Einzelbild herunterladen
 

die in ihrer Grundrichtung vom Volksliede auSgingen, in ihrer weitern Entwickelung immer entschiedener auf dasselbe zurückkamen, während Haydn in seinen letzten Lebensjahren noch ein so kindliches und acht volksthüm- licheS Lied, wie „Gott.erhalte Franz den Kaiser," schreiben konnte, und Mozart zuletzt in seiner „Zauberflöte" die volksthümliche Seite durchgreifender anschlug, als je zu­vor im höhern dramatischen Styl geschehen ist: verlor sich Beethoven bei vorrückendem Alter immer tiefer in seine abstrakt-idealistische Darstellungsweise, so daß seine letzten Werke dem Laien geradezu unverständlich sind. Mozart und Haydn schlossen hingegen ihr Leben mit den kindlichsten und allgemein faßbarsten Akkorden. — Diese Einzelzüge dünkten unss wichtig zur Orientirung und Verständigung. (Schluß folgt.)

§ Reifefkizzen

Die Schnee -und Eiswelt der Alpen.

(Fortsetzung.)

V. Leonhard sagt in seiner Naturgeschichte der Erde: „Nicht selten thun sich Klüfte sehr plötzlich auf; man darf daher Eisgefilde nur mit größter Sorgfalt be­treten, und sich namentlich nur mit besonderer Vorsicht den offenen Spalten nähern, weil leicht der Fuß am Rande derselben gleitet und der Wanderer in die Tiefe hinabrollt, von wo nur selten eine Wiederkehr möglich ist. So stürzte vor längeren Jahren der Grindelwalder Wirth beim Herabtreiben seiner Heerde in eine 360 Fuß tiefe Spalte des dortigen Gletschers. Er kroch in sehr engem Kanale im Bette des Weißbaches aufwärts und kam nach 3% Stunden mit zerbrochenem Arme wieder an's Tageslicht. Eben so gelang es einem Engländer, der auf dem Dödigletscher in eine Spalte fiel, sich da­durch wieder herauszuhelfen, daß er mit seinem Taschen­messer sich Stufen in's Eis schnitt. Nicht so glücklich war dagegen Eschen, ein dänischer Gelehrter. Im August 1800 erstieg er mit einigen Reisegenossen den Büet in Savoyen. Als sie den Gletscher des Berges überschritten, verschwand Eschen plötzlich. Das Außer­ordentliche der Natur hatte den Muth des kühnen Jüng­lings gereizt, schnell weiter zu dringen, un der war dabei, über eine Schneebrücke gehend, welche eine tiefe Spalte deckte, eingebrochen. Seine Begleiter eilten sogleich nach dem nächsten Dorfe und kamen um Mitternacht mit meh­reren Führern zurück, die sich an Stricken 100 Fuß tief hinabließen. Sie fanden zwar Eschen, aber nicht mehr lebend. Er hatte die Hände über dem Kopfe ausge­streckt und diese Stellung ohne Zweifel beim Herunter­

fallen in die sich verengende Kluft entnehmen müssen. Durch allmählige Pressung des Körpers war die Wirkung des Falles, der bedeutenden Höhe ungeachtet, nicht so­gleich tödtlich geworden. Der Unglückliche hatte sich die Fingernägel abgekratzt und einen gräßlichen Todeskampf bestanden. Wahrscheinlich war er endlich vor Kälte erstarrt."

Eine besonders bemerkenswerthe Erscheinung scheint mir die Biegsamkeit oder Plastizität des Glet­schereises zu seyn. Wie schon früher erwähnt- wird nämlich die Fortbewegung der Gletscher durch kein Hin­derniß gehemmt, sondern dasselbe entweder mit fortgeris­sen oder, wenn das unmöglich, überschritten, wobei das Eis über die erhabensten Stellen hinweggleitet, sich genau an das Hinderniß anschmiegend, ohne zu zerreißen. Wird die Durchgangspassage enger, so zieht sich der Gletscher an diesen Stellen zusammen, um sich dann an den breiteren Stellen, einem Strome gleich, wieder aus­zudehnen. Nebengletscher vereinigen sich mit Hauptglet­schern auf dieselbe Weise, wie Nebenflüsse mit Haupt- flüssen und nur an den sogenannten Moränen ist der Verlauf beider Arten zu erkennen. Auch scheinen die Querspalten sich gegen das Ende des Gletschers zu schließen und in Längsspalten überzugehen, wenigstens sind dort nur letztere sichtbar und von ersteren ist keine Spur mehr wahrzunehmen. Die durch die Spaltung entstehenden Eispartien thürmen sich gegen das Ende des Gletschers immer höher und nehmen mancherlei For­men an, so daß die Gletscheroberfläche nur mehr aus zahn« und pyramidenförmigen Zacken besteht, die jeden Zugang unmöglich machen. Alle diese Erscheinungen können jedoch ihren Grund nur in der Biegsamkeit und Plastizität des Eises im Großen haben, da ihm in klei­neren Stücken diese Eigenschaft abgeht.

Sowie der Gletscher voranschreiteè , beladet er sich mit einer Menge Gesteine, die theils in Folge des immer fortdauernden Verwitterungsprozcsses, von den höher ge­legenen Bergspitzen Herausstürzen , theils aber auch von den anstehenden Felsen losgerissen und langsam mit fort­geschleppt werden. Alle diese Gesteinsmassen bilden auf den Gletschern selbst mehr oder weniger zusammenhän­gende Wälle, welche man Moränen nennt; sie erreichen oft eine Höhe von 15' — 20' und führen FelStrümmer von 20 — 30 Kubikfuß mit sich fort.

Da, wo die Gletscher abschmelzen und ihr Ende er­reichen, stürzen sie herab und bilden oft ganze Berge von chaotischem Schutt, der sich von Jahr zu Jahr anhäuft und über den der Gletscher in ungünstigen Jahren hin, wegschreitet, wie das besonders auf einem Montblanc- gletscher auf der italienischen Seite, zwischen dem Col di la Scigne und Cormayeur, der Fall ist, wo es auch