bei der Regierung von Neu-Granada hinterlegt. Oberst Hughes, vom Geniekorps deS amerikanischen Heeres, der Ingenieur der Gesellschaft, hat seine Untersuchungen und Vermessungen auf dem Isthmus beendigt; er hat ermit- telt, daß die Bahn keine größere. Steigung als 286 Fuß Rheinisch über den Ozean zu machen und nicht länger als 10 geogr. Meilen zu seyn braucht. Diesem Techniker zufolge hat es nichts Unzuträgliches auf einem Wege, welcher nicht für schwere Waaren bestimmt ist, Neigungen von 1 auf 90 zuzulassen, und unter dieser Bedingung würden nach seiner Meinung die Kosten etwa 3 Mill. Dollars betragen, selbst wenn der Tagelohn doppelt so theuer seyn sollte als in den Ver. Staaten.
Die Eisenbahn würde sich in zwei ziemlich gleiche Hälften theilen zu La Gorgona, einem Punkte, wohin man jetzl auf dem Flusse Chagres gelangt und welcher 5 ein halb Meilen von Panama und 4 ein halb Meilen von dem atlantischen Ozean entfernt liegt. Die Kompagnie beabsichtigt zuerst die Strecke von Panama nach La Gorgona zu vollenden und sie hofft in anderthalb Jahren chamit ifertig zu werden. Später würde man dann die Bahn von La Gorgona nach Chagres 'oder vielmehr nach der Bai von Linon angreifen. Man kann demnach das Unternehmen als schon in der Ausführung begriffen, ansehen, die amerikanischen Kapitalisten werden der Ansicht seyn, daß die Strecke unter den gegenwärtigen Umständen einen sehr guten Nutzen verspricht, und in der That leuchtet es ein, daß eine Bahn über den Isthmus von Panama eine weit höhere Fracht von Reisenden wie von Waaren fördern kann, als irgend eine Bahn der Welt. Ein Preis von 15 Dollars für die Ueberfahrt wird z. B. jedem ungemein wohlfeil Vorkommen, der die gegenwärtigen enormen Transportkosten vor Augen har, und gleichwohl ist er das Zehnfache des höchsten Tarifs in Europa. Auch ist nicht zu bezweifeln, daß nach Vollendung dieser Bahn die allgemeine Route, sowohl für Personen, als für einigermaßen werthvolle Waaren nach den Philippinen, nach China und den australischen Inseln über die Landenge von Panama gehen wird.
? Die Frage, ob ein Kanal nicht zweckmäßiger gewesen wäre, als eine Eisenbahn, liegt sehr nahe. Ein Kanal hat vor allem die formidablen Kosten gegen sich. Herr Garella, ein französischer Techniker, welchen Guizot hin- ausschickte, berechnete dieselben auf 26 bis 30 Millionen Dollars und er ließ es noch unentschieden, ob eS überhaupt möglich seyn würde, wenigstens nach Panama zu, die Schwierigkeiten eines Kanalbaues überhaupt zu überwinden. Es ist nach dem Drange des Welthandels , der sich mit solchem Ungestüm auf die Länder des stillen OzeanS richtet, wahrscheinlich, daß in Zukunft
auch ein Wasserweg die beiden Weltmeere verbinden wird, aber dieser Wasserweg wird vermuthlich nicht über den Isthmus gehen, sondern durch Zentralamerika, den Fluß San Juan de Nicaragua entlang, durch die Seen Nicaragua und Leon nach dem berühmten Hafen Realejo.
ES liegt auf der Hand, daß die strengste Neutralität für das Gedeihen der entstehenden Isthmus,Eisenbahn unentbehrlich ist. Im Interesse des Welthandels ist daher zu erwarten, daß die großen Seemächte sich möglichst bald über einen Vertrag einigen, durch welchen diese Straße auch in Kriegszeiten gegen jede Monopoli- sirung sicher gestellt wird.
* * Ein Beitrag zur Geschichte des Nassau - Saarbrücken'schen Gesammt- Archives.
(Vom Archivkonztisten Ernst zu Idstein.)
(Fortsetzung.)
Aber auch die Nassau<Jbsteini>che Linie starb nach einem 250jährigen Bestehen, mit dem Grafen Johann Ludwig, im Jahre 1605 aus und sämmtliche Nassau- Saarbrücken'schen Lande, dieffeits und jenseits des Rheins, sammt ihren drei Archiven, vereinigten sich in der einen Hand des Grafen Ludwig, Sohn des schon genannten Grafen Albrecht zu Weilburg.
Als Graf Ludwig nach einer ruhmreichen Regierung im Jahr 1627 zu Saarbrücken starb, theilten zwar dessen 4 Söhne die sämmtlichen Lande, allein in der 1629 errichteten Brudertheilung wurde in den Artikeln 14, 15 und 16 ausdrücklich festgesetzt, daß der Aelteste des Hauses jedes Mal die Passiv-Lehen zu empfangen und die Aktiv'Lehen zu vergeben habe und weiter, daß das Ge- sammtarchiv jedes Mal bei dem Aeltesten als Senior des Hauses beruhen sollte.
Nach dem schon 1632 erfolgten Ableben des jüngsten Bruders stifteten die drei übrigen Brüder, und zwar Wilhelm Ludwig: die neue Saarbrücken'sche, Johann: die neue Jdsteinische, und Ernst Casimir: die neue Weil- burgische Linie.
Graf Wilhelm Ludwig, als Aeltester, führte daS Seniorat und bei diesem, welcher in Saarbrücken residirte, beruhte daS vereinigte Gesammtarchiv. Nicht lange indessen sollte dasselbe dort friedlich bestehen.
Die Furie deS Krieges, welche in einem dreißigjäh, rigen Religionskampfe über Deutschland die blutige Geißel schwang und Hunderttausende von Menschen auf dem blutgedüngten Boden opferte, sollte auch das nassauische Gesammtarchiv mit ihrer ganzen Schwere treffen.
