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anderer

Belletristisches'Beiblatt zur

Allgem. Zeitung.

1850. ^ 3.

-- «KBSESMEfE^ -----

Tagebuch einer jungen Frau. ModerneZüge aus dem Leben der großen Welt.

Aus dem Französischen des Alberic Second von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung)

So ist denn dieser Tag verflossen, ein Tag, so lang­weilig, so lange, daß ich argwöhnte, der Uhrmacher der Marquise habe jede ihrer Pendulen um drei Stunden zurückgestellt.

Wir saßen uns gegenüber bei der Mittagstafel, welche überladen mit Festlichkeiten und lästigen Zeremo­niels durch zwei schwarz gekleidete Laquaien bedient wurde, die der Administration für Trauerfeierlichkeiten entlehnt zu seyn schienen. Das war ergötzlich.

Nach aufgehobener Tafel kamen die Vertrauten der Marquise, ihr den Hof zu machen. Es waren zehn Per­sonen, deren Alter zusammengenommen, dasjenige des Methusalem überholt haben mußte. Ich wurde nun durchforscht, sorgsam beobachtet und nach allen Seiten kritistrt. Endlich arrangirte man einen Spieltisch, wobei ich, mein Gähnen unterdrückend, die Arabesken des Pla­fonds zählte. Um halb zehn Uhr hob ich die Sitzung auf, indem ich schreckliches Kopfweh vorschützte.

Bis morgen, meine Schwiegertochter!" sagte Ma­dame de Serthain, mich auf die Stirne küssend.

O, möchte mir Gott eine nicht zu schmerzliche Vcr- enkung zuschicken!

11. Dezember, 11 Uhr.

Didier , ich hatte einen bösen Traum, welcher mich einen Theil der Nacht quälte und der einen schwarzen Trauerflor über mein Herz und meine Sinne warf.

Ich träumte, daß bei der Durchreise einer Stadt, ich weiß nicht mehr welcher, Chalons, glaube ich, eine Frau in dem Marseiller Wagen an Deiner Seite Platz nahm. Diese Frau, jung und reizend, war von ganz anderer

Schönheit als ich. Sie stieg lächelnd in den Wagen und richtete sich mit einer anmuthigen und perfiden Koketterie darin ein, die mich sogleich mit Hast gegen sie erfüllte. Du indessen, theurer Didier, in eine Ecke des Wagens gedrückt, betrachietest mit liebendem Auge mein Porträt, welches ich Dir im Augenblicke der Abreise in die Hand gedrückt zu haben mich erinnere. Du hattest nur Blicke und Gedanken für mich und ich fühlte mich freudigst be­wegt. Alsdann sah ich Deine Reisegefährtin, beleidigt durch diese Gleichgültigkeit, sich Dir sachte nähern, ihren Kopf auf Deine Schultern lehnen und leicht auf mein Portrait blasen. Nach und nach, seltsames Wunder, er­blaßten meine Züge und verschwanden von dem Elfen dein, wo sie durch die ihrigen ersetzt wurden.

Alsobald,. Dank der wunderbaren Schärfe der Wahr­nehmung unserer Sinne während deS Traumes, hörte ich Dein Herz stärker in Deiner Brust schlagen und ich sah heftiger Dein Blut in Deinen Adern zirkuliren.

Didier, ich liebe Dich," lispelte die Unbekannte Und sie umschlang Deinen Hals mit beiden Armen. Weit entfernt, sie mit Zorn zurückzustoßen, zogst Du sie an Dein Herz und ihr hieltet euch eng umarmt.

Nun fühlte ich eine fürchterliche Wuth sich meines ganzen Wesens bemächtigen, ich stürzte mich den Pferden in die Zügel, schnitt die Zugriemen ab und der Wagen rollte mit schrecklichem Getöse in einen schwarzen Ab­grund.

Ich erwachte in Schweiß und Thränen gebadet.

DaS ist nur ein Traum, mein Freund, und doch fühle ich mich im Innern der Seele nicht muthig ge­stimmt.

Denselben Tag, Mittags^

Noch eine Botschaft von meiner Schwiegermutter. Sollte ich sie vielleicht zu hart beurtheilt haben? Hier ist, was sie mir zu sagen hat.