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denken, die ihres Gleichen wohl kaum findet; der Dalken derselben hat Charniere, so daß man ihn eng zusammen­legen kann.

Diesen flüchtigen Blicken auf die Diener wollen wir einige gleich flüchtigen auf die Herren der Burg anreihen. Bruchstücke der Turnierrüstung eines Pferdes scheinen dafür zu sprechen, daß der Tannenberg in der letzten Zeit turnierfähige Bewohner hatte. Ziemlich gut erhalten ist ein Handschuh, der um so kostbarer ist, da aus dem sech­zehnten Jahrhundert wenige Rüstungsstücke übrig sind. In vortrefflichem Zustande liegen ein schönes Schwert Vock seltener Form und zwei Dolche vor, ebenso eine große Zahl von Steigbügeln von allen, mitunter schönen For­men und viele Sporen. An Lanzenspitzen gebricht es nicht, noch weniger an Schnallen, deren die Sammlung fast fünfzig besitzt, am allerwenigsten an Pfeilspitzen, deren Zahl Legion werden zu sollen scheint. Und so fügen auch wir hinzu: es wird noch täglich gefunden, die Haupt­gebäude kamen noch nicht zu Tage.

Wir nannten wiederholt unsere Aufzählung des Ge­fundenen eine flüchtige, und wir müssen das Wort recht betonen, denn wir konnten in ihr einer Menge von Dingen nicht gedenken, deren Werth sich erst dann schätzen lassen wird, wenn größere Aufmerksamkeit auf die Reliquien jener Tage das an andern Orten Vorhandene mehr zu allgemeinerer Kenntniß bringt, wenn überhaupt die For­schung sich mehr den Geräthschaften des Mittelalters zu­wenden wird, als eS bisher geschah. Dazu ist aber durch die Sammlung die willkommenste iGelegenheit geboten und ein bedeutender Schritt weiter ist dadurch gethan, daß durch die Munisizenz Sr. k. Hoheit des Großherzogs die interessantesten Funde, besonders die vielen Bruchstücke von Ofenkacheln mit den verschiedensten und schönsten Zeichnungen lithographirt werden. Sie sollen als Bei­lage einer auf Veranlassung des Fürsten erscheinenden ausführlichen Arbeit über den Tannenberg dienen, deren architektonischen Theil der ausgezeichnete Verfasser der Geschichte der Grafen von Eberstein in Schwaben", Herr Oberst Krieg von Hochfelden, behandelt; Herr I. W. Wolf bearbeitet den historischen Theil und die Beschreibung der Sammlung, der wir schließlich den besten Fortgang und recht viele Besucher wünschen.

Zur bildenden Kunst.

Dresden, 1. Dez. (A. Z.) Die Insurrektionen wol­len die Königsschlösser in die Luft sprengen, während die Künstler darüber nachsinnen, ihre Wände mit schönen Gedanken zu schmücken. Schnorr v. Karolsfeld

entwirft den Karton zu dem letzten Nibelungenbilde für den KönigSbau in München, Bendemann trifft man in seinem Atelier unter Zeichnungen und Entwür­fen für den Ballsaal unsers Schlosses. Beide Künstler, von ihren letzten Freskomalereien sehr angegriffen, litten an den Augen, sind aber so weit wieder hergestellt, daß sie ihren Freunden keine Besorgniß mehr einflößen.

Bendemann hat mit den neuen Erfindungen sei­ner immer reichen und schöpferischen Phantasie nach jenen Ballsaal und zwei mittlere Verbindungözimmer des Schlosses zu schmücken. Für jenen hat er Gegenstände der Mythologie, wie für den Thronsaal bekanntlich mit­telalterliche gewählt. Die Zwischenzimmer sind der Dar­stellung eines Vorwurfs rein jüdischer und eines rein christlicher Anschauung gewidmet. Die Rückkehr der Juden aus der Gefangenschaft wird das eine, die Genesis und Fortpflanzung des Christenthums das andere große Wand­bild darstellen. Schon jetzt kann man in den kleinen Entwürfen zu diesen Plänen nicht umhin, sowohl die sinnige architektonische Gruppirung, wie den reichen Ge­dankeninhalt des Künstlers zu bewundern. Der lang hinwallende Zug der Juden zu der Stätte, wo ihnen allein, im Tempel zu Jerusalem, Jehova würdig zu thro­nen schien, steht in einem sinnigen Gegensatze zu der christlichen Idee, daß Gott in keinem Hause von Men­schenhand gemacht wohne. Die Apostel sind eS, die unter einer Symbolisirung der Offenbarung den Gekreuzigten in alle Enden der Welt tragen, während sich freilich später in den Kreuzzügen die alte jüdische Idee, die Ver­herrlichung des Heimathlaudes [bet christlichen Religion, durch fromme Waller und kriegerische Unternehmungen wiederholte. Wir sahen die Skizzen des Künstlers zu flüchtig, um schon jetzt den vollen Inhalt seiner Absich­ten wiedergeben zu können.

Im Ballsaalef werden Momente der Freude aus dem alten Sagenkreise hervorgehoben werden, zu denen auch die jetzt schon, grau in grau, gemalte und fertig gewor­dene EberjagdZ'gehört, die im Style der Basreliefs ge­halten und trefflich gruppirt ist. Sehr sinnig muß man es nennen, daß Bendemann einen Zyklus froher mythi­scher Gegenstände mit dem Feuerraube des Prometheus beginnt; denn mit dem Licht und der Wärme kam die Freude in die Welt, wenn auch die Qualen des gefes­selten Prometheus nur schmerzlich daran erinnern, daß der Freude die nagende Qual der Reue folgt. Nach zwei Seiten hin aber jauchzt der frohbewegte Mensch: unsere Lichtnatur^wird nur mit Apollo froh seyn können, während der von der Wärme gebundene, rein gesellige Mensch zum Bannerträger den Thyrsusschwinger Dio­nysos erwählt. Und die Musen selbst, Vermittlerinnen der Freude, steigen sie nicht von ihrem Herold Apollo,