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kelin, nur noch auS zwei alten Mägden, die mit der Herrin ergraut und, wie sie, völlig fremd in der Gegend waren, welche diese seit Kurzem zu ihrem Aufenthalts­orte gewählt hatte. Aber Anna hatte nie jugendliche Gespielen gekannt, und sie vermißte deßhalb ein Glück nicht, von welchem ihr jede Vorstellung mangelte.

Einer der Hauptrepräsentanten des Adels von M. war gestorben, und seine Angehörigen trafen die geeig­neten Anstalten, um die Leiche des Grafen von W. in seiner Familiengruft unter der St. Paulskirche auf eine Weise zu bestatten, die dem Stolze des Verstorbenen, wie seinem Reichthume und seinem hohen Range angemessen wäre. Anna hatte von ihrer Großmutter die Erlaubniß erhalten, unter dem Schutze einer der alten Dienerinnen deS Hauses dem Leichenzuge zuzusehen, und mit gespann­ten Erwartungen und lebhafter Ungeduld sah sie dem Augenblicke entgegen, der ihre Neugierde befriedigen sollte.

Auf den langen, brennenden Sommertag folgte das bange Dämmern einer schwülen, mondlosen Nacht. Gegen 10 Uhr verabschiedete sich Anna mit einer halb feierlichen, halb freudigen Empfindung von ihrer Großmutter und verließ mit chrer alten Begleiterin die heimische Woh, nung, um sich zu so später, dunkler Stunde in das ver­worrene Gewühl von Tausenden zu mischen, ohne eine Ahnung von den Verlegenheiten und Gefahren, die ein solcher Schritt für ein so junges, schönes und so schlecht beschütztes Wesen herbeiführen konnte.

Auf den Treppenstufen eines großen, alterthümlichen Gebäudes, in der Nähe 'der Kirche, in deren Gewölben der vornehme Todte seine letzte Ruhe finden sollte, stand Anna, an ihre alte Dienerin geschmiegt, bange athmend und nur mit ihrem Blicke dem Trauerzuge folgend, dessen finsteres Gepränge sich allmählig vor ihren Augen ent, faltete. Das wankende, gespenstische Licht der zahllosen Fackeln, die niederhangenden Trauerflöre, der dumpfe Hufschlag der schwarz verhüllten Pferde, der Leichenwagen mit seinem langen düsteren Gefolge, und der schwermü- thige Hall der Todtenglocken übten einen solchen Einfluß auf das leicht erregbare Gemüth der armen Anna, daß sie, am ganzen Körper zitternd, kaum den Thränen zu wehren vermochte, die schwer und brennend ihr schönes Auge füllten. (Forts, folgt.)

Die neuesten Dauses céSèbres in Berlin.

(Fortsetzung.)

Die Leiche des Schiffers ward Anfangs April in der Spree bei Moabit im seltsamsten Zustande gefunden.

Die Kleider waren ausgezogen, die Füße gebunden, und der Kopf war mit Handtüchern, Hemden, Lappen und einer Jacke dicht umwickelt. Alle diese Umhüllung war überdies mit Schnüren festgebunden. Man hätte danach schließen können, daß die Mörder ihn überfallen, gekne­belt und ersäuft hätten. Aber bei Loswickelung der Tücher fand man den Hirnschädel eingeschlagen; eine Todeswunde und das ausgeflossene Blut verrieth, daß ihm diese Wunde noch in lebendigem Zustande beigebracht worden. Daß die Mörder ihn nachher ins Wasser war­fen, um die Leiche verschwinden zu machen, erklärt sich durch sich selbst; warum aber die seltsame, sorgfältige Verhüllung des Kopfes, warum die gebundenen Füße? Hatte man sie ihm zuerst gebunden und dann den Kopf eingeschlagen? Eine kaum glaubliche Procedur, da der Schiffer ein sehr starker Mann war. Die Jndicien gegen den Schiffsknecht Kuhbeil waren, daß er auf dem Schiffe verblieben, daß der Mord aber auf dem Schiffe verübt seyn mußte, da der Kopf mit des Schiffers Jacke um­wickelt gefunden wurde, welche Jacke beständig in der Kajüte hing, und daß Kuhbeil zu jener Zeit mehr Geld verausgabt und nach Hause geschickt hatte, als er er, weislich eingenommen haben konnte. Auf diese Anzeigen hin hat er zwanzig Monate im Gefängniß auf sein Ur­theil gewartet! Ich vergaß, zu sagen, daß man die Kajüte geplündert fand und das Frachtgeld des Schiffers mit allen anderen einiger Maßen werthvollen Gegen­ständen desselben verschwunden war. Wann dieses Letztere geschehen und wann es zuerst entdeckt worden, scheint aber nicht ermittelt. Wer kümmerte sich um einen todten Schiffer und seinen Kahn, wo ganz andere Leichen in Berlin umgetragen wurden und das große Skaatsschiff mit der Brandung kämpfte! Kuhbeil ward nach 20monat- licher Haft freigesprochen; selbst der öffentliche Ankläger schien nur seiner Ausgabe zu genügen, nicht aus eigener Ueberzeugung zu reden. Daß der Freigesprochene un­schuldig sey, ist nicht ermittelt, aber gewiß, daß auch er ein Opfer der Revolution geworden; denn in der allge­meinen Verwirrung, wo Niemand wußte, was noch galt und was gefallen war, verließ sich Einer auf den An­deren, und das Nöthigste ward darüber versäumt.

Ein Jnquisitionsrichter nach dem alten Verfahren hätte die Spuren sofort verfolgt und entweder Beweise für die Schuld gefunden oder, in Ermangelung derselben, den Juquisiten früher entlassen. Dieses ward so wenig beachtet, daß selbst keine Rekognition der Leiche durch die herbeigerufene Ehefrau Statt fand; ja, als man ihr vor Gericht die Kennzeichen der Leiche aus dem Befund- Protokolle vorlas, erklärte sie mit Bestimmthelt, daß die Beschreibung der Haare, Zahne und anderer kleiner Um- stände auf ihren Mann gar nicht passe. Es ist also