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Madame Wollin den Entschluß aussprach, auch in diesem Jahre ihrer frommen Gewohnheit treu zu bleiben, liebe Großmutter, nimm mich mit! Wenn Jemand auf Erden verpflichtet ist, seinen Dank für empfangene Wohlthaten dem Herrn zu Füßen zu legen, so ist es deine Anna.

Ich will auch eine Wallfahrt nach T. machen! rief Eugen, der eben zugegen war, und schritt mit großer Hast im Zimmer auf und nieder. Mir ist dort auch ein Gnadenbild erschienen — die Jungsrau mit dem Schwerte in der Brust.

Ich wähnte, sagte Madame Wollin mit ungeheuchel­tem Erstaunen, die jungen Herren der heutigen Zeit glaubten nicht mehr an Erscheinungen und Wunder.

Ja, ein Wunder war es, ein Engel! erwiderte der junge Mann, ungewöhnlich aufgeregt; ich sah ihn nur einen kurzen Augenblick, dann verschwand er mir für ewig. — Aber wenigstens die Stätte will ich noch einmal wieder sehen, die seine Erscheinung geheiligt hat. — Ich wünsche Ihnen gute Nacht, meine Damen. ■— Und »er# schwunden war er und ließ die Frauen höchst erstaunt über ein so seltsames, ungewohntes Betragen zurück.

Als am folgenden Abende Eugen nachdenklich, ja, bei­nahe trübsinnig neben seiner jungen Geliebten saß, fragte Madame Wollin ihn scherzend, ob er sie wirklich morgen nach T. begleiten wolle, oder ob seine gestrige begeisterte Frömmigkeit bereits wieder verflogen sey. Er betheuerte aber, daß er in völligem Ernste gesprochen, und nahm ihr Anerbieten, die kleine Reise in ihrer Gesellschaft zu machen, mit lebhafter Freude an. — (Forts, folgt.)

Erlebnèffe aus der pfälzischen Erhebung im Mai und Junius 18TÄ.*)

Von Ludwig Bamberger.

Unter den zahlreichen kleinen Flugschriften, welche die badische und pfälzische Revolution zu beleuchten an­gefangen haben, sind die meisten von versprengten Frei» schärlern mit vieler Leidenschaftlichkeit und noch mehr Oberflächlichkeit geschrieben. Eine sehr ehrenwerthe Aus­nahme macht aber die Schrift von Bamberger. Sie be­fleißigt sich nämlich der strengsten geschichtlichen Treue und der naivsten Aufrichtigkeit. Zwar bekennt sich der Verfasser warm und unumwunden zur Republik, und will auch nicht einen der Grundsätze aufgeben, für die er im Mai zu den Waffen gegriffen hat; allein für wie unum­stößlich richtig er diese Grundsätze hält, eben so fest ist er von der Erbärmlichkeit der Fähigkeiten und Mittel über, zeugt, durch welche sie in der Pfalz und in Baden haben

*) Frankfurt a. M. Literarische Anstalt 1849. (Nach der Allgem.

Zeitung). f

zur Geltung gebracht werden sollen, und seinen eigenen Gesinnungsgenossen zur Warnung entwirft er daS schmachvolle Bild der Pfälzer Revolution, einzig in der Absicht, zu zeigen, wie man eine Revolution nicht machen soll. Diese seine Offenherzigkeit und treue Berichterstat­tung kommt nun* auch allen den Lesern zu Gute, die seine Grundsätze nicht theilen. Sein kleines Buch hat den Werth eines geschichtlichen Aktenstücks, einer unverwerf­lichen Zeugenaussage.

Bamberger ist ein Rheinhesse, unb war im vorigen Frühjahr im engsten Einverständniß mit Zitz. Am 9. Mai kam nach Rheinhessen die Nachricht auS der Pfalz, daß daselbst 30,000 Mann schlagfertig stünden, und daß be­reits ein preußisches Bataillon auf dem Wege nach Landau zur Umkehr gezwungen worden sey. Darauf beschloß die demokratische Partei, auch in Rheinhessen loszuschlagen und den Pfälzern Zuzug zu leisten. Etwa 1500 hessische Freischärler sammelten sich in Wörrstadt, aber ohne Geld, zum großen Theil ohne Waffen, und ohne irgend ein Kommando. Nur der Zufall verschaffte ihnen einen pro­visorischen Befehlshaber von sehr geringen Fähigkeiten. Dabei befand sich ein Anhang von etwa hundert „Ge­stalten", bei dLven sich Bamberger nicht verhehlt, ihm selber sey bei ihrem Anblick das Herz in die Schuhe ge­fallen. Er und Dies Besseren der kleinen Armee suchten gleich anfangs sich dieses Gesindels zu entledigen, daS war aber nicht^rwglich. Nun galt es wenigstens, einige Disziplin bei Liesen unbotmäßigen Republikanern zu hand­haben, uyd mit Beschämung gesteht der Verfasser, daß alle Ermahnungen im Geiste der Freiheit, Gleichheit und Brü­derlichkeit nichts gefruchtet hätten, bis der provisorische Befehlshaber des Korps seine Zuflucht zu ächt soldatischer Grobheit genommen habe, das habe dem Gesindel impo- nirt. „Ich habe", fügt Ler Verfasser hinzu, „nach der Hand tagtäglich so schlagende Beweise von der ver­derblichen Wirkung der Höflichkeit und der vortrefflichen der Grobheit erlebt, daß ich mich mit einem Theil der Mißbräuche des Flehenden HeereS ausgesehnt habe."

DaS Korpch bewegte sich über Alzei und Pfeders- Heim nach der Pfalz, wo es sich bereits angekünvigt und um Instruktionen gebeten hatte. Da empfing es einer­seits vom damaligen Pfälzer Oberkommandanten Fenner v. Fenneberg den Befehl, nach Dürkheim zu marschiren und sich bis Neustadt auszudehnen, andrerseits vom da­maligen Pfälzer Landes-Ausschuß den Befehl, nach Kirch, Heim-Bolanden zu marschiren. Um zu erfahren, welches von diesen beiden einander widersprechenden Befehlen denn gelten solle, wurde Bamberger nach Kaiserslautern geschickt, wo der Landes-Ausschuß tagte. Da erfuhr er aber, daß man gar keinen Operations - oder Defensions­plan habe, und daß es ebenso gleichgültig sey, wohin