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tator, einem Robespierre, einem Kossuth zu verdanken vermag! Wenn sie Alle, die hier versammelt gewesen, noch einmal, wenn sie heute wiederum auö dem Römer in festlichem Zuge herbeigewallt kämen und auf's neue einzögen, o fragt sie doch, wieviele ihre alten Plätze einnehmen, wie viele gerade so sprechen, stimmen und streben würden, wie sie gesprochen, gestimmt und gestrebt haben!

Warum eine solche Litanei auS der Paulskirche? Haben und erhalten wir doch daher, wir gepriesenes Volk von Denkern, eine ganze Literatur. Die einzigen Blüthen unsers kurzen Frühlings sind also ein paar Karikaturen; die einzigen Früchte unsers frühen Herbstes ein Dutzend Bücher. Bücher, die unendlich gescheit vom Rathhause zurückkommen — Bücher, welche alle die subjektiven und objektiven Standpunkte, alle die Parteistellungen, alle die StaatSzwecke klar bestimmen, wonach die Verfasser sammt ihren Freunden in der Paulskirche höchst unklar umher­getappt sind — Bücher endlich, die weder als Geschichte noch als Memoiren gelten können, von denen bis zur Stunde keines den geringsten Einblick in die parlamen­tarische Coulisse gewährt, obgleich diese gewiß um vieles wichtiger und anziehender gewesen, als die offene parla­mentarische Scene. Warum erklären sie uns denn nicht so manches dunkle Räthsel, das da noch liegt, so man­chen künstlichen Knoten, den fremde Hände in unser Garn geschürzt, warum nicht einmal den blutigen Flecken der Septembertage, die wunderlichen Wendungen und Wechselfälle der Kaiserfrage, die klägliche Auswanderung in die Stuttgarter Reitschule? j Warum stehen sie nicht Rede und Antwort den hofmeisternden Grobheiten, wo­mit die englische Presse unser erstes Parlament begleitete, dem achselzuckenden Mitleid, das selbst von so wohlwol­lender und urteilsfähiger Stimme, wie die eines St.- Rene Taillandier ist, über uns abspricht? Wahrlich, wer jemals aus der Vogelperspektive des Zuhörerraums un­befangen herabgesehen hat auf die gesetzgebenden Ver­sammlungen unserer Nachbarn, sey es auf die kahlen Köpfe im ehemaligen Luxemburg oder auf die wilden Bärte der heutigen republikanischen Assemblee, sey eö endlich auf die langhingeräkelten Beine in den englischen . Häusern, und wer dann mit diesen Meisterwerken unsere Studien vergleicht, der braucht trotz aller deutschen Be­scheidenheit dem gepriesenen Auslande auf diesem Felde weder die Palme des Talents, noch die der ehrlichen Gesinnung zu lassen.

Nicht weil wir in uns zu wenig gehabt, sondern vielmehr deßwegen, weil uns von draußen zu viel ge­kommen, hat der erste Argonautenzug im Schiff der Paulskirche ein solches Ende genommen. Daß der Fremde darüber sich die Hände reibt, ist natürlich; aber unna­

türlich ist es, daß Deutsche selbst, daß solche Deutsche, zumal, welche mit den übertriebensten Hoffnungen die Morgenröthe des Reichstags begrüßten, nun hinter sei­nen Abenddämmerungen am lautesten herschmâhlen.

Fr. D.

Zur Geschichte des Hauses Rothschild.

(Fortsetzung.)

Als Kontrahent einer englischen Anleihe erschien^der Name Rothschild zuerst im Jahre 1819. Die Zwölf Mill. Pfd. Sterl., für welche er damals verantwortlich wurde, fielen allerdings unter Pari;, ehe dies jedoch geschah, soll sich Rothschild aller Obligationen entledigt haben. Von jetzt an dehnten sich seine Handelsverbindungen über die ganze Welt aus. Mit dem Gewinn einer ein­zigen Anleihe kaufte er sich ein Landgut, welches ihm 150,000 Pfd. Sterl, kostete. Kleinere Kapitalisten hin­gen sich wie die Schlingpflanzen an ihn und waren stets bereit, auf seinen Wink ihr Geld in Spekulationen zu riskiren. Diesem umfassenden Geiste war nichts zu groß­artig — nichts so geringfügig, daß es seiner Aufmerk­samkeit entgehen konnte. Es war ihm eben so leicht, die Bedingungen einer Anleihe aufzuzeichnen, wobei es sich um Millionen handelte, als das Minimum des Ge­haltes zu berechnen, von dem es seinem Geschäftsperso­nal möglich seyn würde, zu eristiren — denn wie nur zu viele große Kaufherren, die ihren Gewinn nach Tau­senden zählen, honorirte er seine Gehülfen schlecht, und diese mußten für ihre Dienste mit dem kärglichsten Lohn vorliebnehmen. Rothschild war Hohepriester des Janus­tempels, die Kanonen der Revolution prallten an den Gelvsäcken ab, mit denen er die europäischen Monarchen versorgte. Im Jahre 1824, wo das öffentliche Interesse ganz durch Finanzspekulationen in Anspruch genommen wurde, lauschte man seinen Bewegungen mit der ge­spannten Erwartung, mit der man sonst nur dem Marsche von Armeen entgegensieht. -Inzwischen hielt sich Roth­schild klüglich von den meisten Operationen der Jahre 1824 und 1825 entfernt. Keine von den Anleihen, mit denen er in Verbindung stand, ward entwerthet, und als die Krisis jener traurigen Zeit herankam, konnte der große Finanzmann der Katastrophe ruhig zusehen und sich zu seiner Vorsicht Glück wünschen. Von ihm konnte man stets einen annehmlichen Preis für Fonds bekom­men, die in jener kritischen Periode auf dem Geldmarkt nicht zu realisiren waren, und die Makler fanden es einfacher, sich im Komptoir des Herrn Rothschild zu mel­den, als nach der Stockbörse zu gehen.