge verbundenen großen Nachtheile und Gefahren für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufmerksam gemacht worden ist, so können wir doch nicht unterlassen, diesen Gegenstand aufs Neue zur Sprache zu bringen. Der Pfarrer I. M. Maier in Rügheim schildert denselben sehr wahr in folgender Weiss: „Die bodenloseste Unsittlichkeit und das tiefste Verderben findet sich unter den Hand werksgesellen, besonders unter dem Theile derselben, der, ein wahres Nomadenvolk, Jahr aus Jahr ein,
fechtend im Lande herumzieht, um Nachts die unter Tags zusammengefochtenen Pfennige in Herbergen und schlechte Kneipen zu verspielen und zu versaufen. Zeigt sich schon, nachdem die Zucht der Innung sich gelöst hat und auch von Seiten der selbst in ihren Grundsätzen locker gewordenen Meister keine erste Aufsicht mehr über den Wandel der Gesellen und Lehrjungen geführt wird, bei den in Arbeit stehenden Gesellen ein großes sittliches Verderben und eine ungemessene Lüderlichkeit, so sind vollends diese arbeitslos herumziehenden Strohmer der eigentliche Auswurf dieser Klasse. Es ist ein offenkundiges Geheimniß, daß unter ihnen in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz 30 verschiedene, unter sich int Zusammenhänge stehende Verbindungen mit Abstufungen und Graden bestehen, deren Glieder bei ihrer Aufnahme mit einem schrecklichen Fluche wider Gott, wider die Obrigkeit und jede göttliche und menschliche Ordnung sich zum Haffe wider alles Bestehende verpflichten. Daß der Kommunismus unter ihnen seine wärmsten Anhänger und wärmsten Verfechter hat, wird wohl (ohne besondere Versiche, rung geglaubt werden. Eine genaue Untersuchung wird zweifellos herausstellen, daß sie zu den früheren Einfällen von Hecker und Struve in Baden, dann zu dem Frankfurter Attentate, zu den Aufständen in Wien und Berlin, besonders aber zu den beklagenswerten Aufstandsversuchen in Baden und in der Pfalz ein zahlreiches Kontingent gestellt haben. Das leibliche und geistige Elend biejer Unglücklichen ist fast größer, als daß die Hand des Retters sie noch zu erreichen vermag ; allein aufgegeben dürfen sie nicht werden, — wir müßten denn uns selber aufgeben wollen; denn aus dieser Rotte droht Deutschland die größte Gefahr."
In der That waren auch die revolutionären Bewegungen, welche im März 1848 ganz Deutschland erschütterten, längst vorbereitet. Man lese nur den im Jahre 1845 erschienenen „Piapport général, adressé au conseil d’ctat de Neuchâtel sur la propagande secrète alle- mande et sur les clubs de la jeune Allemagne en Suisse.“ Solche Klubs hatten sich in Genf, Lausanne, La Chaur de Fonds ic. unter der Bezeichnung: „Das junge Deutschland" gebildet. Die im letzten Orte am 23. Juni 1845 bewirkte Verhaftung von acht Mitgliedern dieses Klubs und die Beschlagnahme von Schriften führte zu wichtigen Entdeckungen. Namentlich fand man bei Julius Standau aus Gotha die Statuten einer, seit 1833 in der Schweiz bestehenden geheimen Propaganda des jungen Deutschlands. Wir werden diese Statuten später veröffentlichen; vorläufig beschränken wir uns auf die Mittheilung einiger Auszüge aus dem von Wilhelm Marr im Geiste der gedachten Verbindung redigirten Journales:
