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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. 9.

Tagebuch einer jungen Frau. Moderne Züge aus demLeben der großenWelt.

Aus dem Französischen des Alberic Second von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung)

Denselben Tag, 2 Uhr.

Julie zeigt mir an, daß man im Salon nach mir- fragt. Es ist ein Herr, ein Herr, welchen sie noch nicht in unserem Hause gesehen hat, und der sich zu nennen weigert.

Kein Zweifel mehr, er ist es, eS ist Herr Gaston de Nangis . . . Schon . . . welche Eile! Sollte er mich wirklich so aufrichtig lieben, wie cs mich meine Schwiegermutter versichert hat? O, ich fühle mich be, wegt, zitternd, und doch ist es nicht ver Ort zu zittern und bewegt zu seyn. Nun denn, muthig , kräftig ! Ich will eine Frau seyn, mit einem Wort.

Ich öffnete die Thüre mit krampfhaft zusammengezo­gener Hand, und fand mich einer Person gegenüber, nicht alt noch jung, nicht groß nicht klein, weder dick noch mager, nicht schön noch häßlich.

Sie grüßte mich etwas verlegen; ich gab ihr ein Zeichen, sich in einem Sessel niederzulassen, und nahm auf der andern Seite des KaminS Platz.

Ich komme, Madame, wegen des Blumenstraußes," sagte der Eingetretene stotternd.

Welcher Blumenstrauß, mein Herr?" Ich stotterte noch mehr als er.

Mein Gott, Madame, es ist ein Mißverständniß, das ich bedaure."

Ein Mißverständniß?"

Ich bestellte diesen Morgen einen Blumenstrauß bei der Blumistin der Oper ... er sollte eine Ueberraschung für meine Frau seyn, die ich diesen Abend zum Ball

führe. Ich sagte, er solle Straße Saint-Lazare Nro. 38, in der dritten Etage abgegeben werden. Befremdet, ihn nicht ankommen zu sehen, erkundigte ich mich näher und erfuhr, daß der Neberbringer sich in der Etage geirrt hatte, und schon in der ersten sich seines Auftrages ent­ledigt hatte, statt in die dritte hinaufzusteigen.

Gute Nacht meinen Träumen, meinen Eroberungen, meinen Einbildungen. Ich schellte Julien und gab den Blumenstrauß seinem Eigenthümer zurück.

Und ich, die ich Herrn Gaston de Nangis als Ur­heber dieser galanten Aufmerksamkeit anklagte wie war ich betrogen. Wer weiß selbst, ob er nur noch an mich denkt?

Diese Männer, wie sind sie so leichtsinnig!

Acht Uhr.

Ich war begierig den Namen des Musters von Gat, ten kennen zu lernen, der seiner Frau so liebliche Ueber- raschungen macht. Sie sind selten, jene Gatten! Julien schickte ich auf Erkundigung aus und da ist, was sie mir ausgekundschaftet hat.

Mein Besucher von vorhin heißt Herr Jablot, ex hat die Ehre der Mann der Madame Euphrosine Jablot zu seyn, einer Schriftstellerin von Ruf, wenn ich meinem Kammermädchen glauben soll.

Seit sieben Jahren verheirathet, besitzen sie drei Knaben und zwei Mädchen. Madame hat zahlreiche Romane geschrieben. Man schreibt ihr mehrere Mitar­beiter zu. Uebrigens eine sehr einige Haushaltung. Madame führt den Herrn, der sie anbetet, an der Nasen­spitze herum.

Ist eS denn ausgemacht, daß man nur unter jenen Bedingungen glücklich seyn kann?

23. Dezember.

Madame de Zerny hat mich besucht und wir brachten den ganzen Nachmittag zusammen zu.