in sein Nichts und seine Verdammniß geworfen. Die „Freiheit" wird gepriesen, „der Menschheit ew'ges Recht" als von ihr geschützt in Anspruch genommen. Nur die Leichen der Gefallenen sind die Beute der Hungrigen geworden. Die ewigen und lebendigen „Gedanken" gehören der unvergänglichen Freiheit. Diese Freiheit ist aus dem Grabe der Helden des heiligen Volkskampfes entstiegen. Nicht mit Kanonendonner könne die Zeit ins alte Jock zurückgezwungen, noch weniger mit Kartätschen dem Volke das verheißene Glück gebracht werden.
„Trotz List und Teufel, trotz Verrath, Trotz Lug und Trug in Wort und That, Trotz Söldlingswuth und Zwingherrnjoch Lebt Recht und Wahrheit ewig doch!"
Läßt sich nun zwar auch in diesem zweiten Tobten- tanze des Jahres 1849 manches Wahre und Treffende nicht verkennen, wie denn der traurige Bürgerkrieg in Baden und Ungarn gewiß von jedem mitfühlenden Vaterlandsfreunde tief beklagt worden ist: — so muß dock die ganze Absicht des Bildes eine höchst unlautere, seine Verdächtigung eine unbewiesene und seine Schlußdurchführung eine flache und nichtssagende genannt werden.— Womit soll doch die Annahme gerechtfertigt seyn, daß die Fürsten selber mit tückischem Vorbedacht die Aufstände dieses Jahres angezettelt hätten, um hierdurch Anlaß zu erhalten, das Volk in stärkere Fesseln zu schmieden und über den Leichenhaufen ihrer Unterthanen ihren verletzten Stolz zu rächen? Befanden sie sich nicht vielmehr in der bedrängten Lage der Nothwehr und zugleich in der Verpflichtung, die bürgerliche Gesellschaft aus dem Bedränge böswilliger und selbstsüchtiger Rädelsführer zu retten, sowie das Wohl des Vaterlandes für fernere Tage aufrecht zu erhalten? Und wie nichtssagend erscheint doch der Schluß, der eine leere und allgemeine Freiheit, die in ihrem wahren Begriffe von Niemanden bestritten ist, aber in ihrem Mißbrauche die Quelle deS Verderbens in sich schließt, als Siegerin über die bestimmte geschichtliche Verwicklung des letzten Jahres hervorgehen zu las, sen und mit Ausfällen gegen Fürst und Heer ein nur gedachtes Recht, eine nur vermeinte Wahrheit zu preisen sich entblödet ! —
Es wird zu bedauern seyn, wenn durch diesen zweiten Tortentanz manchen noch Unbefestigte und Unbewachte auf's Neue wankend, durch thörichte Vorspiegelung eines auf den Trümmern alles Bestehenden zu erwartenden Vvlksglückes in ihrer Lage unzufrieden und in ihrer Hingabe an die Zuversicht einer wiederkehrenden Friedenszeit irre gemacht werden. — Du aber, prüfender Leser, entscheide selber, auf welcher Seite die bestimmtere Wahrheit
liegt, welches der beiden Bilder die alte Bezeichnung des biederen deutschen Malers als ein wahrhaftiger Todten- tanz der Neuzeit zu tragen verdient. S. —
Miszellen.
Bei einem Volke wie das deutsche, das so lange ein rein literarisches Leben geführt und statt auf der offenen Rednerbühne in geschloffenen Gesellschaften seine Angelegenheiten verhandelt hat, ist eine Statistik der mit Leseanstalten verbundenen geselligen Vereine nicht unwichtig. Wir hatten Gelegenheit, ein Verzeich- niß derselben durchzusehen und theilen, obgleich dasselbe nur einen Theil von Deutschland umfaßt, hier kurz die Ergebnisse daraus mit. Zwar sind die Städte nicht vollständig aufgeführt, dafür sind aber die Angaben (vom Februar 1849) durchaus zuverlässig. Baiern. Aschaffenburg 5, Nürnberg 4, Augsburg, Landau, Speier je 2, Neustadt an der Haardt, Deidesheim, Dürkheim, Edenkoben, Annwciler, Pirmasenz, Bergzabern, Langenkandel, Germersheim, Frankenthal, Tölz, Dachau, Fürstenfeldbruck und Obergünzburg je l. Würtc mber g. Heilbronn, Tübingen, Stuttgart je 2 , Ulm , Langenau, Laupheim je 1. Baden. Mannheim 6, Karlsruhe 5, Heidelberg 4, Eichstätten (bei Freiburg) und Durlach je 1. Rheinpreußen. Düsseldorf 6, Elberfeld 5, Emmerich 3, Bonn 2. Die älteren unter diesen Gesellschaften führen hochtrabende Fremdnamen, wie Kasino, Ressource, Museum, Societo' , die neueren zeigen darin einen Fortschritt, daß sie deutsche und zugleich bezeichnendere Benennungen, wie Lesegesellschaft, Bürgerverein, Zeitungshalle u. s. w. tragen.
In England hat Jemand ein Uhrwerk erfunden, welches zu jeder beliebigen Stunde weckt, Licht anzündet und einen kleinen Kessel Wasser siedet.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
M 11 f e 11 in.
Wiesbaden. Montag, den 7. Januar.
Dritte Zusammenkunft der Mitglieder.
1) Kaiser-Quartett von Haydn; 2) Deklamation, Salas y Gomez von Cham i sso; 3) Gesangt Lieder von Beethoven; 4) Violinsolo; Adagio von Beethoven und Tremolo von Ber i ot; 5) Vokal-Quartett von Schubert.
Anfang 7'/, Uhr.
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag den 8. Jan. Robert der Teufel. Oper in 5 Akten. Musik von Meyerbeer. Isabelle, Frl. ».Bracht, als Gast.
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Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung,in Wiesbaden.
