Die Gletscher haben auch-ihre thierischen Bewohner und zwar mikroskopische Insekten in unglaublicher Menge, welche hauptsächlich unter Steinen, am Rande der Schrunde und auf den Wasserbecken gefunden werden und von Desor zuerst an den Monte Rosagletschern, dann aber auch von ihm, Agassi;, Studer rc. bei ihrem Aufenthalt auf dem Un'teraargletscher dort, sowie auf dem Oberaargletscher und obern Grindelwaldgletscher gefunden worden sind. Unter einer guten Luppe kann man die äußeren Umrisse des Thieres ziemlich genau erkennen. H. Nicolet beschreibt bas auf dem Unteraargletscher am häufigsten vorkommende Thierchen (Desoria glacialis) auf folgende Weise: „Es ist durchaus tief schwarz, stark behaart, mit kurzen weißlichen Borsten; deutlicher, etwas angeschwollener Hals, zylindrischer Thorar; spindelförmiger Hinterleib; drittes Glied der Antennen eiförmig; Schwanzgabel lang, gerade, mit sehr kurzem Basalglied; Endfäden der Gabel stark gekrümmt."
Da alle Podurellen sehr gefräßig und mit starken Kauwerkzeugen versehen sind, so begreift man kaum, wie diese Art auf dem Gletscher hinreichende Nahrung finden kann, noch auch ist überhaupt bekannt, wovon ste leben.
(Fortsetzung folgt.)
O Theater Notiz.
Wiesbaden, den 7. Januar.
Ein kleines Phantasiestück, „Weihnachten", von Charles D icke ns, ging gestern zum zweitenmale über unsere Bühne. Der geniale Brite zeigt darin, daß hehre, wichtige Tage den Geist unwillkürlich zu ernsten Betrachtungen über Vergangenheit und Gegenwart und zu frommen Vorsätzen für die Zukunft veranlassen — eine Idee, die außer der Wahrheit in der ganzen Anlage des Stückes den Vorzug rührender Innigkeit für sich hat, aber zu nichts weniger als zu dramatischer Bearbeitung geeignet ist.
He sse's dramatische Ausführung dieser Idee vermindert bedeutend auch wirklich deS phantastischen Mâhrchens zauberische Gewalt. Welch ein Dialog zwischen Cornelius und seinem Compagnon, oder irgend einem anderen der Geister! Ist es nicht, als müsse sich selbst der betreffende Schauspieler geniren, ein Gespräch fortzusetzen, das durch irgend eine triviale Aeußerung Heidenr eächS kurz abgebrochen schien? Dieses abwechselnde Hinabschleudern in die poetische Szenerie einer wonnigen Jugendzeit benimmt dem nordischen Mâhr- chen die behagliche Ruhe und stört, ja schmerzt daS Gefühl des denkenden Beobachters. Ist doch der Weg, der beständig abwechselnd über sonnige Hügel und durch morastige Tiefen führt, gerade der ermüdendste. Je mehr Schönheiten der Wanderer entdeckt, wenn er oben ist, je mehr er das Glück einer Luft zu schätzen weiß, desto banger schaut er die laufende Bahn, desto ânglicher wächst die Sehnsucht nach dem letzten Hügel, an dem seine friedliche Hütte ruht.
WaS die Aufführung anlangt, so war dieselbe durchaus keine gelungene. Herr Meisinger entwickelte zuweilen ein Gemisch von
Komik und Ironie, das sehr widerlich wurde. Herr Wilke durft? seine Stimme nicht zu sehr forciren — Geister haben keine Leidenschaft. Die Tableaur hatten eine ungemeik günstige Wirkung und trugen jedenfalls das Meiste zum Erfolge des Stückes bei.
Miszellen.
Stockholm, im Jan. Für Karl Johann wird ein großer Sarkophag von Porphyr nach dem Modelle von Agrippa's berühmten Sarkophage in Rom gearbeitet. Die zwei Porphyr- Blöcke, die dazu ausgesprengt sind, wiegen 350 Schiffspfund.
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Leipzig, 6. Jan. In den großen Firmen F. A. Brockhaus und Brockhaus und Avenarius sind seit dem Schluffe des Jahres 1849 einige Veränderungen eingetreten, welche auch in weiteren Kreisen interessiren dürften. Das Geschäft von Brockhaus und Avenarius wird mit dem von F. A. Brockhaus vereinigt, und dies letztere von Heinrich Brockhaus allein, mit Uebernahme aller Aktiven und Passiven, und in derselben Ausdehnung wie bisher, fortbetrieben. Friedrich Brockhaus zieht sich ganz aus dem Geschäft zurück und hat sich in Sachsen angekauft, Avenarius begründet mit Hermann Mendelssohn aus Berlin ein neues Buchhändlergeschäft in Leipzig.
Laube erhält als artistischer Direktor des Hofburgtheaters in Wien ein Jahresgehalt von 4000 Gulden C.-M. und ist dem Institut auf fünf Jahre „einverleibt" , wie die Wiener Blätter sich ausdrücken. —
Schweizer Blätter melden: Der Kaiser von Rußland verbietet den Angehörigen vieler Schweizerkantone das Betreten seiner Staaten, so namentlich den Genfern, Neuenburgern und Waadtländern, wodurch manchen empfindlicher Schaden erwächst, , die als Erzieher, Gesellschafter rc. bei den russischen Großen ein schönes Auskommen fanden.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater äi Wiesbaden.
Samstag den 12. Jan. Clavigo, Trauerspiel in 5 Akten von Goethe.
Sonntag den 13. Jan. 100,000 Thaler. Posse mit Gesang in 3 Akten von Kalisch. Bullrig, Hr. Hassel, vom Stadttheater in Frankfurt, als Gast. (Mit aufgehobenem Abonnement.)
Druck und Verlag der & Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiek baden.
